Schon einmal war Weiß bei Olympia dabei, vor vier Jahren bei den Corona-Spielen von Peking. Gute Erinnerungen daran hat die Ski-Freestylerin nicht. Monatelang hatte sie vor ihrem Start mit dem Virus gekämpft, den Finaleinzug im Aerials-Wettbewerb verpasste sie deutlich. "Es gab keinen Platz, um Vorfreude zu spüren", sagt Weiß im Gespräch mit dem SID - "dieses Jahr fühlt es sich deutlich angenehmer an."
Das liegt auch daran, dass Weiß bei den Spielen in Norditalien von ihrem Vater betreut wird. "Das ist ein Traum, den ich hatte, seit ich mit Aerials begonnen habe", erzählt die 26-Jährige. Armin Weiß startete bei Olympia 1992 in Albertville in der inzwischen nicht mehr ausgetragenen Disziplin Ballett (Acro), die damals Demonstrationswettbewerb war. Die Leidenschaft für die Skiakrobatik gab er an seine Tochter weiter.
Kaum Unterstützung durch DSV
Beim Aerials lassen sich die Athletinnen über beinahe senkrecht in den Himmel ragende Schanzen bis zu 15 Meter in die Luft katapultieren, innerhalb von zweieinhalb Sekunden vollführen sie mehrere Schrauben und Salti. Weiß zählt zur erweiterten Weltspitze. Die olympischen Medaillen werden am Mittwoch (11.30 Uhr, ZDF und Eurosport) im Livigno Aerials & Moguls Park vergeben, am Dienstag findet die Qualifikation statt (10.45 Uhr, ARD und Eurosport).
Um überhaupt bei Olympia dabei zu sein, muss Weiß einen deutlich größeren Aufwand betreiben als viele andere Athletinnen. Denn finanzielle Unterstützung vom Deutschen Skiverband (DSV) erhält die "Einzelkämpferin", wie sie sich selbst bezeichnet, kaum: "Die gesamte Reise-, Trainings- und Sponsoren-Organisation liegt allein auf meinen Schultern", berichtet Weiß. 70.000 Euro wird sie die laufende Saison etwa kosten - aktuell sucht sie noch einen weiteren Sponsor, "sonst geht es nicht auf".
Den Mut, das finanzielle Wagnis jeden Winter aufs Neue einzugehen, zieht Emma Weiß aus ihrem tiefen Glauben an Gott. "Ich habe Bock, noch einen weiteren Olympia-Zyklus zu machen", sagt sie voller Tatendrang. Nach den Spielen in Italien aber will sie erstmal für zwei Wochen ins Kloster im französischen Taizé: "Dann werde ich Gott mal fragen, wie nun der Plan für mich ist."
