"Schockierend": Felix Neureuthers frustrierender Blick auf Olympia

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"Schockierend": Felix Neureuthers frustrierender Blick auf Olympia
Felix Neureuther mit seiner Tochter.
Felix Neureuther mit seiner Tochter.
Profimedia
Zu Olympischen Spielen hat Felix Neureuther eine ganz besondere Beziehung, nicht nur die Erfahrungen seiner vor einem Jahr verstorbenen Mutter Rosi Mittermaier haben ihn nachhaltig geprägt. Dreimal war der ehemalige Skirennläufer selbst dabei, 2006, 2010 und 2014. Aus seiner großen Liebe zum Wintersport macht er keinen Hehl, umso bemerkenswerter ist nun sein kritischer und ernüchterter Blick auf die Winterspiele 2026 in Mailand und Cortina d'Ampezzo.

Für die sehenswerte ARD-Dokumentation "Felix Neureuther - Spiel mit den Alpen" (20.15 Uhr sowie in der Mediathek) hat der mehrfache WM-Medaillen-Gewinner die Schauplätze der Spiele von Turin 2006 besucht, ebenso jene, wo in zwei Jahren um Medaillen gekämpft werden soll. Es ist eine Reise, die ihn erkennbar frustriert hat. Sestriere etwa, wo einst die alpinen Wettbewerbe stattfanden, sei nun eine "Retortenstadt, überdimensioniert und seelenlos".

Für ihn, sagte Neureuther zu seinem Film, sei dies "das Schockierendste zu sehen", wobei der 39-Jährige nicht zuletzt die Orte Cesana und Pragelato einbezieht. Dort standen die Bobbahn und die Skisprungschanzen, dort verrotten sie ohne Nachnutzung seit Jahren. "Ich wollte etwas Positives darstellen", sagt Neureuther über seine Intention für die Dokumentation - heraus kam eine kritische Zustandsbeschreibung unter anderem regionalen Größenwahns.

Mailand und Cortina d'Ampezzo warben mit Nachhaltigkeit, mit dem Zugriff auf existierende Sportstätten. Die Wahrheit ist eine andere, hat Neureuther festgestellt. "Die Versprechungen sind nicht eingehalten worden." 2026 erwartet er "Spiele der verstreuten Wettkämpfe". Die Sportstätten liegen weit auseinander, alleine rund 400 km liegen zwischen den Alpin-Zentren Bormio und Cortina. Von Cortina nach Mailand ist die Distanz noch größer.

"Faszination Alpen" bei Neureuther

So sehr Neureuther Olympia und den Wintersport liebt: Er redet nichts schön. Auch nicht, als er feststellt: Italien scheint keine Lehren gezogen zu haben. Antholz baut sein Biathlon-Stadion aus, obwohl dort erst 2020 die WM stattfand und die Arena dort doch "perfekt ist". Cortina will nun doch eine Bobbahn bauen statt die alte zu restaurieren - sogar das IOC missbilligt dies.

"Ich freue mich prinzipiell auf Olympische Spiele", betont Neureuther in einem ARD-Interview - doch er fordert Veränderungen. Olympia müsse Hoffnung geben: "Für mich ist es das, was wir für die kommenden Generationen erhalten müssen: Die naturnahe Kulturlandschaft in den Alpen, die Faszination der Berge, geschützte Lebensräume, gewachsene Orte, Kultur und Natur in Balance." Die Realität sieht anders aus.