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WM 2026: Tops, Flops und Aufreger im Rückblick

WM 2026: Tops, Flops und Aufreger im Rückblick
WM 2026: Tops, Flops und Aufreger im RückblickČTK / imago sportfotodienst / Pedro Paulo Diaz

104 Spiele, zahlreiche Rekorde und heftige Diskussionen: Die erste Fußball-WM mit 48 Mannschaften ist Geschichte. Spanien gewann den Titel, Lionel Messi sorgte erneut für große Momente. Abseits des Rasens prägten hohe Preise, umstrittene Schiedsrichterentscheidungen und der Fall Balogun das Turnier.

Die Tops der Weltmeisterschaft

Messi trotzt der Zeit

Auch mit 39 Jahren gehörte der argentinische Kapitän zu den prägenden Figuren des Turniers. Lionel Messi führte den Titelverteidiger erneut bis ins Finale und erzielte acht Treffer. Mit nun 21 WM-Toren liegt er auf Rang zwei der ewigen Bestenliste. Besonders beim Sieg gegen Österreich stellte er seine außergewöhnliche Klasse unter Beweis. „Er ist der beste Spieler, den es jemals gegeben hat. Das hat er wieder eindrucksvoll gezeigt“, sagte ÖFB-Teamchef Ralf Rangnick.

 

 

Spaniens Stärke liegt im System

Der neue Weltmeister überzeugte vor allem durch mannschaftliche Geschlossenheit. Die Auswahl von Luis de la Fuente agierte über das gesamte Turnier hinweg offensiv variabel und defensiv stabil. Rodri gab im Mittelfeld den Takt vor, während sich auch die zahlreichen Offensivspieler konsequent in die Defensivarbeit einbrachten. „Ich habe noch nie eine so vorbildliche Gruppe erlebt, auf dem Platz und neben dem Platz“, erklärte de la Fuente.

 

Die Stars liefern Tore am Fließband

Zahlreiche prominente Angreifer erfüllten die hohen Erwartungen. Kylian Mbappe erzielte zehn Treffer und übernahm mit insgesamt 22 Toren die Führung in der ewigen WM-Torschützenliste. Erling Haaland und Jude Bellingham trafen jeweils siebenmal, Harry Kane sechsmal. Auch Cristiano Ronaldo steuerte im Alter von 41 Jahren noch drei Tore für Portugal bei.

 

 

Weniger Leerlauf, mehr Fußball

Die Maßnahmen gegen Zeitspiel zeigten Wirkung. Ein Fünf-Sekunden-Countdown bei Einwürfen und Abstößen sowie die Zehn-Sekunden-Regel bei Auswechslungen beschleunigten die Spielfortsetzungen. Behandelte Spieler mussten zudem nach einer Unterbrechung mindestens eine Minute außerhalb des Feldes warten. Dadurch wurde das Vortäuschen von Verletzungen deutlich unattraktiver.

 

Fußballfest auf den Tribünen

In den Stadien sorgten Anhänger aus aller Welt für farbenfrohe Bilder. Schottische Fans feierten in Boston, südamerikanische Anhänger füllten die Arenen und selbst kleinere Nationen wurden lautstark unterstützt. Trotz der Kritik an den Ticketpreisen waren die meisten Spiele gut besucht und verliefen rund um die Stadien weitgehend friedlich.

 

Kleine Nationen, große Geschichten

Kap Verde wurde zur Überraschungsmannschaft des Turniers. Der WM-Debütant trotzte Spanien ein 0:0 ab, eliminierte Uruguay und zwang Argentinien im Sechzehntelfinale in die Verlängerung. Auch Curacao schrieb Geschichte. Das kleinste Land, das jemals bei einer WM-Endrunde antrat, holte gegen Ecuador seinen ersten Punkt. Die DR Kongo erreichte ebenfalls die K.-o.-Phase und brachte England lange an den Rand einer Niederlage.

 

Die letzte Linie überzeugt

Spaniens Unai Simon blieb 649 Minuten ohne Gegentreffer und stellte damit einen WM-Rekord auf. Kap Verdes 40-jähriger Schlussmann Vozinha wurde zum Gesicht der Überraschungsmannschaft, während Eloy Room beim historischen Punktgewinn Curacaos einen neuen Paradenrekord aufstellte. Alexander Schlager war einer der stärksten Österreicher und empfahl sich mit seinen Leistungen für einen Wechsel zu Werder Bremen.

 

 

Die Flops des Turniers

Paredes verliert nach Abpfiff die Kontrolle

Nach dem verlorenen Finale sorgte Argentiniens Mittelfeldspieler für unschöne Szenen. Leandro Paredes geriet mit Gavi aneinander, griff den Spanier am Trikot, traf ihn im Gesicht und stieß ihn zu Boden. Bereits während des Spiels hatte der Argentinier mit einer Gelben Karte vorbelastet am Platzverweis gestanden.

 

Leandro Paredes brannten nach der Niederlage die Sicherungen durch
Leandro Paredes brannten nach der Niederlage die Sicherungen durchCHARLY TRIBALLEAU / AFP / AFP / Profimedia

 

Zu wenig Qualität an der Pfeife

Die FIFA setzte erneut auf eine möglichst breite kontinentale Verteilung der Unparteiischen. Die Qualität war allerdings nicht in allen Spielen auf höchstem Niveau. Besonders der Usbeke Ilgiz Tantaschjew geriet nach dem Achtelfinale zwischen Frankreich und Paraguay in die Kritik. Mehrere harte Fouls der Südamerikaner blieben ungeahndet, während Frankreich drei Gelbe Karten erhielt.

 

Deutschland verliert den Anschluss

Zum dritten Mal in Folge scheiterte die DFB-Auswahl bei einer Weltmeisterschaft vor dem Achtelfinale. Nach der Niederlage im Elfmeterschießen gegen Paraguay räumte Julian Nagelsmann ein: „Es wäre vermessen, wenn wir nach dem dritten großen Turnier sagen, wir gehören noch zur Weltspitze. Das tun wir einfach nicht.“ Wenige Tage später endete seine Amtszeit. Jürgen Klopp soll Deutschland nun zurück an die Spitze führen.

 

 

 

Ein Turnier wird zum Luxusgut

Die Kosten für einen WM-Besuch erreichten für viele Fans eine neue Dimension. Dynamische Ticketpreise ließen die Eintrittspreise für K.-o.-Spiele teilweise auf mehrere tausend Dollar steigen. Hinzu kamen hohe Park-, Transport- und Verpflegungskosten. In manchen US-Stadien kostete ein Becher Bier umgerechnet rund 25 Euro.

Die größten Aufreger

Der Fall Balogun

Für die heftigste Kontroverse sorgte die FIFA-Entscheidung rund um US-Stürmer Folarin Balogun. Der Angreifer war im Sechzehntelfinale gegen Bosnien-Herzegowina ausgeschlossen worden und hätte damit für das folgende Spiel gesperrt sein müssen. Nach einem Anruf von US-Präsident Donald Trump bei FIFA-Präsident Gianni Infantino setzte der Weltverband die Sperre jedoch zur Bewährung aus.

Balogun durfte daraufhin im Achtelfinale gegen Belgien spielen. Die UEFA zeigte sich „fassungslos über diese beispiellose, unbegreifliche und ungerechtfertigte Entscheidung“. Der Vorgang löste eine Grundsatzdebatte über politische Einflussnahme und die Unabhängigkeit sportlicher Entscheidungen aus.

 

Pause für die Spieler oder für die Werbung?

Die sogenannten Hydration Breaks gehörten zu den meistdiskutierten Neuerungen. In jeder Partie wurde zweimal für drei Minuten unterbrochen. Die FIFA begründete die Maßnahme mit dem Schutz der Spieler bei hohen Temperaturen. Gleichzeitig wurden die Pausen für zusätzliche TV-Werbung genutzt, weshalb auch kommerzielle Motive vermutet wurden. Einige Trainer kritisierten, dass die Unterbrechungen den Spielfluss veränderten.

 

Hydration Break
Hydration BreakČTK / imago sportfotodienst / Markus Fischer

 

Der VAR sorgt für Diskussionen

Auch der Videoassistent stand erneut im Mittelpunkt. Österreichs Teamchef Ralf Rangnick sprach nach dem 0:2 gegen Argentinien von einem uneinheitlichen Einsatz und äußerte den „unguten Verdacht“, dass der VAR bei Entscheidungen gegen große Nationen zurückhaltender agiere. Trotz zahlreicher Diskussionen verhinderte die Technologie allerdings auch bei dieser WM mehrere klare Fehlentscheidungen.

 

Die Weltmeisterschaft 2026 bot damit sportlich zahlreiche Höhepunkte, offenbarte aber auch bekannte und neue Problemfelder. Spanien verließ Nordamerika als verdienter Weltmeister. Die Debatten über Schiedsrichter, Vermarktung und politische Einflussnahme dürften den Weltverband jedoch noch weit über das Turnierende hinaus beschäftigen.