Was sagt die Regel?
Artikel 66.4 im Disziplinarkatalog der FIFA ist eindeutig: Eine Rote Karte zieht automatisch eine Sperre von einem Spiel nach sich. Ein Einspruch dagegen ist nicht möglich. Der belgische Verband, der rechtliche Schritte prüft, verwies auf ein vor dem Start der WM verschicktes Rundschreiben, in dem auf diese Regel hingewiesen worden sei. Der Weltverband bezog sich in seiner Entscheidung zu Balogun lediglich auf Artikel 27 der FIFA-Disziplinarordnung, ohne weitere Erklärung. Dieser erlaubt es der FIFA, "die Umsetzung einer Disziplinarmaßnahme ganz oder teilweise auszusetzen".
Was sagt der US-Trainer?
Mauricio Pochettino, der die Rote Karte umgehend als ungerechtfertigt bezeichnet hatte, erklärte: "Alle, die den Sport wirklich lieben und seiner Integrität vertrauen, feiern diese Entscheidung. Wir wurden gegen Bosnien genug bestraft, indem wir 30 Minuten lang mit zehn Mann spielen mussten, aufgrund einer Entscheidung, die unfair war. Es ist nicht, weil ich der Cheftrainer der USA bin. Ich denke, 99,9 Prozent der Menschen sind sich einig, dass es eine ungerechte Rote Karte war."
Was sind die Folgen?
Die FIFA hat einen Präzedenzfall geschaffen. Rote Karten, die eine Sperre von einem Spiel nach sich ziehen, drohen auch in Zukunft zurückgenommen zu werden. "Die Regeln wurden eindeutig in einer Weise gebrochen, die den politischen Interessen des US-Präsidenten zugutekommt", sagte Nicholas McGeehan von der Organisation FairSquare dem SID. "Wenn das Gastgeberland seinen politischen Einfluss auf den FIFA-Präsidenten genutzt hat, um einen unfairen Vorteil zu erschaffen, wäre das ein skandalöser Verstoß gegen die Regeln und eine Manipulation des Wettbewerbs." Er fordert, dass Verbände und Politiker Antworten von der FIFA einholen sollten.
Was ist mit Infantino?
Der FIFA-Chef steht wegen seiner engen Beziehung zu Trump ohnehin in der Kritik. Nach der Vergabe eines neuen FIFA-Friedenspreises an den US-Präsidenten reichte FairSquare eine Beschwerde bei der Ethikkommission des Weltverbandes ein. Nun hat Infantino die Politik womöglich von den Rängen auf das Spielfeld geholt. Ob sich die teils Infantino-kritischen Europäer im UEFA-Verbund mit Belgien solidarisieren und gegen die FIFA aufbegehren, bleibt abzuwarten.
Gab es schon ähnliche Fälle?
Dass Sperren nachträglich ohne jede Begründung auf Bewährung ausgesetzt werden, kommt extrem selten vor. Ein Profiteur war Cristiano Ronaldo, der im November bei einem WM-Qualifikationsspiel gegen Irland nach einem Ellbogenschlag gegen Dara O'Shea vom Platz gestellt worden war. Ronaldo wurde von der FIFA zunächst für drei Spiele gesperrt, musste aber nur das erste absitzen - das anschließende Quali-Duell gegen Armenien. Die Sperre für die beiden weiteren Spiele wurden "auf Bewährung" ausgesetzt. Ronaldo konnte damit bei der WM von Beginn an eingesetzt werden.
Der Unterschied zu Balogun: Die Sperre für das erste Spiel zählte. Und: Eine Einmischung von höchster politischer Stelle, wie sie in der "Causa Balogun" stattgefunden hat, gab es bei Ronaldo nicht.
Was sagt die FIFA?
Zum jetzigen Zeitpunkt ist unklar, welches Gewicht die FIFA Trumps Eingreifen beigemessen hat. Eine SID-Anfrage zu den Hintergründen der Entscheidung und Trumps Anrufen ließ der Weltverband zunächst unbeantwortet.
Zum Match-Center: USA vs. Belgien
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