In Anlehnung an ein berühmtes Zitat, dass man als Torwart eine "gewisse Portion Wahnsinn" brauche, stellte Marius Müller genau dies unter Beweis. In der 38. Minute des League-Cup-Achtelfinals gegen den Dundee FC sah sich der 33-jährige Keeper einer alltäglichen Situation gegenüber: Nach einem langen Ball des Gegners klärte seine Abwehr die Situation und spielte den Ball kontrolliert zu Müller zurück.
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Der Rückpass von Linksverteidiger Nesta Guinness-Walker rollte allerdings auf Müllers schwächeren Fuß zu, während ein Angreifer von Dundee zum Pressing ansetzte. Statt den Ball einfach traditionell und sicher aus der Gefahrenzone zu schlagen, entschied sich der Deutsche für eine denkbar lässige Variante: Er überkreuzte sein rechtes Bein hinter dem linken und beförderte den Ball per Rabona in einem hohen Bogen gut 35 Meter weit übers Feld. Anschließend joggte er unbeeindruckt ins Tor zurück, als sei nichts passiert.
Aberdeen siegt nach Müller-Highlight
Die Reaktionen im Pittodrie Stadium fielen bemerkenswert aus: Einige blieben fassungslos stumm, andere brachen in schallendes Gelächter aus, und manche schauten auf ihr Smartphone, um zu prüfen, ob sie die Szene nur geträumt hatten. Der nordirische Chefcoach Stephen Robinson reagierte nach dem Abpfiff mit einem ungläubigen Kopfschütteln. Im Netz entwickelte sich der Ausschnitt rasch zum viralen Hit.
Obwohl die Aktion im Nordosten Schottlands Risiken barg – Kunststücke dieser Art genießen im oft physisch geprägten schottischen Fußball keineswegs einen Freifahrtschein –, erfüllte der Trick seinen Zweck. Er schien der Mannschaft nach einer schwachen ersten Hälfte sogar Selbstvertrauen einzuhauchen: Aberdeen riss das Spiel nach der Pause an sich und siegte durch drei Tore innerhalb von 13 Minuten mit 3:0.
Der spektakuläre Auftritt im Trikot der "Dons" fügt der abwechslungsreichen Karriere des gebürtigen Heppenheimers ein weiteres Kapitel hinzu. Neben seinen Bundesliga-Stationen in Leipzig, Schalke und Wolfsburg sammelte er bereits Auslandserfahrung beim FC Luzern. Seit Sommer 2026 hütet Müller nun das Tor des FC Aberdeen, wo er den abgewanderten Dimitar Mitov ersetzt.
Mit seiner auffälligen schwarzen Aluminium-Gesichtsmaske – die er aufgrund früherer Kopfverletzungen trägt – bringt Marius Müller ohnehin schon eine optische Note mit, die ihm Wiedererkennungswert verleiht. Zusammen mit mutigen Aktionen wie der Rabona hat er beste Voraussetzungen geschaffen, im Pittodrie Stadium schnell zum neuen Kulthelden zu werden.
