Nach Saudi-Rückzug von der LIV-Tour: Platzt die "Sportswashing"-Blase doch?

Am Donnerstag gab der saudische Staatsfonds den Rückzug von LIV Golf bekannt.
Am Donnerstag gab der saudische Staatsfonds den Rückzug von LIV Golf bekannt.REUTERS/Eloisa Sanchez

Ob Fußball, Formel 1, Boxen, Tennis, Reiten, E-Sport oder Golf - die (finanziellen) Mittel für den Sport in Saudi-Arabien schienen in den vergangenen fünf, sechs Jahren unerschöpflich zu sein.

Fußballer im allerbesten Alter für Großtaten gingen für Fantasie-Gehälter ebenso in die (sportliche) Wüste wie solche, die in erster Linie noch von ihrem Renommee und einem griffigen Markennamen leben.

Box-Stars erhielten für Kämpfe in Riad oder Dschidda aberwitzigste Börsen, die Formel 1 nimmt jedes Jahr mit Dank einen ihrer dicksten Antrittsschecks entgegen. Und Spitzen-Golfer, die selten in die Gruppe der von Altersarmut gefährdeten Menschen fallen, stockten ihre Einkünfte mit dem Start in einer völlig neuen Turnierserie abermals auf.

Gespaltene Golfwelt als Andenken

Und die Wirkung wurde nicht verfehlt: Ein Land kam auf einmal fernab von Öl und Menschenrechtsverletzungen auf die Landkarte. Insofern ist ein Ziel bereits erreicht.

Ein erster Geldhahn ist nun zugedreht, der saudi-arabische Staatsfond PIF pumpt nicht weiter Milliarden in die Golf-Serie LIV, welche eine traditionsreiche Sportart in zwei Teile gerissen hat. Und die nun wieder neu zusammenwachsen muss.

Andere - im Vergleich zum Fußball mittelgroße - Sportarten sollten spätestens jetzt alarmiert sein, denn auch Saudi-Arabien befindet sich in Zeiten des Iran-Krieges nicht im luftleeren Raum.

Es wäre nicht verwunderlich, wenn die Sport-Strategie des Königreichs künftig auf die Leuchttürme konzentriert: Die Fußball-WM 2034 hat sich das Land unter erheblichen Anstrengungen schon zuschieben lassen, bliebe noch Olympia. Was sind da schon einzelne Turniere, Kämpfe oder Rennen.

Gut möglich, dass in ein paar Jahren die Sichtweise auf Saudi-Arabien auch bei den Sportlern eine andere ist: War es das Geld wert?