Misolic feiert nach langer Leidenszeit sein Comeback
Eigentlich sollte die Pause deutlich kürzer ausfallen. Beim Challenger in Lille zog sich Filip Misolic im Februar eine Ruptur der Plantarfaszie in der rechten Fußsohle zu. Die erste Prognose lautete auf rund acht Wochen Pause. Daraus wurde schließlich mehr als ein halbes Jahr. Sein ursprünglich für den Sommer angepeiltes Comeback verschob sich immer weiter.
Nun fühlt sich Misolic wieder bereit. „Zurzeit bin ich fit und zum Glück ohne Schmerzen“, erklärte er vor seinem Auftakt in New York. Zuletzt trainierte er bereits intensiv, unter anderem mit Arthur Fils im Billie Jean King National Tennis Center. Wenige Tage zuvor absolvierte er zudem eine Einheit mit Novak Djokovic in Montenegro.
Vor seiner Verletzung hatte Misolic einen wichtigen Schritt geschafft. Nach einer starken Saison 2025 etablierte er sich erstmals dauerhaft in den Top 100 und erreichte im Februar 2026 mit Rang 76 seine bislang beste Platzierung. Bei den Australian Open stand er zu Jahresbeginn erstmals im Hauptbewerb. Sein bestes Grand-Slam-Ergebnis bleibt die dritte Runde der French Open 2025. Die große Unbekannte ist diesmal weniger das spielerische Niveau als die körperliche Belastbarkeit.

Cerundolo mit zwei Titeln, aber zuletzt ohne Erfolgserlebnis
Die Rollen sind dennoch klar verteilt. Francisco Cerundolo steht aktuell auf Weltranglistenplatz 25 und erlebt insgesamt eine erfolgreiche Saison. Im Februar triumphierte der Argentinier vor heimischem Publikum in Buenos Aires. Im Juni folgte sogar der bislang größte Titel seiner Karriere. Im Finale des ATP-500-Turniers im Londoner Queen's Club bezwang er Tommy Paul nach Satzrückstand mit 6:7, 6:4, 6:3. Es war sein fünfter ATP-Titel.
Unantastbar ist Cerundolo auf Hartplatz allerdings keineswegs. Seine letzten drei Matches vor den US Open verlor der 28-Jährige. In Los Cabos unterlag er überraschend Arthur Gea, anschließend scheiterte er in Toronto an Alex Michelsen und in Cincinnati an Nuno Borges.
Auch New York war für Cerundolo bislang kein besonders erfolgreiches Pflaster. 2022 scheiterte er bereits zum Auftakt an Andy Murray. In den vergangenen drei Jahren erreichte er jeweils die zweite Runde, weiter ging es noch nie.
Zwei Duelle, zwei klare Siege für Cerundolo
Für Misolic ist der Argentinier zudem kein Unbekannter. Beide bisherigen Duelle gingen an Cerundolo – jeweils ohne Satzverlust. Beim Erste Bank Open 2022 in Wien setzte sich der Argentinier mit 6:3, 6:3 durch. Noch deutlicher verlief das Wiedersehen in der zweiten Runde der French Open 2024. Cerundolo gewann 6:2, 7:6(2), 6:0.
Gerade deshalb wartet beim Comeback eine echte Standortbestimmung. Cerundolo bringt mit seiner druckvollen Vorhand und seinem stabilen Grundlinienspiel Qualitäten mit, die Misolic nach monatelanger Wettkampfpause sofort fordern werden. Gleichzeitig reist der Favorit ohne Erfolgserlebnis aus der nordamerikanischen Hartplatz-Saison nach New York.
Misolic kann dagegen weitgehend ohne Erwartungsdruck aufschlagen. Nach mehr als sechs Monaten ohne Match zählt für den Steirer zunächst einmal, wieder auf der großen Bühne zu stehen. Dass diese ausgerechnet beim ersten US-Open-Hauptbewerb seiner Karriere wartet, macht das Comeback umso besonderer.
