Die "Hand Gottes" und Beckhams Rot: Historisch heiße WM-Duelle: England - Argentinien

Die "Hand Gottes" brachte Argentinien 1986 ins WM-Halbfinale.
Die "Hand Gottes" brachte Argentinien 1986 ins WM-Halbfinale.ANP VIA AFP

Maradonas "Hand Gottes", Beckhams Kontrollverlust oder das Chaos von Wembley: Kaum eine WM-Paarung hat so viele ikonische Momente hervorgebracht wie Argentinien gegen England. Der Sport-Informations-Dienst gibt einen Überblick der bisherigen WM-Duelle der beiden Rivalen.

WM 1962: England - Argentinien 3:1

Das unspektakulärste Duell der beiden Teams ist das erste. Vier Jahre vor dem berüchtigten Viertelfinale von Wembley kreuzen sich die Wege der beiden Fußballnationen in Chile. England gewinnt das vergleichsweise faire Gruppenspiel durch Tore von Ron Flowers, Bobby Charlton und Jimmy Greaves.

Argentinien gelingt nur noch der Ehrentreffer durch José Sanfilippo. England erreicht wenig später als Gruppenzweiter das Viertelfinale, Argentinien scheidet nach einem abschließenden 0:0 gegen Ungarn bereits in der Vorrunde aus.

WM 1966: England - Argentinien 1:0

Antonio Rattín versteht die Welt nicht mehr. Eindringlich redet Argentiniens Kapitän auf den deutschen Schiedsrichter Rudolf Kreitlein ein, nachdem der ihn beim Stand von 0:0 im Wembley-Stadion des Feldes verwiesen hat. Minutenlang weigert sich Rattín, vom Platz zu gehen, verlangt von Kreitlein eine Erklärung.

Doch der spricht kein Spanisch. Kurz vor Schluss erzielt Geoff Hurst den einzigen Treffer der Partie. Aus sportlicher Konkurrenz der beiden Teams wird an jenem 23. Juli 1966 auch deshalb eine emotionale Feindschaft, weil der englische Trainer Alf Ramsey die argentinischen Spieler nach der Partie als "Animals" ("Tiere") bezeichnet. Wie auch immer: Argentinien ist raus, England gewinnt wenig später seinen bislang einzigen WM-Titel.

WM 1986: England - Argentinien 1:2

Vier Jahre nach dem Falklandkrieg treffen die beiden Rivalen im Viertelfinale der WM im Aztekenstadion von Mexiko-Stadt aufeinander – und liefern eines der größten Spiele der Fußballgeschichte. Hauptdarsteller ist Diego Maradona. Innerhalb von vier Minuten erzielt der Ausnahmekönner zwei Tore, die bis heute untrennbar mit seinem Namen verbunden sind. Zunächst trifft die legendäre Nummer 10 mit der "Hand Gottes", als er den Ball unerlaubt mit der linken Faust über Torhüter Peter Shilton hinweg ins Netz bugsiert.

Dann folgt das "Tor des Jahrhunderts": Maradona startet in der eigenen Hälfte, sprintet 60 Meter mit dem Ball am Fuß über das Feld, lässt dabei die Gegenspieler wie Fahnenstangen aussehen und vollendet den wohl spektakulärsten Sololauf der WM-Geschichte. Gary Lineker verkürzt zwar noch, doch die Albiceleste gewinnt 2:1. Der Sieg wird in Argentinien auch als symbolische Revanche nach dem Krieg gefeiert, bei dem über 900 Menschen starben – mehr als doppelt so viele Argentinier wie Briten. Wenige Tage später führt Maradona seine Mannschaft zum WM-Titel.

WM 1998: England - Argentinien 2:2 n. V., 3:4 i. E.

Ein Traumtor, ein Platzverweis, und viele Emotionen: Das Achtelfinale der WM in Frankreich bietet alles, was ein Fußballklassiker braucht. Dass am Ende ein Elfmeterschießen entscheidet, passt ins Bild. Aber der Reihe nach. Schon in der regulären Spielzeit geht es hoch her. Nach Treffern von Gabriel Batistuta und Alan Shearer, jeweils per Strafstoß, erzielt Michael Owen per Traumsolo eines der schönsten Tore seiner Karriere.

Doch das Spiel kippt nach der Pause, auch weil David Beckham seine Beherrschung verliert. Der Mittelfeldstar lässt sich zu einem Tritt gegen Diego Simeone hinreißen und sieht die Rote Karte. England muss mehr als 40 Minuten in Unterzahl überstehen und kämpft sich dennoch ins Elfmeterschießen. Dort vergibt David Batty den entscheidenden Versuch, Argentinien zieht ins Viertelfinale ein. Beckham wird von Fans und Boulevardmedien zum Hauptschuldigen erklärt. Erst vier Jahre später sollte ihm die sportliche Rehabilitierung gelingen.

WM 2002: England - Argentinien 1:0

Die Wiedergutmachung nach dem Albtraum von Saint-Étienne gelingt David Beckham im Sapporo Dome. In der Gruppenphase der WM in Japan und Südkorea trifft England erneut auf den südamerikanischen Rivalen. Kurz vor der Pause wird Michael Owen von Mauricio Pochettino im Strafraum gefoult. Beckham übernimmt Verantwortung und verwandelt den Elfmeter sicher zum 1:0.

Es bleibt der einzige Treffer des Spiels - für den englischen Kapitän ist es die persönliche Erlösung nach Jahren der Kritik. England zieht ins Achtelfinale ein, während Argentinien überraschend bereits in der Vorrunde ausscheidet.