Ruhe vor dem Schweden-Sturm? Niederlande-Trainer Koeman verteilt Geschenke

Bondscoach Ronald Koeman will von seinem Team eine Leistungssteigerung sehen.
Bondscoach Ronald Koeman will von seinem Team eine Leistungssteigerung sehen.REUTERS/Issei Kato

Ronald Koeman enterte den Frühstücksraum der Niederländer bester Laune. "Guten Morgen zusammen", rief der Bondscoach seinen Spielern zu: "Es ist ein wunderschöner Tag." Dann verteilte er hübsch verpackte Geschenke an die beiden Geburtstagskinder Quinten Timber und Noa Lang.

Kurz vor dem so wichtigen WM-Gruppenspiel gegen Schweden beließ es Koeman bei ein paar warmen Worten. Die große Party verschoben die Oranje-Stars auf absehbare Zeit. "Ich hoffe, dass wir in drei, vier Wochen richtig feiern können, wenn wir Weltmeister sind. Das ist wichtiger", sagte Lang in seiner kleinen Dankesrede und erntete dafür den Applaus seiner Mitspieler.

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Die Stimmung ist gut im Basecamp der Holländer am Country Club Plaza in Kansas City. Die erste scharfe Kritik aus der Heimat nach dem Stotterstart gegen Japan (2:2) ist verhallt, nach einem freien Tag, den viele Stars mit ihren Familien verbrachten, überlagert der Glaube an die eigenen Fähigkeiten die Furcht vor dem Scheitern. Als bei der Trainingseinheit mit Wesley Sneijder dann auch noch einer der Helden aus der Vizeweltmeister-Elf von 2010 vorbeischaute, stieg das Stimmungsbarometer auf Anschlag.

Vernichtende Kritiken für Elftal

Selbst in der für gewöhnlich eher aufgeregten Medienlandschaft des Nachbarlandes geht es dieser Tage gemächlich zu. Für den größten Aufreger der ersten WM-Woche sorgte nicht etwa der dürftige Turnier-Auftakt des Europameisters von 1988. Es war der frühere Bundesliga-Star Rafael van der Vaart, der als Experte im niederländischen TV mit diskriminierenden Aussagen über Japans Spieler reichlich Kritik auf sich zog - und anschließend dafür um Verzeihung bat.

Doch die Ruhe unter den Elftal-Kritikern wirkt trügerisch. Wie wenig zimperlich die Presse mit ihrem aktuellen Nationalteam umgeht, deutete sich schon nach dem Japan-Spiel an. In einer Kolumne des Telegraaf musste Koeman von seinen "dramatischen Auswechslungen" und dem "Untergang der niederländischen Nationalmannschaft" lesen.

Kapitän Virgil van Dijk wurde von van der Vaart öffentlich mit einer "Boeing 747" verglichen. Er sei "ziemlich schockiert" von der Vorstellung des Verteidigers gewesen, so VdV: "Ich hoffe, er fängt im Laufe des Turniers an, sich etwas schneller zu drehen." Über allem schwebt die Frage, ob die hoch veranlagte Mannschaft um Liverpool-Star van Dijk bei der Jagd nach dem WM-Pokal unter ihren Möglichkeiten spielt.

Eine Antwort werden die kommenden Spiele der Gruppe F gegen Schweden und Tunesien geben. Der eigene Anspruch ist nach der Enttäuschung zum Auftakt klar definiert. "Jetzt müssen wir die beiden nächsten Spiele gewinnen", kündigte van Dijk vollmundig an. Geht dieses Vorhaben schief, dürfte es mit der Ruhe bei den Holländern vorbei sein.

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