French Open 2026: Zverev schreibt Geschichte, Andreeva erobert Paris

French Open 2026: Zverev schreibt Geschichte, Andreeva erobert Paris
French Open 2026: Zverev schreibt Geschichte, Andreeva erobert ParisCastel Franck/ABACA / Abaca Press / Profimedia

Die French Open sind das Sandplatz-Highlight des Tennisjahres. Zwei Wochen lang verwandelte sich Roland Garros in eine Bühne für Geduld, Physis und große Emotionen. 2026 bot Paris all das im Überfluss: Favoritenstürze, Hitze-Dramen, neue Gesichter im Rampenlicht und zwei Einzel-Champions, die auf völlig unterschiedliche Weise Geschichte schrieben.

Zverevs Erlösung nach Jahren des Wartens

Alexander Zverev hatte vor diesem Turnier schon vieles gewonnen: Olympiagold, ATP-Finals-Titel, Masters-Turniere, große Matches gegen die Besten der Welt. Was ihm fehlte, war der eine Pokal, der Karrieren verändert. In Paris 2026 bekam er ihn.

Im Finale gegen Flavio Cobolli setzte sich der Deutsche nach einem intensiven Fünfsatz-Kampf mit 6:1, 4:6, 6:4, 6:7, 6:1 durch. Es war kein perfektes Endspiel, aber gerade deshalb passte es so gut zu Zverevs Grand-Slam-Geschichte. Wieder gab es Zweifel, wieder gab es eine Phase, in der er das Match hätte früher beenden können, wieder wurde es kompliziert. Doch diesmal kippte die Partie nicht gegen ihn.

 

 

Zverev begann dominant. Sein Aufschlag funktionierte, die Rückhand diktierte das Tempo, Cobolli fand zunächst kaum Zugriff. Doch der Italiener, der in Paris das Turnier seines Lebens spielte, ließ sich nicht abschütteln. Er holte Satz zwei, blieb auch nach dem verlorenen dritten Durchgang präsent und rettete sich im vierten Satz in den Tiebreak. Als Cobolli diesen gewann, schien für einen Moment die alte Geschichte um Zverev wieder aufzutauchen: Der große Spieler, der kurz vor dem Ziel ins Wanken gerät.

Doch im fünften Satz folgte die Antwort eines Champions. Zverev zog früh davon, spielte wieder klarer und energischer, während Cobolli nach einem langen Turnier sichtbar weniger Reserven hatte. Der 29-Jährige vollendete schließlich seinen ersten Grand-Slam-Titel und schrieb deutsche Tennisgeschichte: Er wurde erster deutscher French-Open-Sieger seit Henner Henkel 1937 und erster deutscher Grand-Slam-Champion im Herren-Einzel seit Boris Becker 1996.

Cobolli und das Turnier der Außenseiter

Dass Zverev am Ende gegen Cobolli um den Titel spielte, war eine der großen Geschichten dieser French Open. Der Italiener war nicht als Turnierfavorit nach Paris gekommen, nutzte aber ein weit geöffnetes Tableau konsequent aus. Überhaupt war der Herrenbewerb 2026 ein Turnier der Überraschungen.

 

 

Jannik Sinner verspielte in der zweiten Runde gegen Juan Manuel Cerundolo eine Zwei-Satz-Führung. Novak Djokovic musste sich nach ebenfalls klarer Führung dem brasilianischen Teenager Joao Fonseca geschlagen geben. Daniil Medvedev scheiterte gleich zum Auftakt an Adam Walton, Taylor Fritz verlor in Runde eins gegen Nishesh Basavareddy und Stefanos Tsitsipas musste sein Match gegen Alexandre Muller verletzt aufgeben.

So entstand ein Draw, in dem plötzlich nicht mehr die üblichen Namen die Erzählung bestimmten. Fonseca, Jakub Mensik, Rafael Jodar, Matteo Arnaldi und Cobolli prägten die zweite Turnierwoche. Für Zverev war das Chance und Gefahr zugleich: Der Weg war offen, aber der Druck dadurch noch größer. Am Ende nutzte er die Gelegenheit.

Andreeva krönt ihre Sandplatz-Saison

Bei den Damen setzte sich am Ende die Spielerin durch, die in Paris am reifsten wirkte: Mirra Andreeva. Die 19-jährige Russin gewann ihr erstes Grand-Slam-Turnier und bestätigte damit, was sich seit Monaten abgezeichnet hatte: Sie ist nicht mehr nur ein Versprechen für die Zukunft, sondern bereits eine Spielerin für die ganz großen Titel.

Im Finale gegen Maja Chwalinska ließ Andreeva nichts anbrennen. Mit 6:3, 6:2 stoppte sie den Märchenlauf der polnischen Qualifikantin und holte sich den Coupe Suzanne Lenglen. Ihre Leistung war bemerkenswert kontrolliert. Andreeva musste nicht zaubern, weil sie so viele einfache Dinge außergewöhnlich gut machte: Sie bewegte sich brillant, variierte Höhe und Tempo, traf unter Druck gute Entscheidungen und blieb in fast jeder kritischen Phase ruhig.

Der Titel macht sie zur jüngsten French-Open-Siegerin seit Monica Seles 1992. Gleichzeitig war es ein symbolischer Moment für die WTA-Tour. Nach Jahren, in denen Iga Swiatek Roland Garros geprägt hatte, bekam Paris eine neue Königin. Andreeva spielte nicht wie ein Teenager, der überrascht ist, im Finale zu stehen. Sie spielte wie jemand, der wusste, dass dieser Moment irgendwann kommen würde.

 

Andreeva als Königin von Paris
Andreeva als Königin von ParisMarc Ausset-Lacroix / Bestimage / Profimedia

 

Österreich im Fokus

Aus österreichischer Sicht waren die French Open 2026 vor allem bei den Damen bemerkenswert. Anastasia Potapova, die seit Ende 2025 für Österreich spielt, sorgte für das klare Highlight. Nach Siegen gegen Maya Joint und Katie Boulter gelang ihr in Runde drei der große Coup gegen Titelverteidigerin Coco Gauff. Potapova drehte das Match nach Satzrückstand und gewann 4:6, 7:6, 6:4.

 

 

Im Achtelfinale war gegen Anna Kalinskaya Endstation, doch auch diese Niederlage fiel extrem knapp aus. Potapova verlor 4:6, 6:2, 6:7 und musste sich erst im Match-Tiebreak geschlagen geben. Damit war sie die erfolgreichste österreichische Einzelstarterin des Turniers. Noch wichtiger: Sie bestätigte, dass sie nicht nur nominell Österreichs Nummer eins ist, sondern sportlich tatsächlich wieder in Richtung Weltspitze drängen kann.

Julia Grabher feierte in Runde eins einen überzeugenden 6:2, 6:2-Erfolg gegen Rebecca Sramkova. In Runde zwei musste sie gegen Amanda Anisimova allerdings nach einem klar verlorenen ersten Satz aufgeben. 

Sinja Kraus schaffte über die Qualifikation den Sprung ins Hauptfeld. In der ersten Runde war aber gegen Belinda Bencic Schluss. Lilli Tagger verlor ihr Auftaktmatch gegen Wang Xinyu nach drei Sätzen. Die 18-Jährige konnte dennoch mitnehmen, dass sie auf Grand-Slam-Niveau mithalten kann. Nach ihrem Juniorinnen-Titel in Roland Garros 2025 und ihrem rasanten Aufstieg in der Weltrangliste ist sie weiterhin eines der spannendsten Projekte im österreichischen Tennis.

 

Bei den Herren verlief das Turnier durchwachsener. Sebastian Ofner unterlag in Runde eins Luciano Darderi glatt in drei Sätzen. Jurij Rodionov spielte sich erfolgreich durch die Qualifikation, scheiterte im Hauptfeld aber an Arthur Rinderknech. Lukas Neumayer gewann zwei Qualifikationsmatches und verpasste den Hauptbewerb erst im Quali-Finale gegen Jaime Faria. Joel Schwärzler gewann sein erstes Qualifikationsmatch gegen Clement Chidekh, musste sich danach aber Roman Safiullin beugen.

 

Sebastian Ofner musste früh die Segel streichen
Sebastian Ofner musste früh die Segel streichenJean Catuffe/DPPI / Shutterstock Editorial / Profimedia

 

Hitze, Aufgaben und ein Turnier im Ausnahmezustand

Roland Garros 2026 war nicht nur sportlich turbulent. Die erste Turnierwoche wurde auch von großer Hitze und mehreren Aufgaben geprägt. Zahlreiche Spieler kämpften mit den Bedingungen, einige Partien endeten vorzeitig. Besonders im Herrenfeld häuften sich Retirements und körperliche Probleme.

Diese Umstände verstärkten das Gefühl, dass Paris 2026 ein Turnier der Extreme war. Wer weit kommen wollte, brauchte nicht nur Form, sondern auch Belastbarkeit. Gerade deshalb wirkten die Titel von Zverev und Andreeva so passend. Beide überstanden Drucksituationen, beide mussten in einem wechselhaften Turnier stabil bleiben, beide wirkten am Ende nicht nur spielerisch, sondern auch mental am robustesten.