"Ich kann genau so weitermachen", sagte Deutschlands neues Ski-Idol: "Einfach aufs Skifahren fokussieren und Spaß dabei haben." Diese fast kindliche Freude an ihrem Tun ist neben ihrem Skigefühl Aichers größte Stärke - und soll schon am Dienstag für doppelte Freude sorgen.
Die neue Team-Kombination (10.30/14.00 Uhr, ZDF und Eurosport) an der Seite von Abfahrtsspezialistin Kira Weidle-Winkelmann, in der Alleskönnerin Aicher den Slalom übernehmen wird, findet sie "cool. Es gibt eine Team-Stimmung. Man kann das zusammen machen - und sich hoffentlich zusammen freuen."
Medaille findet sicheren Weg durch den Abend
An ihrer Herangehensweise will Aicher dafür nichts ändern - Silber hin oder her. Voller Fokus auf den eigenen Lauf und, klar: Spaß haben. Olympia, hat Cheftrainer Andreas Puelacher beobachtet, habe "wenig" gemacht mit der 22-Jährigen: "Sie will was erreichen."
Auch nach dem größten Erfolg ihrer Karriere und einer wilden Feier mit Bier und Aperol Spritz, für die sie ihre Medaille sicherheitshalber einem Betreuer anvertraute. Am Montagmorgen hatte sie das gute Stück unbeschadet zurück, nach den Spielen will sie das Silber "irgendwo in die Wohnung hängen" - am liebsten nicht allein.
"Wir haben noch Chancen", sagte Puelacher und betonte: "Wir werden versuchen, nachzulegen." Schon in der Team-Kombi, die den alten Teamwettbewerb ersetzt, in dem Aicher und Co. 2022 Silber gewonnen hatten. Danach im Super-G am Donnerstag und mindestens noch im Slalom am 18. Februar.
"Wenn sie bei sich bleibt mit dem Kopf", sagte Kitzbühelsieger Thomas Dreßen in der BR-Sendung Blickpunkt Sport, "wenn sie sich nicht zu viele Gedanken darüber macht, was um sie herum passiert, dann kann sie noch sehr, sehr erfolgreich sein bei den Spielen. Ihr ist in jedem Rennen, wo sie am Start ist, alles zuzutrauen."
Aicher mit "erstaunlicher Entwicklung"
Auch Dreßen schwärmte von Aichers "unglaublichem Gefühl für den Ski", das ihr in die Wiege gelegt wurde - und das sie als Heranwachsende in Schweden verfeinerte. Das Land, betonte die Tochter einer Schwedin und eines Deutschen, werde immer "Daheim" sein für sie und einen "besonderen Platz" in ihrem Herzen haben.
Medaillen gewinnt die Sportsoldatin für den Deutschen Skiverband, die erste war WM-Bronze im Team 2021 - ebenfalls in Cortina. Seither habe sie eine "erstaunliche Entwicklung vollzogen", urteilte Dreßen.
Dazu gehört, dass Aicher als einzige Weltcup-Fahrerin alle Disziplinen bestreitet. Für den "Switch", den sie auch jetzt wieder von Abfahrt auf Slalom meistern muss, brauche sie "ein, zwei Fahrten", sagte sie, "dann bin ich wieder drin" - und in der Medaillenspur.
