USA-Test: Nagelsmann sieht trotz Sieg "Dinge zu tun“ – Sané leidet mit Karl

Julian Nagelsmann hat nach dem USA-Sieg ein positives Fazit gezogen.
Julian Nagelsmann hat nach dem USA-Sieg ein positives Fazit gezogen.IMAGN IMAGES via Reuters/Michael Dinovo

Bundestrainer Julian Nagelsmann hat sich nach dem Sieg gegen die USA bei der Generalprobe für die Weltmeisterschaft insgesamt zufrieden, aber weiterhin anspruchsvoll gezeigt. Trotz des neunten Sieges in Folge betonte der 38-Jährige im SID-Interview, dass der Feinschliff für das Turnier noch nicht abgeschlossen sei: "Ich bin insgesamt sehr zufrieden. [...] Es gibt noch Dinge zu tun, aber da haben wir Lust drauf."

Konkret sieht Nagelsmann vor allem im taktischen Bereich und in der Offensive noch Optimierungsbedarf für die anstehende Trainingswoche. Gearbeitet werden soll insbesondere "an der Positionsanpassung bei hohem Druck" sowie an der Effizienz im Angriff: "Und wir müssen unsere gute Positionsbesetzung im letzten Drittel noch effektiver nutzen, damit wir zu klaren Abschlüssen kommen."

Lob gab es vom Bundestrainer für Siegtorschütze Leroy Sané und Youngster Nathaniel Brown: Der Galatasaray-Profi habe "das entscheidende Tor gemacht, das ist das Wichtigste, was man auf dem Feld machen kann". Der von Bayern umworbene Brown wisse "noch gar nicht, wie gut er eigentlich ist. Er ist demütig und sehr wissbegierig.

Ob das Publikum gegen die USA bereits die spätere WM-Elf gesehen hat, ließ Nagelsmann bewusst offen. Angesichts der zu erwartenden Bedingungen beim Turnier, wie etwa extremen Temperaturen, forderte er von seinem Team vor allem taktische Flexibilität. "Wenn wir in New York bei 40 Grad spielen, können wir nicht 90 Minuten attackieren", so Nagelsmann.

Man müsse nun den passenden Mittelweg zwischen Pressing und defensiver Kompaktheit finden. Nach einem freien Sonntag für die Spieler richte sich ab Montag "der volle Fokus auf das Turnier".

Sané leidet mit verletztem Karl

Leroy Sané profitiert vom bitteren WM-Aus von Lennart Karl, doch der frühere Münchner denkt viel mehr an das Schicksal des Jungstars als an seinen eigenen Vorteil. "Es tut einem persönlich weh, für Lenny ist ein Traum geplatzt, das tut mir persönlich super leid für ihn, er ist ein super Junge, ein super Fußballspieler", sagte der Matchwinner Sané nach dem Sieg gegen die USA in Chicago.

Sané hatte den neunten Sieg in Serie mit seinem 17. Länderspieltor im 76. Einsatz höchstpersönlich sichergestellt - nachdem er den Startplatz auf der rechten Offensivseite vom verletzt abgereisten Karl "geerbt" hatte. Er habe sich "riesig" über die Debütsaison des 18-Jährigen gefreut, meinte Sané: "Ich wünsche ihm alles Gute und hoffe, dass er sich gut regeneriert."

Sorgen mache er sich da nicht, "in der nächsten Saison wird er wieder angreifen. Deutschland kann froh sein, dass wir einen so guten, jungen Spieler haben. Der wird uns noch viel Freude bereiten."

Das hieß es einst auch von Sané. Doch nach der kurzfristigen Ausbootung für die WM 2018 durch den damaligen Bundestrainer Joachim Löw hat der 30-Jährige bisher erst eine Weltmeisterschaft gespielt. 2022 kam er im zweiten Gruppenspiel gegen Spanien (1:1) zu seinem 20-minütigen WM-Debüt, beim Vorrunden-Aus gegen Costa Rica (4:2) spielte er von Beginn an.

Sané mit "Riesenvorfreude" auf WM-Start

Das dürfte am 14. Juni beim Turnierstart der DFB-Elf gegen Curacao in Houston abermals der Fall sein. Ob er auch dann wieder trifft, ist Sané "egal". Viel wichtiger sei, "dass alle an einem Strang ziehen und positiv die Spiele angehen".

Die Voraussetzungen dafür sieht er als gegeben an. "Wir verstehen uns alle sehr, sehr gut, haben eine Riesenvorfreude im Team. Wir wollen und werden voll angreifen." Auch Sané, der mitfühlende Karl-Ersatz.