Kettemann – der den SC Paderborn in seiner ersten Saison als Profitrainer in die Bundesliga geführt hatte – war zuvor acht Jahre als Trainer beim TSV Ilshofen tätig. "Ich habe mir den Trainerberuf selbst beigebracht. Das war viel Trial and Error", sagte er.
Niederlagen hätten bei ihm Spuren hinterlassen. Zeitweise habe ihm die Kraft gefehlt, "sodass ich vereinzelt zu Spielen gefahren werden musste. Das war für mich der Peak-Moment."
Daraufhin suchte er sich professionelle Hilfe. Er habe "mit Menschen zusammengearbeitet, die einen spiegeln. Die einem immer wieder Hilfestellung geben." Aus dieser Erfahrung hat der Coach eine klare Lehre gezogen: "Man ist kein guter Mensch, wenn man ein Spiel gewinnt. Und man ist kein schlechter Mensch, wenn man eine Partie verliert."

Möchte auch für seine Spieler da sein
Auch in seiner Mannschaft versuche er dieses Denken einzubringen. Die Spieler geben täglich Rückmeldung zu ihrem körperlichen und emotionalen Zustand: "Hat ein Spieler schlecht geschlafen, weil seine Freundin am Abend zuvor etwa Schluss gemacht hat oder das Kind krank ist? Diese Fragen können keine Blut- oder Belastungs-Steuerungs-Analysen beantworten und sind notwendig für die Trainingssteuerung."
Vor dem Bundesliga-Duell bei Borussia Dortmund am Samstag (15.30 Uhr/Sky) erwartet Kettemann eine mentale Herausforderung. Er könne seinen Spielern keinen Vorwurf machen, wenn sie nervös seien. "Aber wenn wir keine Eier haben, dann wird man auch keine Chance haben."
