Wie er sich "sein" Spiel vorstellt, das skizzierte Klopp an diesem mitreißenden Fußball-Nachmittag in East Rutherford sehr genau. "Wir", sagte Klopp über den am Boden liegenden viermaligen Weltmeister, "sind raus aus dem Turnier, aber wir sind ja nicht schlechter als diese beiden Mannschaften hier." Nicht schlechter als Haalands Himmelsstürmer? Nicht schlechter als Rekordweltmeister Brasilien?
Nein, beteuerte Klopp, aber: "Wir müssen uns die Frage stellen, was ist richtig?" Die Antwort gab er sich selbst, wer sonst? "Aktiv sein!", rief Klopp. Draufgehen, angreifen, etwas wagen! So soll sein neues Fußball-Deutschland begeistern - nicht mit dem bei der WM vielfach gesehenen, abwartenden Konterspiel, mit dem Großmeister Carlo Ancelotti (Klopps einstige Nemesis!) die Seleção ins Aus manövriert hatte. "Du kannst nicht so spielen und dann hoffen, dass im Endspiel der Knoten platzt", kritisierte Klopp, "das tut meiner Seele ein kleines bisschen weh."
Gespräche mit Red Bull laufen
Diese Seele zu streicheln, ist jetzt die Aufgabe von Bernd Neuendorf und Hans-Joachim Watzke. Wie der Stand ist? "Es gibt nichts zu berichten", sagte Klopp bei MagentaTV: "Sobald es etwas gibt, erfahrt ihr es als erstes."
Nun, ein paar Neuigkeiten gibt es doch, die nächsten Tage dürften über die Zukunft des deutschen Fußballs entscheiden. DFB-Präsident Neuendorf und sein Vize, Klopp-Kumpel Hans-Joachim Watzke, werden spätestens zum Ende der Woche mit goldenem Füllfederhalter bei Klopp in New York erwartet: Unterschreiben Sie hier! Am liebsten bis 2030! Schon am Samstag soll es ein erstes Telefonat zwischen Neuendorf und Klopps Noch-Arbeitgeber Red Bull gegeben haben mit dem Ziel, den Traumkandidaten aus seinem bis 2029 laufenden Vertrag zu befreien. Oliver Mintzlaff, als starker Mann beim Brausekonzern Klopps Boss, wird zur Finalwoche ebenfalls vor Ort erwartet.
Geht dann alles ganz schnell? Zumindest nimmt die DFB-Zukunft mit Klopp immer mehr Konturen an. Dessen langjährige Weggefährten Peter Krawietz und Pepijn Lijnders gelten als designierte Zuarbeiter. Auch könnte Hannes Wolf eine noch größere Rolle einnehmen, heißt es. Klopp und der für den Neuaufbau so wichtige DFB-Direktor Nachwuchs, Training und Entwicklung haben eine gemeinsame Dortmunder Vergangenheit, schätzen sich.
Eine wichtige Frage bei den Gesprächen ist die nach der Zukunft von Rudi Völler. Der Sportchef (Vertrag bis 2028) war als "Bodyguard" eng an Nagelsmann gebunden, Klopp braucht sicher keine Vaterfigur neben sich. Aber Expertise? Eine Alternative wäre Matthias Sammer, den Berti Vogts in der Rheinischen Post die "perfekte Ergänzung" zur "Top-Lösung" Klopp nannte.
Weggefährten wollen Klopp als Bundestrainer
Sammer saß einst in der DFB-Task-Force, die nach der WM-Schande von 2022 in Katar die Weichen stellen sollte für eine goldene Zukunft. An seiner Seite: Neuendorf, Watzke, Völler, Mintzlaff. Dazu die Bayern-Fraktion mit Karl-Heinz Rummenigge und Oliver Kahn. Sie installierten damals: Völler als Sportchef. Und steuerten den schwerfälligen Tanker DFB-Elf in das nächste Turnier-Desaster.
Dass ein Großteil dieser Herren-Riege jetzt Klopp mit aller Macht ins Amt heben will, ruft bislang kaum Bedenken hervor. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass es in Deutschland Menschen gibt, die nicht der Auffassung sind, dass Jürgen Klopp der beste Kandidat ist", sagte Klopps Mentor Christian Heidel dem SWR. Sein früherer Mainzer Schützling sei "wie geschaffen" für das Amt. Vogts betonte: "Klopp ist für mich der Beste, den wir im Moment haben." Jetzt muss er sich nur noch "sein" Spiel zurückholen.
Verfolge die FIFA Fußball-Weltmeisterschaft 2026™ mit ZDF bei Prime Video – LIVE-Übertragungen, Highlights und Analysen

