"Also man hätte es schon schön feiern können. Aber es ist, wie es ist", haderte Lochner nach seinem überlegenen Triumph im Zweier mit dem engen Zeitplan, "aber wir haben noch zwei Jungs, die heiß sind, die die Füße nicht mehr stillhalten können. Die wollen auch die Medaille." Deswegen wolle er für seine Anschieber Thorsten Margis und Jörn Wenzel "weiterhin Vollgas" geben und "schauen, dass wir das am Wochenende nochmal genauso runterzaubern".
Dann wird im großen Schlitten eine deutlich engere Entscheidung erwartet - zumal Dauerrivale Francesco Friedrich auf Revanche sinnt. Die heftigen 1,34 Sekunden Rückstand will der Perfektionist aus Sachsen, der auf der größten Bob-Bühne erstmals von Lochner geschlagen wurde, nicht auf sich sitzen lassen. Die deutliche Niederlage habe er "nicht erwartet", gab Friedrich zu. Der Vierer sei aber eine "eigene Disziplin", und: "Wir wissen, dass wir gut sind."
Lobeshymnen auf Lochner
Es wird der finale Akt einer Rivalität, die sich in den vergangenen Jahren zugespitzt hat - und am Sonntag ihren Höhepunkt erreicht. Der zweimalige Doppel-Olympiasieger Friedrich (35) kann mit seinem fünften Gold zum erfolgreichsten Bob-Piloten der Geschichte aufsteigen, diesen Titel teilt er sich seit Dienstag mit André Lange (ebenfalls 4x Gold, 1x Silber). Lochner (35) hingegen will seine Karriere, die häufig im Schatten des unersättlichen Titelsammlers aus Pirna stand, mit dem olympischen Double krönen.
"Hansi wäre einer der erfolgreichsten Bobfahrer aller Zeiten, wenn nicht dummerweise Francesco Friedrich gleichzeitig dagewesen wäre", sagte Bundestrainer René Spies über Lochner, der in Peking zweimal Silber hinter Friedrich gewonnen hatte. Nun steht für Lochner der letzte Tanz im Eiskanal an, er freut sich auf die Bob-Rente. Die Familie um Frau Hannah kam in der Vergangenheit häufig zu kurz. Seinem Sohn Jonas, dessen erste Schritte er aufgrund eines Wettkampfs verpasste, will der Berchtesgadener das Skifahren beibringen.
Am Dienstag kümmerte sich Schwiegermutter Heidi um den Einjährigen, sodass Lochner beruhigt mit Top-Anschieber Georg Fleischhauer zu Gold rasen konnte. Am Ende wurde es der größte Olympia-Vorsprung im kleinen Männer-Schlitten seit 46 Jahren.
Im Vierer ist das Feld offener, auch Adam Ammour (24) rechnet sich nach zwei Weltcupsiegen und Bronze im Zweier Chancen aus. Ihm könnte die Rolle des Thronfolgers zukommen, wenn Lochner und Friedrich, der seine Zukunft nach Olympia offen ließ, nicht mehr in den Schlitten steigen. Bis dahin will er sich von "den Besten" aber noch etwas abschauen. "Er ist verdient Olympiasieger geworden", sagte Ammour über Lochner: "Das ist natürlich eine große Inspiration für uns."
