Im chaotischen Getümmel zwischen Usyk, dessen Gegner Rico Verhoeven sowie all den Managern und Betreuern war Kabayel bemüht, seiner Kampfansage Nachdruck zu verleihen. "Deutschland ist bereit für diesen Kampf, alle deutschen Fans warten. Es leben auch viele Ukrainer in Deutschland. Lass es uns in Deutschland in einem Stadion machen!", rief Kabayel Usyk zu.
Usyk, der Kickbox-Star Verhoeven nur höchst umstritten durch technischen K.o. in der elften Runde besiegt hatte, wirkte von der Situation etwas überfordert – und entgegnete dann in seinem charmant gebrochenen Englisch: "Lass uns das machen. Kein Problem. Bruder, ich bin bereit." Wirklich? Bisher war der 39-Jährige Fragen nach Kabayel oft ausgewichen, hatte ihn bei der Aufzählung zukünftiger Gegner gar nicht genannt.
WBC setzt klare Vorgaben
Am späten Samstagabend in Ägypten stand Usyk nun wie einst Clint Eastwood im Showdown des Western-Klassikers "Zwei glorreiche Halunken", diesem legendären Dreier-Duell, vor Verhoeven und Kabayel. Die Frage, die dabei alle umtrieb: Kommt nun der Fight gegen den Deutschen? Oder bekommt der wackere Verhoeven doch erst seinen Rückkampf? "Ich kann auch gegen beide kämpfen", meinte Usyk mit einem verstohlenen Lächeln.
Kabayel hat in der Angelegenheit eine recht klare Meinung. "Ich bin der Nummer-eins-Contender. Dann muss er den Titel niederlegen. Es kann kein Rematch zustande kommen", sagte er bei DAZN. In der Theorie ist die Lage relativ klar. Usyk, der auch noch Weltmeister der Verbände WBA und IBF ist, wurde die freiwillige Verteidigung vom Weltverband WBC gegen Verhoeven nur erlaubt, wenn er danach gegen Kabayel antritt.
Denn der ist WBC-Interimsweltmeister und hat ein Anrecht auf einen WM-Kampf. Sollte Usyk dem Duell aus dem Weg gehen, müsste er den WBC-Gürtel niederlegen, wodurch Kabayel automatisch Champion würde. Das wäre aber nicht im Sinn des 33-Jährigen, der unbedingt das große Aufeinandertreffen im Herbst in einem deutschen Fußballstadion will. Und Kabayel ist guter Dinge, der Verband WBC, das Usyk-Lager und die einflussreichen Funktionäre aus Saudi-Arabien hätten allesamt "Bock auf den Kampf".
Kampf gegen Verhoeven zu früh abgebrochen?
Gegen Usyk (25 Siege in 25 Profikämpfen) könnte Kabayel zum ersten deutschen Schwergewichts-Weltmeister seit Max Schmeling werden. Dabei bewies der Verhoeven-Kampf, dass dem lange unschlagbar wirkenden Usyk durchaus beizukommen ist. Der Edeltechniker hatte ungeahnte Probleme mit dem toughen Niederländer, der den Fight lange offenhielt und erst in Runde elf nach einem Uppercut zu Boden ging.
Zum Fight-Center: Oleksandr Usyk vs. Rico Verhoeven
Als der Ringrichter dann nach einem weiteren Schlaghagel von Usyk nur eine Sekunde vor Ende der Runde abbrach, witterten nicht wenige einen Skandal. Kabayel passte die Entscheidung aber ganz gut in den Kram, eine Pleite Usyks hätte auch seine WM-Pläne beeinflusst. "Dann", gab er zu, "hätten sich die Karten nochmal neu gemischt".
