Die größten Finals der Australian Open seit 1988: Sechs unvergessliche Klassiker

Der Schweizer Roger Federer (r.) und der Spanier Rafael Nadal posieren für die Fotografen
Der Schweizer Roger Federer (r.) und der Spanier Rafael Nadal posieren für die FotografenCredit: ČTK / AP / Masahiro Sugimoto

Flashscore blickt zurück auf die spektakulärsten Endspiele der Australian Open seit der Umstellung auf Hartplatz im Jahr 1988. Sechs Finals, die Tennisgeschichte geschrieben haben – voller Dramatik, Rivalität und Emotionen.

Federer vs. Nadal 2017: Ein Comeback für die Ewigkeit

Das Finale 2017 zwischen Roger Federer und Rafael Nadal gilt als eines der größten Matches der Tennisgeschichte. Die ewige GOAT-Debatte bekam hier ein weiteres legendäres Kapitel.

Nach sechsmonatiger Verletzungspause kämpfte sich Federer zurück an die Spitze und lag im fünften Satz bereits 1:3 zurück. Doch dann drehte der Schweizer auf, gewann sechs Spiele in Folge und sicherte sich den Titel mit 6:4, 3:6, 6:1, 3:6, 6:3.

Im Anschluss zeigte sich Federer demütig: "Wir waren uns in allen Belangen so ebenbürtig, dass ich auch ein Unentschieden akzeptiert hätte." Stattdessen feierte er seinen ersten Grand-Slam-Titel seit viereinhalb Jahren – und den ersten Sieg über Nadal bei einem Major seit Wimbledon 2007.

Seles vs. Graf 1993: Rivalität auf höchstem Niveau

Das Finale 1993 zwischen Monica Seles und Steffi Graf war ein Duell zweier Gigantinnen. Beide dominierten das Damentennis jener Zeit. Seles, die Titelverteidigerin, setzte sich nach verlorenem ersten Satz mit 4:6, 6:3, 6:2 durch und gewann ihr achtes Major. Es war eines der intensivsten Frauenfinals der 90er-Jahre.

Nur wenige Monate später erschütterte ein Attentat die Tenniswelt: Seles wurde bei einem Turnier in Hamburg niedergestochen. Zwar überlebte sie, doch das Trauma war so groß, dass sie über zwei Jahre pausieren musste.

Wilander vs. Cash 1988: Das erste Hartplatz-Epos

1988 begann eine neue Ära: Erstmals wurden die Australian Open auf Hartplatz ausgetragen. Das Finale zwischen Mats Wilander und Pat Cash wurde sofort zum Klassiker.

In einem 4:27 Stunden langen Marathon setzte sich Wilander mit 6:3, 6:7, 3:6, 6:1, 8:6 durch. Besonders dramatisch: Im fünften Satz stand der Schwede mehrfach kurz vor der Niederlage, bewies aber unter anderem bei zwei Aufschlagsspielen gegen den Matchverlust enorme Nervenstärke.

Auch eine zwischenzeitliche Regenpause konnte Wilander, der seine vorherigen vier Grand-Slam-Matches gegen Cash verloren hatte, letzlich nicht aufhalten.

Capriati vs. Hingis 2002: Vier Matchbälle abgewehrt

Jennifer Capriati sorgte 2002 für eines der größten Comebacks der Tennisgeschichte. Die US-Amerikanerin, die mit persönlichen Problemen zu kämpfen hatte und zuvor wegen Ladendiebstahls sowie Drogenbesitzes verhaftet worden war, hatte zwischenzeitlich bereits ihre Karriere beendet.

Und auch wärehnd ihres letzten Karrierehochs bewies sie Kämpferqualitäten: Gegen Martina Hingis lag Capriati im zweiten Satz bereits 0:4 zurück und musste vier Matchbälle abwehren. Doch sie kämpfte sich zurück, gewann den Tiebreak und schließlich das Match mit 4:6, 7:6, 6:2.

Hingis, die nach dem 7:9 im Tiebreak des zweiten Satzes ihren Schläger zerbrach, zeigte sich nach dem Spiel tief getroffen: "Ich wollte es einfach hinter mir haben, egal was passiert. Zu diesem Zeitpunkt war es mir egal. Man sollte sich immer kümmern, aber es war einfach unmöglich."

Safin vs. Hewitt 2005: Vom Traumstart zum bitteren Ende

Lleyton Hewitt erfüllte sich 2005 den Traum vom Heimfinale – als erster Australier seit 1988 stand er bei den Australian Open im Endspiel. Vor 16.000 Fans in der Rod Laver Arena legte er furios los und gewann den ersten Satz in nur 23 Minuten mit 6:1.

Doch danach kippte das Match komplett. Marat Safin , der zuvor bereits zwei AO-Finals als Favorit verloren hatte, steigerte sich deutlich, pushte sich sichtbar und fand zu seinem gewohnt Spiel. Mit wachsender Kontrolle drehte der Russe die Partie und gewann schließlich mit 1:6, 6:3, 6:4, 6:4.

Hewitt verlor dagegen zunehmend die Nerven, kassierte nach einer Geste in Richtung eines Linienrichters sogar eine Verwarnung. Für Safin war es nach einem abgewehrten Matchball gegen Federer im Halbfinale die Krönung seiner Karriere – für Hewitt blieb es die große verpasste Chance auf den Heimtitel.

Djokovic vs. Nadal 2012: Fünf Stunden 53 Minuten Ausnahmezustand

Das Finale 2012 zwischen Novak Djokovic und Rafael Nadal ist bis heute das längste Grand-Slam-Endspiel der Geschichte – 5 Stunden und 53 Minuten auf absolutem Topniveau.

Beide lieferten sich ein episches Duell mit extremen Ballwechseln und enormer Intensität. Symbolisch dafür stand ein 31-Schläge-Rallye im fünften Satz, nach der Djokovic zu Boden ging, während Nadal erschöpft zur Seite taumelte.

Trotz der Belastung blieb die Qualität über die gesamte Distanz außergewöhnlich hoch. Djokovic setzte sich schließlich mit 5:7, 6:4, 6:2, 6:7(5), 7:5 durch und fügte Nadal eine historische Niederlage zu – dessen einzige in einem Grand-Slam-Finale nach gewonnenem ersten Satz.

Bei der Siegerehrung mussten beide Spieler erschöpft sitzen – ein seltenes Bild, das die Intensität dieses Finals perfekt widerspiegelte.