Am Donnerstag will sich der Neu-Kaukasier in Belgrad beim FIS-Kongress wiederwählen lassen. Und nahezu alle großen Ski-Nationen wollen dies mit aller Kraft verhindern. Denn Eliasch hat in seiner ersten Amtszeit seit 2021 offenbar derart viel Geld verbrannt und derart wenige Versprechen erfüllt, dass er in bemerkenswerter Geschlossenheit für untragbar erklärt wurde. Bleibt Eliasch dennoch im Amt, droht der FIS die Spaltung.
Eine Wiederwahl von Eliasch in Belgrad, wo Oberstdorf auf den Zuschlag als nordischer WM-Ausrichter 2031 hofft, wäre eine Katastrophe, urteilt auch Stefan Schwarzbach, Vorstand im Deutschen Skiverband. "Aus unserer Sicht reichen kosmetische Korrekturen längst nicht mehr aus. Die FIS braucht eine echte Kernsanierung, um Vertrauen, finanzielle Stabilität und Geschlossenheit zurückzugewinnen", sagte Schwarzbach dem SID.
"Alle Alarmglocken läuten"
Das Vermögen der FIS soll unter Eliasch von 130 auf 43 Millionen Franken geschrumpft sein, wie Athletensprecher AJ Ginnis ermittelt hat. Der Finanz-Streit eskalierte vergangene Woche, als FIS-Geschäftsführer Urs Lehmann hinwarf - der Ex-Abfahrtsweltmeister aus der Schweiz war 2021 im Präsidentschaftswahl Eliasch unterlegen, war als CEO seit 2025 dessen Gegenpol.
"Lehmanns Rücktritt spricht Bände", sagt Schwarzbach: "Wenn selbst der Steuermann, der die Entwicklung der vergangenen Jahre aus nächster Nähe begleitet hat, eine dringende finanzielle Kurskorrektur fordert, dann sollten bei allen Delegierten die Alarmglocken läuten."
Seinen ohnehin überschaubaren Rückhalt hat der exaltierte Eliasch durch sein amtliches Auftreten verspielt. Der passionierte Weltbürger, im Nebenjob Chef des Ski- und Tennis-Artikelgiganten Head, erschien als Präsident nicht dort, wo es eigentlich geziemte, sondern dort, wo es ihm nützte. Ergo: Regelmäßig beim Alpin-Ski, kaum beim Skispringen oder Skilanglauf. Viele Verbände und Sportler fühlten sich schlecht oder gar nicht von ihm vertreten.
"Vieles, was die aktuelle FIS-Führung versprochen hat, wird nicht umgesetzt", sagt Alpin-Superstar Mikaela Shiffrin: "Ich hoffe, dass die zukünftige Präsidentin oder der zukünftige Präsident sich wirklich für die Athleten einsetzt und unsere Leistungen durch Transparenz und Ehrlichkeit wertschätzt."
Eliasch hat noch ein Ass im Ärmel
Den Rückhalt seiner Heimat(en) hat Eliasch längst verloren. Die Briten, die ihn 2021 nominierten, schicken ihre Verbandspräsidentin Victoria Gosling in Belgrad ins Rennen, auch die mächtigen Verbände aus Schweden, Österreich, USA, Norwegen oder eben Deutschland werben für einen der vier Gegenkandidaten ein.
Ist Eliasch damit am Ende? Nicht zwingend - mit den Stimmen der kleinen Verbände könnte er sich halten. Dort kann Milliardär Eliasch noch punkten. Siehe Georgien, das ihn, der keinerlei Verbindung zur Kaukasus-Republik besaß, für die Wahl nominierte - der Vorschlag des Heimatverbands ist Kandidatur-Voraussetzung.
Wenn Eliasch aber gewählt wird? "Dann fahren wir mit 180 km/h gegen eine Wand", sagt Diego Züger, Geschäftsführer des Schweizer Verbandes. Und deshalb steht im Hintergrund eine Drohung: Die großen Ski-Nationen könnten sich vom Weltverband lossagen und Top-Veranstaltungen wie Wengen oder Kitzbühel eigenverantwortlich organisieren. Eliasch würde kaum gleichwertigen Ersatz finden. Zumindest nicht in seiner Heimat Georgien.
