Kein anderes Sportereignis auf der Welt sorgt für so viel Überraschung, Schönheit, Staunen, einmalige Momente und pure Geschichte wie die FIFA-Weltmeisterschaft. Das passiert eben, wenn sich alle vier Jahre die besten Teams der Welt versammeln, um einen wahren Champion zu küren.
In 96 Jahren voller WM-Wahnsinn ist es nahezu unmöglich, nur zehn der ikonischsten Momente auszuwählen. Denk an die "Schlacht von Nürnberg" zwischen Portugal und den Niederlanden 2006, Sängerin Diana Ross, die beim Eröffnungsspiel der WM 1994 einen Elfmeter verschoss, die "Schlacht von Santiago" zwischen Uruguay und Italien 1962 oder an Paul Gascoignes Tränen nach der Niederlage im Halbfinale der WM 1990 gegen Deutschland.
Dass das alles nur ehrenvolle Erwähnungen sind, ist verrückt – aber genau das macht die FIFA-Weltmeisterschaft aus. Flashscore nimmt dich mit durch die 10 ikonischsten Momente der WM-Geschichte.
Die 10 ikonischsten WM-Momente
10: Die "Maracanaço"-Katastrophe (1950)
Als das mächtige Brasilien zum "Finale" der WM 1950 gegen Uruguay antrat, dachte niemand, dass es mehr als ein Schaulaufen werden würde. Brasilien hatte das Turnier dominiert, das damals noch ein ganz anderes Format hatte: Die vier Gruppensieger zogen in eine Finalrunde ein, deren Gruppensieger Weltmeister wurde.
Am 16. Juli 1950 trafen Gastgeber Brasilien und der Weltmeister von 1930, Uruguay, im vollbesetzten Maracanã-Stadion aufeinander. 200.000(!) Zuschauer warteten darauf, dass ihre mit Stars gespickte Seleção endlich den ersten WM-Titel holt. Brasilien hatte in der Finalrunde Schweden mit 7:1 und Spanien mit 6:1 besiegt, während Uruguay gegen Schweden Unentschieden spielte und Spanien knapp mit 3:2 schlug.
Doch das Unvorstellbare geschah. Uruguay besiegte das übermächtige Brasilien mit 2:1 – dank Toren von Juan Alberto Schiaffino und Alcides Ghiggia. Die 200.000 Zuschauer verfielen in ein "verstörendes und traumatisches, absolutes Schweigen". Die Niederlage wurde in Brasilien zur nationalen Katastrophe, und der Legende nach gab es eine Welle von Suiziden. Belegt ist das zwar nicht, aber fest steht: Das Finale von 1950, der sogenannte "Maracanaço", hat den brasilianischen Fußball für immer verändert.
9: Hursts Phantomtor gegen Westdeutschland (1966)
Das Jahr ist 1966, und England richtet eine fantastische Weltmeisterschaft aus. Die Gastgeber marschieren durch das Turnier, haben im Halbfinale das starke Portugal um Eusebio ausgeschaltet und sind bereit, Franz Beckenbauer und Westdeutschland im Finale im Wembley zu empfangen.
Zwei frühe Tore von Helmut Haller und Geoff Hurst hielten bis zur Schlussviertelstunde, als Martin Peters dachte, er hätte das Siegtor erzielt. Doch dann traf Wolfgang Weber in der 89. Minute nach einem Abpraller zum Ausgleich. Es ging in die Verlängerung – und niemand ahnte, dass sie Zeugen eines der umstrittensten "Tore" der Fußballgeschichte werden würden.
Rechtsverteidiger George Cohen schlug eine flache Flanke in den deutschen Strafraum und fand Geoff Hurst, der sich drehte und auf das Tor von Hans Tilkowski schoss. Der Ball prallte an die Latte und sprang auf die Torlinie zurück – doch zur Überraschung aller gaben der Schweizer Schiedsrichter Gottfried Dienst und sein Assistent England das Tor. Es wurde zum entscheidenden Wendepunkt der Partie. Hursts Phantomtor bescherte England den bis heute einzigen großen Titel.
8: Bergkamps Tor gegen Argentinien (1998)
Das Stade Vélodrome in Marseille war Schauplatz eines packenden Viertelfinals im Jahr 1998. Die Niederlande – angeführt von Dennis Bergkamp, Jaap Stam und vielen Spielern der goldenen Ajax-Generation, die 1995 die Champions League gewann – traf auf Argentinien mit Gabriel Batistuta, Juan Sebastian Veron, Diego Simeone und Javier Zanetti.
Beide Teams waren auf Augenhöhe und stellten sich mental schon auf die Verlängerung in der französischen Hitze ein, als Dennis Bergkamp das Ausrufezeichen hinter ein großartiges Spiel setzte. Frank de Boer schlug einen langen Ball tief in die argentinische Hälfte, den Bergkamp meisterhaft annahm. Nach seinem butterweichen ersten Kontakt ließ Bergkamp Roberto Ayala stehen und schlenzte den Ball an Torwart Carlos Roa vorbei. Die Niederlande zogen in der 90. Minute ins Halbfinale ein – sehr zur Freude des niederländischen Kommentators Jack van Gelder.
7: Pelés Abschied in Mexiko (1970)
Ganz gleich, wie man den Sport erlebt: Pelé ist einer der größten Namen, die der Fußball je gesehen hat. Nachdem er 1958 mit 17 Jahren die Welt schockte, trat das brasilianische Ausnahmetalent bei der WM 1970 in Mexiko ein letztes Mal auf die große Bühne.
Als Teil dessen, was viele als beste Fußballmannschaft aller Zeiten ansehen, spielte Pelé ein herausragendes Turnier. Trotz einer viel diskutierten Parade von Gordon Banks war Pelés Turnier mit Brasilien legendär. "O Rei" war an 10 der 19 brasilianischen Tore beteiligt und glänzte im Finale mit einem Tor und zwei Vorlagen auf dem Weg zum überlegenen 4:1-Sieg gegen Italien.
Pelé verabschiedete sich von der Nationalmannschaft in der einzigen Sprache, die er kannte: mit tanzenden Füßen, die die Verteidiger im grellen Tageslicht stehen ließen. Inter-Legende und Italien-Verteidiger Tarcisio Burgnich, der im Finale die undankbare Aufgabe hatte, Pelé zu bewachen, brachte Pelés letzte WM vielleicht am besten auf den Punkt: "Ich sagte mir vor dem Spiel, er besteht wie alle anderen aus Haut und Knochen. Aber ich habe mich geirrt."
6: Baggios verschossener Elfmeter gegen Brasilien (1994)
Roberto Baggio war 1994 einer der besten Fußballer der Welt. "Il Divin Codino" spielte eine herausragende WM 1994 in den USA und erreichte das Finale in Pasadena als der Mann, der Italien zum vierten WM-Titel führen sollte.
Gegen ein von Romário und Dunga angeführtes Brasilien gelang Baggio und Italien in 120 Minuten kein Tor, sodass das Finale im Rose Bowl ins Elfmeterschießen ging. 94.194 Zuschauer sahen, wie Italien im Elfmeterschießen scheiterte – ausgerechnet Baggio jagte seinen Elfmeter weit über das Tor und verlor das Finale auf dramatische Weise.
Jahre später sagte Baggio im Interview mit The Athletic, dass ihn der Fehlschuss auf eine emotionale Achterbahnfahrt schickte: "Hätte ich in diesem Moment ein Messer gehabt, hätte ich mich erstochen. Hätte ich eine Pistole gehabt, hätte ich mich erschossen. In diesem Moment wollte ich sterben. So war das."
5: Messi gewinnt die Weltmeisterschaft (2022)
Lionel Messi hatte sich schon vor der WM 2022 in Katar einen festen Platz in der Fußballgeschichte gesichert – doch in seiner unglaublichen Titelsammlung fehlte noch ein ganz besonderer Pokal. Messi hatte Argentinien noch nicht zum WM-Titel geführt, anders als sein legendärer Vorgänger Diego Maradona. Für viele war Maradona deshalb noch immer der Größte, doch Messi war fest entschlossen, die Kritiker zum Schweigen zu bringen.
36 Jahre nach Maradonas Meisterleistung in Mexiko kämpfte sich Messis Argentinien an Australien und den Niederlanden vorbei und zerlegte Kroatien im Halbfinale. Im Finale wartete der amtierende Weltmeister Frankreich – und Messi, der fünf Tore erzielte und drei weitere vorbereitet hatte, lieferte ab, als es darauf ankam.
Lionel Messi traf doppelt, darunter einmal per Elfmeter in der Verlängerung, krönte seine Geschichte im Elfmeterschießen – und vollendete sein Vermächtnis.
4: Maradonas "WM-Tor des Jahrhunderts" (1986)
Von einem argentinischen Helden zum nächsten: Diego Maradona war bei der WM 1986 in Mexiko der alles überragende Mann für Argentinien. Die mexikanischen Rasenplätze waren sein Spielplatz, sein Trainingsfeld, seine Leinwand – und Maradona hinterließ sein größtes Kunstwerk im Viertelfinale gegen England.
In diesem brisanten Duell, das auf dem Höhepunkt des Falklandkriegs stattfand, zeigte Maradona der Welt, warum er als einer der Größten aller Zeiten gilt. Mit dem Ball in der eigenen Hälfte startend, ließ der geniale Maradona Peter Beardsley, Peter Reid, Terry Fenwick und Terry Butcher – letzteren gleich zweimal – stehen und schob den Ball ins leere Tor. Ein unglaublicher Anblick.
Das Tor wurde später zum "WM-Tor des Jahrhunderts" gewählt und von Maradona selbst als "Traumtor" beschrieben.
3: Zidanes Kopfstoß (2006)
Das Finale der WM 2006 war der letzte große Auftritt eines der größten Fußballer aller Zeiten: Zinédine Zidane. Frankreich – angeführt von Zidane, Thierry Henry und Patrick Vieira – erwartete ein Duell gegen Italien, das sich im Halbfinale gegen Gastgeber Deutschland durchgesetzt hatte.
Zidane erwischte in seinem letzten Spiel als Fußballer einen Traumstart und verwandelte in der siebten Minute einen Elfmeter. Ein Ausgleichstreffer von Marco Materazzi zwölf Minuten später sorgte für den Gleichstand bis zum Ende der regulären Spielzeit und auch in der Verlängerung. Doch einer der Torschützen sollte das Elfmeterschießen nicht mehr erleben.
Nach einem verbalen Schlagabtausch in der Verlängerung rammte Zidane Materazzi mit dem Kopf – ein historisch umstrittener WM-Moment. Die französische Legende wurde vom Platz gestellt, und das Bild von Zidane, wie er an der WM-Trophäe vorbeigeht, wurde zu einer der ikonischsten Szenen der Sportgeschichte.
2: Deutschland schlägt Gastgeber Brasilien 7:1 (2014)
Brasilien lebt, atmet und liebt Fußball. Kein Wunder also, dass der Gastgeber 2014 alles auf eine Karte setzte. Ein Team um den Barcelona-Star Neymar schaffte es nach Elfmeterschießen gegen Chile und einem Sieg über das Überraschungsteam Kolumbien mit James Rodriguez ins Halbfinale.
Deutschland war der Gegner im Halbfinale von Belo Horizonte. Nach einem harten Sieg gegen Algerien im Achtelfinale und einem Erfolg gegen Frankreich folgte das Duell mit Brasilien. Verletzungsbedingt fehlte Neymar, Thiago Silva war gesperrt – Brasilien stellte sich auf ein schweres Spiel ein. Was dann passierte, übertraf alle Träume und Albträume.
Nachdem Thomas Müller nach einer Ecke das erste Tor erzielte, brachen alle Dämme. Miroslav Klose, zweimal Toni Kroos und Sami Khedira trafen innerhalb von sechs Minuten – zur Halbzeit stand es unglaubliche 5:0. Noch vor der 30. Minute weinten die jungen Fans auf den Rängen. Joker André Schürrle erhöhte in der zweiten Halbzeit auf 6:0 und 7:0.
Oscar setzte in der 89. Minute den Schlusspunkt, konnte aber eine weitere nationale Katastrophe nicht verhindern. Deutschland feierte ein "knackiges 7:1", wie es in einem bis heute viralen Clip ein deutscher Fan ausdrückte. Das Spiel ging in Brasilien als "Mineiraço" – das Mineirao-Debakel – in die Geschichte ein.
1: Maradonas "Hand Gottes" (1986)
Im selben Spiel wie sein Tor des Jahrhunderts bei der WM 1986 zeigte Diego Maradona, was er wie kein anderer konnte: die Fußballwelt spalten. Jahre vor seinem Drogen-Skandal brachte Maradona Fans, Kritiker und Spieler mit einem Tor aus dem Gleichgewicht, das die Geschichte des Sports prägen sollte.
Vier Minuten nach seinem berühmten Sololauf startete Maradona ein weiteres Abenteuer tief in Englands Hälfte. Sein Pass wurde von Stürmer Jorge Valdano hochgespielt und von Glenn Hoddle zurück zu Torwart Peter Shilton geköpft. Maradona sprintete zurück, um den Ball zu erreichen. Hoch in der Luft boxte der kleine Argentinier den Ball mit der Hand ins Tor – und bekam den Treffer auf schockierende Weise anerkannt.
Nach dem 2:1-Sieg Argentiniens durfte Maradona in Mexiko-Stadt den WM-Pokal in die Höhe stemmen. Für sein umstrittenes Tor, die "Hand Gottes", zeigte der Superstar zunächst keine Reue und bestätigte in seiner Autobiografie 2000, dass er mit der Hand traf: "Jetzt kann ich sagen, was ich damals nicht sagen konnte, was ich damals als Hand Gottes bezeichnet habe. Welche Hand Gottes? Es war die Hand von Diego!"
