Raimund hatte nach seinen Goldflügen tags zuvor erzählt, dass beide einst gemeinsam Videospiele zockten. Doch dann kam der Manipulationsskandal bei der WM 2025. "Nach dem Vorfall in Trondheim fühlte es sich wie ein Verrat an, wie ein Schlag ins Gesicht", sagte Raimund. Er habe eine Entschuldigung vermisst.
Das abgekühlte Verhältnis zwischen dem neuen Olympiasieger und dem Weltmeister zeigt, dass der Umgang mit Norwegens Skispringern auch ein Jahr nach der Manipulation von Anzügen noch immer schwierig ist. Norwegens Skisprungchef Jan Erik Aalbu hatte sich zwar öffentlich entschuldigt, von den Springern kam aber keine Reue. Lindvik und Johann Andre Forfang behaupten weiter, von nichts gewusst zu haben, eine mehrmonatige Untersuchung brachte keine Beweise gegen sie.
Raimund macht sich keinen Kopf
Auch Andreas Wellinger hatte zuletzt trotzdem erklärt, ein Wort der Reue vermisst zu haben. Der Österreicher Stefan Kraft sprach von "einem Stempel" als Betrüger bei den Norwegern. Da wirkt es wie eine schlechte Pointe, dass das Team Norge im Jahr 2026 wieder bei Großereignissen stark ist. In Weltcup haben die Skandinavier noch keinen einzigen Podestplatz geschafft, bei der jüngsten Skiflug-WM holte Lindvik aber Einzel-Silber und Team-Bronze.
Mixed-Silber am Dienstag war der nächste Erfolg. Von einem "Geschmäckle" wollte Raimund aber nichts wissen. "Ich glaube, dass mit den aktuellen Regelungen alles okay ist", sagte der Oberstdorfer.
Und es gibt ja noch Hoffnung. Auch Jens Weißflog und Lasse Ottesen zofften sich einst, weil der Norweger bei der Vierschanzentournee 1993/94 so lange auf dem Balken verharrte, dass der nach ihm springende Weißflog bei schlechtem Wind starten musste. Der Tourneesieg ging als Folge an Ottesens Teamkollegen Espen Bredesen. Heute haben sich beide längst versöhnt.
Vielleicht schaffen das ja auch Lindvik und Raimund noch. Beide deuteten zumindest an, dass die Tür noch nicht zu ist. "Wenn er zu mir käme und sagen würde: 'Hey, es tut mir wirklich leid, dass das passiert ist', dann würde ich ihm wahrscheinlich verzeihen", sagte Raimund. Und auch Lindvik hatte am Dienstagabend noch ein freundliches Wort in Richtung Raimund übrig: "Es ist noch nicht zu spät."
