Klingbeil führte aus, dass durch ein Fernbleiben von dem Turnier im Sommer (11. Juni bis 19. Juli) den Spielern "etwas aufgedrückt" würde, "was wir eigentlich in der Politik lösen müssen und nicht auf dem Rücken der Sportler austragen sollten". In einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung hatte Christiane Schenderlein, Staatsministerin für Sport und Ehrenamt, zuletzt bereits betont, dass der Sport nicht für die Gestaltung außenpolitischer Beziehungen wie zu den USA instrumentalisiert werden dürfe.
Die aggressive Politik von US-Präsident Donald Trump unter anderem mit Blick auf Grönland und auch die Eskalation bei den Einsätzen der Einwanderungsbehörde ICE nährten in den vergangenen Wochen die Debatte. Mehrere EU-Abgeordnete forderten dem Spiegel zufolge in einem Schreiben eine klare Positionierung der Europäischen Fußball-Union (UEFA), die am Donnerstag zu ihrem Kongress zusammenkommt, zur Situation in den USA. Die UEFA solle Diskussionen über mögliche Konsequenzen unterstützen, "einschließlich koordinierter Boykotte oder anderer Maßnahmen", hieß es.
Nach einem Vorstoß und der Anregung einer Debatte durch DFB-Vize Oke Göttlich hatte sich das Präsidium des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) jüngst klar gegen einen WM-Boykott positioniert. Ein Fernbleiben sei "derzeit kein Thema", schrieb der Verband. "Wir glauben an die verbindende Kraft des Sports und an die weltweite Wirkung, die eine Fußball-Weltmeisterschaft entfalten kann. Unser Ziel ist es, diese positive Kraft zu stärken - nicht sie zu verhindern."
Deutschland sollte sich "Olympische Spiele leisten"
Olympische Spiele in Deutschland hält der Vizekanzler derweil für eine gute Investition. "Ja, wir können uns Olympische Spiele leisten und wir sollten uns Olympische Spiele leisten. Sie machen unser Land stärker und besser", sagte der Vizekanzler im Interview mit der Bild am Sonntag.
Der SPD-Politiker führte aus: "Ich bin davon überzeugt, dass der Sport wichtig ist für unsere Gesellschaft und einen sozialen Kitt in unserer Gesellschaft herstellt, den wir in unserem Land dringend brauchen." Klingbeil verwies auf die Fußball-WM 2006, das sogenannte Sommermärchen, und auch auf positive Effekte für das Gastgeberland Frankreich durch die Olympischen Sommerspiele 2024 in Paris.
Er sei "fest davon überzeugt, dass solche sportlichen Großevents unser Land stark machen und schöne Ereignisse sind, die unserem Land guttun und die am Ende auch eine Möglichkeit bieten, dass Deutschland sich gut präsentiert", sagte Klingbeil (47): "Deswegen haben wir als Bundesregierung sofort gesagt: Wir wollen, dass Olympia hier stattfindet."
Der Bund hatte Ende 2025 Garantien gegeben, Klingbeil bekräftigte nun abermals: "Wir wollen sowohl die Bewerbung, als auch die Spiele unterstützen."
Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) ist beim Internationalen Olympischen Komitee (IOC) bereits offizieller Bewerber um Sommerspiele 2036, 2040 oder 2044. Ende September soll bei einer außerordentlichen DOSB-Mitgliederversammlung über die deutsche Bewerberstadt bzw. -region abgestimmt werden. Die Kandidaten sind München, das bereits eine Bürgerbefragung mit deutlicher Mehrheit hinter sich hat, sowie Berlin, Hamburg und Köln/Rhein-Ruhr.
