Robin Gosens musste seine Emotionen erst einmal sortieren. Das erste Bundesligator nach 1203 Tagen für seinen Herzensverein Schalke 04 ausgerechnet an seiner alten Wirkungsstätte zu schießen, sei "sehr besonders, irgendwie ein ganz doller Mix der Gefühle", erklärte der 32-Jährige am Sky-Mikrofon. Doch bei allem Respekt vor Union Berlin überwog nach dem ersten königsblauen Erfolg im Oberhaus nach mehr als drei Jahren die Erleichterung - denn beim Aufsteiger ist jedem klar: Das war erst der Anfang.
"Wir sind angekommen", befand auch Trainer Miron Muslic. Das 3:1 (1:0) am Freitagabend im Stadion An der Alten Försterei fühle sich "fantastisch" an: "Aber die nächsten zehn Monate werden brutal, und darauf sind wir vorbereitet." Sein "Mindset", betonte der Coach, werde sich nicht ändern.
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Gosens trifft gegen Ex-Klub: "Habe sehr viel Respekt vor Union"
Doch zunächst durfte Muslic aufatmen - mehr noch. Nach zwei Spielen ohne eigenen Treffer zum Saisonstart erlöste Gosens Schalke in der 25. Minute nach einer jahrelangen Durststrecke: Erstmals seit dem 27. Mai 2023, als Marcin Kaminski und Willi Orban durch ein Eigentor bei RB Leipzig (2:4) für die Königsblauen getroffen hatten, durften die Gelsenkirchener wieder ein Tor in der Beletage des deutschen Fußballs bejubeln.
Gosens, der vor drei Jahren im Union-Trikot sein Bundesliga-Debüt gegeben hatte, hob hingegen entschuldigend die Hände. "Ich habe sehr viel Respekt vor Union", erklärte der 24-malige Nationalspieler. Trotz des langen Abstiegskampfes und einem Last-Minute-Abschied am letzten Tag des Transferfensters bezeichnete Gosens seine "sehr intensive Zeit" in Köpenick als eine "unglaublich wertschätzende und für mich positive Erfahrung".
Doch er sei "Schalke-Fan, Schalke hat mich zum Fußball gebracht", sagte Gosens, der am Ende trotz der gemischten Gefühle einfach nur "sehr glücklich" über den ersten Saisonsieg war. Als die Königsblauen ihren zuvor letzten Dreier in der Bundesliga am 5. Mai 2023 beim FSV Mainz 05 (3:2) in ihrer Abstiegssaison gefeiert hatten, war Gosens mit Inter Mailand gerade noch mitten im Rennen um den Champions-League-Titel gewesen.
Schalke zittert spät
Selbstvertrauen hatte Schalke in der Vorwoche beim 0:0 gegen Bayern München getankt. "Viele haben danach vielleicht gedacht, dass das ein One-Hit-Wonder war", sagte Muslic. Doch seine Mannschaft bewies auch bei Union Kampfgeist.
Nach den Treffern von Gosens und Adil Aouchiche (46.) hatte Schalke in der Schlussphase noch einmal ordentlich zittern müssen. Die Gelsenkirchener warfen sich jedoch leidenschaftlich in jeden Ball, hinten parierte Torhüter Loris Karius, ebenfalls ein früherer Berliner, ein paar Mal stark. Dem Druck hielt Schalke auch nach dem Tor von Unions Tim Skarke (90.+6) stand. Den Schlusspunkt einer langen Nachspielzeit, verursacht durch das verletzungsbedingte Aus von Schiedsrichter Timo Gerach (60.), setzte Maximilian Wöber (90.+13).
"Wir haben diese Widerstandsfähigkeit und diese Resilienz. Das haben wir auch im Aufstiegsjahr bewiesen", lobte Muslic. Doch bei aller Euphorie: "Die richtige Selbsteinschätzung und unsere Bodenständigkeit tun uns gut."
