Vor dem Endspiel machte de la Fuente deutlich, welche Bedeutung die Partie für ihn und seine Mannschaft hat. "Jeden Tag bete ich und danke für das Leben. Ich bitte aber nicht um Hilfe. Das wäre unfair", sagte der Nationaltrainer auf die Frage, ob er vor Spielen bete. Stattdessen sehe er sein Team selbst in der Pflicht: "Wir haben eine große Verantwortung für das ganze Land. Das ist etwas ganz Besonderes für uns."
Zum Match-Center: Spanien vs. Argentinien
Ein Trainer der leisen Töne
In einer Branche, die oft von großen Egos geprägt ist, wirkt de la Fuente fast wie ein Gegenentwurf. Der gebürtige Haro in der nordspanischen Region La Rioja arbeitete nie bei einem europäischen Spitzenklub und sucht nicht das Rampenlicht. Stattdessen spricht er regelmäßig über Bescheidenheit, Teamgeist und gegenseitigen Respekt.
Mit dieser Art begeistert er nicht nur seine Spieler, sondern auch Kollegen. Freiburgs langjähriger Trainer Christian Streich zeigte sich im ZDF beeindruckt: "Er hat in dem Interview achtmal die Mannschaft erwähnt, immer von der Gruppe gesprochen, vom Land, von Dankbarkeit. Er ist ein Weltklasse-Trainer und es kommt nur Demut rüber, Ruhe, Zurückhaltung."
Der Architekt des spanischen Erfolgs
Seit der enttäuschenden Weltmeisterschaft 2022 hat de la Fuente Spaniens Nationalmannschaft grundlegend verändert. Der langjährige Nachwuchstrainer übernahm die A-Auswahl und führte sie zunächst zum Gewinn der Nations League 2023, ehe ein Jahr später der EM-Titel folgte.
Viele seiner Leistungsträger kennt er bereits seit deren Zeit in den Juniorennationalmannschaften. Spieler wie Rodri, Mikel Merino oder Torhüter Unai Simón begleiteten ihn von der U19 über die U21 bis in die Nationalmannschaft.
"Der Prozess fing schon vor Jahren an", sagte de la Fuente nach dem Halbfinalsieg gegen Frankreich (2:0). Gleichzeitig zeigte er sich von seiner Mannschaft weiterhin beeindruckt: "Ich bin die ganze Zeit überrascht, wozu meine Mannschaft in der Lage ist."
Eine Mannschaft mit klarer Handschrift
Unter de la Fuente hat Spanien seine traditionelle Spielidee bewahrt und zugleich weiterentwickelt. Ballbesitz bleibt ein zentrales Element, doch agiert man heute deutlich direkter, vertikaler und aggressiver als frühere Generationen.
Mit Jungstar Lamine Yamal sowie einer eingespielten Mannschaft gehört Spanien deshalb zu den komplettesten Teams dieser Weltmeisterschaft. Seit de la Fuente das Amt übernommen hat, ist die Selección inzwischen seit 37 Spielen ungeschlagen. Im WM-Finale kann sie damit sogar den italienischen Rekord einer noch längeren Ungeschlagen-Serie einstellen beziehungsweise übertreffen.
Auch Englands Nationaltrainer Thomas Tuchel zeigte sich beeindruckt. "Schaut euch seine Bilanz an. Es ist einfach unglaublich. Es wirkt, als könnten sie kein K.o.-Spiel verlieren."
Stillstand gibt es für de la Fuente nicht
Trotz aller Erfolge sieht der spanische Nationaltrainer noch längst kein Ende der Entwicklung. Für ihn gehört ständige Verbesserung zum Erfolgsrezept. "Man lernt nie aus", sagt de la Fuente. Diesen Anspruch vermittelt er auch seiner Mannschaft. "Ich sage ihnen immer, dass wir uns verbessern können, denn sonst reicht es nicht für den nächsten Wettbewerb. Unsere Möglichkeiten zur Verbesserung sind noch immer sehr groß."
Mit dieser Haltung könnte de la Fuente nun den größten Erfolg seiner Laufbahn feiern. Ein Sieg gegen Argentinien würde Spanien zum zweiten Mal nach 2010 den WM-Titel bescheren und den Trainer endgültig in den Kreis der erfolgreichsten Nationaltrainer des Landes führen.
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