Nicht nur Matthäus, der Inter Mailand in San Siro zur Meisterschaft und Deutschland bei der WM 1990 zur Titelreife geschossen hat, ist deshalb zum Heulen zumute. Olaf Thon schwärmt vom Meazza-Stadion als "Fußball-Kolosseum", schon nach dem Triumph der Schalker Euro-Fighter 1997 im UEFA-Cup-Rückspiel bei Inter "weinten 20. 000 Männer und Frauen in der königsblauen Wand", sagt er.
Für die Italiener ist das "Stadio San Siro", wie es bis 1980 hieß, "La Scala del Calcio", die Fußballoper. "San Siro bedeutet Geschichte, bedeutet Leben. San Siro ist ein Monument, immer voller Emotionen", sagt Fabio Capello, die Milan-Legende. Anfangs alleinige Hausherren, teilen sich seine Rossoneri die Spielstätte seit 1947 mit dem verhassten Rivalen Inter.
Legenden hinterlassen ihre Spuren im Meazza
Bei der Renovierung zur WM 1990, bei der die DFB-Elf fünf Spiele in Mailand bestritt, bekam das Meazza seine elf ikonischen Spiraltürme. Wenn die Fans sie an Spieltagen hinaufklettern, wirkt es, als drehten sie sich wie überdimensionale Schrauben.
Doch das San Siro ist mehr als ein Fußballstadion, in dem auch die WM 1934, die EM 1980 und vier Champions-League-Finals stattfanden - auch jenes 2001, das der FC Bayern dank "Titan" Oliver Kahn gewann. Reggae-Gott Bob Marley sang hier vor 120.000 Menschen, Italiens Box-Idol Duilio Loi krönte sich dort zum Weltmeister, religiöse Messen lockten Zehntausende.
Jetzt sind die Olympioniken dran. Was ihnen Capello zum Einlauf der Nationen rät? "Schaut nach oben", auf die Türme und die mächtigen Tribünen, die bald in Staub zerfallen werden.
