Bei der Rückkehr zu seinen Wurzeln tauchte Jonathan Tah ganz tief ein in die ivorische Kultur. "Ich wollte das echte Leben spüren", sagte er über den Besuch bei seiner Oma in der Millionenstadt Abidjan. Dort besuchte er Orte, "wo nicht jeder Touri hingehen würde". Einen für ausländische Gäste "sehr gewöhnungsbedürftigen" Markt etwa. Vor allem aber: Die Wiege der größten Fußballer, die der nächste deutsche WM-Gegner Elfenbeinküste (Cote d'Ivoire) je hervorbrachte.
"Ich habe trainiert", berichtete Tah den Zeitungen der Funke-Mediengruppe lachend von seinem Besuch im Land seines Vaters Aquila im Mai 2025. Das tat er auf jenem Platz, auf dem einst Stürmerstar Didier Drogba oder die Touré-Brüder Kolo und Yaya zu Toptalenten reiften. "Das war ein cooles Feeling." Zumal ihn die Menschen dort als einen der Ihren wahrgenommen hätten. Er habe, sagte Tah der Deutschen Welle, "sehr viel Liebe gespürt".
"Leader in der Viererkette"
Doch diese Liebe muss am Samstag (22.00 Uhr MESZ/ZDF und MagentaTV) ruhen, wenn Tah und die DFB-Elf in Toronto mit dem zweiten Vorrundensieg in die K.o.-Phase stürmen wollen. Damit aus dem "Traumlos" für Tah kein deutscher WM-Albtraum wird. Der Hamburger Jung fiebert dem "besonderen" Duell entgegen - auch weil er weiß, dass es der erste Härtetest für die Abwehr wird.
Turbo-Kicker wie der Leipziger Yan Diomande, Bazoumana Touré aus Hoffenheim, Amad Diallo von Manchester United oder Nicolas Pepe (FC Villarreal) werden die DFB-Defensive ganz anders fordern als Curacao. "Das sind D-Züge", sagte Antonio Rüdiger ehrfürchtig, "sie lieben das Eins-gegen-eins und Konter. Wir müssen gewappnet sein, das zu vermeiden."
Julian Nagelsmann erwartet "viel Speed, viel Körperlichkeit" - und sieht auch Tah als Gegenmittel. Der 30-Jährige, der erst unter Nagelsmann zum Stammspieler reifte, habe als "Leader in der Viererkette" eine "extrem große sportliche Bedeutung", lobte der Chef und schwärmte von dessen "extrem beruhigender Art". Er "liebe es", wie Tah kommuniziere.
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"Der beste Jona, den es bisher gab"
Das gilt auch für dessen Mitspieler, die sich gerne von ihm "herumkommandieren" lassen. "Er ist der neue Chef", sagte der frühere Abwehrboss Rüdiger, Tah gebe "den Takt" vor, sekundierte Nebenmann Nico Schlotterbeck, "ich gucke dann auf Jona". Gemeinsam müssten sie sich "vor keinem Innenverteidiger-Duo der Welt verstecken". Auch nicht vor der Offensive der Elfenbeinküste?
Das wird auch vom Sechser-Duo mit Aleksandar Pavlovic und Felix Nmecha vor ihnen sowie von Joshua Kimmich und Nathaniel Brown abhängen. Die Außenverteidiger müssen die schnellen ivorischen Flügelstürmer kontrollieren.
Die Aufgabe ist groß, Tah hätte sich trotzdem "kein cooleres Spiel in der Gruppenphase vorstellen können". Zumal er sich der Elfenbeinküste als "der beste Jona, den es bisher gab" entgegenstellt, wie er stolz betonte. Zunächst Xabi Alonso in Leverkusen, dann Vincent Kompany beim FC Bayern hätten ihm noch einmal einen Schub gegeben.
Eine Sache sei da aber schon noch, bei der sich Tah steigern könne, meinte Rüdiger. "Ab und an tanzen wir auch", berichtete der Kollege, "da muss er sich noch verbessern."
DFB-Gegner im Check
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