Zum Hauptinhalt springen

Alles auf Rot: Radsport-Dominator Pogacar greift nach dem Vuelta-Sieg

Tadej Pogacar will die auch die letzte Grand Tour zu seiner Trophäensammlung hinzufügen.
Tadej Pogacar will die auch die letzte Grand Tour zu seiner Trophäensammlung hinzufügen.ČTK / imago sportfotodienst / Fotoreporter Sirotti Stefano

Tadej Pogacar rollte lächelnd von der Bühne vor dem berühmten Casino in Monte Carlo, dann hielt der Radsport-Superstar einen lockeren Plausch mit Fürst Albert von Monaco und ließ die prunkvolle Teampräsentation der Vuelta a Espana entspannt ausklingen. In seiner Wahlheimat, in der am Samstag der Startschuss zur Spanien-Rundfahrt fällt, stimmte sich der Topfavorit mit royaler Unterstützung auf die Jagd nach dem letzten noch fehlenden großen Rundfahrtsieg ein.

Knapp vier Wochen nach seinem souveränen fünften Triumph bei der Tour de France zählt für Pogacar bei seiner Rückkehr ins Renngeschehen erneut nur der Gesamtsieg. "Für mich war es seit einigen Jahren ein großes Ziel und ein großer Traum, alle drei Grands Tours zu gewinnen", sagte Pogacar, der neben fünf Triumphen bei der Tour auch den Giro d'Italia bereits einmal gewonnen hat: "Es ist eines der Ziele, die mir in meiner Karriere noch fehlen. Ich werde mein Bestes geben."

Pogacar wäre erst der neunte Radprofi der Geschichte, der die Sammlung der großen Landesrundfahrten vervollständigt. Mit einem Vuelta-Sieg würde der Slowene zudem zum erst vierten Fahrer aufsteigen, dem das Double aus Tour und Vuelta im selben Jahr gelingt. Seit der Umstellung des Rennkalenders im Jahr 1995 hat dies nur der Brite Chris Froome (2017) vollbracht.

Roglic mit Fragezeichen zur Vuelta

Erst einmal ist Pogacar die Vuelta gefahren, bei seinem Debüt vor sieben Jahren stand er auf Anhieb als Dritter auf dem Podium. Das Top-Talent von einst hat sich zum besten Radprofi seiner Generation entwickelt. Ein Szenario, in dem er am 13. September in Granada nach 3275 km und 21 Etappen nicht im Roten Trikot ganz oben steht, ist nur schwer vorstellbar.

Zu dominant waren Pogacars Auftritte im Juli bei der Frankreich-Rundfahrt und den Monaten davor, zu schwach wirkt zudem die Konkurrenz um Landsmann und Rekordchampion Primoz Roglic (vier Vuelta-Siege), der trotz einer beeinträchtigten Vorbereitung das deutsche Top-Team Red Bull-Bora-hansgrohe anführt. Fahrer wie der spanische Hoffnungsträger Enric Mas, der Ecuadorianer Richard Carapaz, der Brite Oscar Onley oder der Österreicher Felix Gall könnten mit Etappensiegen glänzen.

Pogacar warnte jedoch davor, die Konkurrenz zu unterschätzen. "Es wird ein sehr hartes Rennen, es wird ein schwieriges Rennen. Ich erwarte, dass alle, die hier sind, in Topform sind. Es sind einige sehr, sehr gute Fahrer dabei", sagte Pogacar, der versicherte, sich von den Strapazen der Tour de France im Juli gut erholt zu haben.

Pogacar organisierte in der Pause ein Event in Slowenien, unterstützte seine Partnerin Urska Zigart als Edelfan am Straßenrand bei der Tour de France Femmes und spannte in Monaco aus. Dort könnte Pogacar schon beim 9,4 km langen Auftaktzeitfahren am Samstag das Rote Trikot erobern.

Falls nicht, ist der Sprung an die Spitze der Gesamtwertung aber wohl nur eine Frage der Zeit. Die anspruchsvolle Strecke, die die Organisatoren zusammengestellt haben, kommt Pogacar entgegen und bietet ihm zahlreiche Möglichkeiten für eine offensive Fahrweise: Sechs Hochgebirgsetappen, sieben Bergankünfte und rund 58.000 Höhenmeter machen die diesjährige Vuelta zu einer der härtesten in der Geschichte des Rennens.