Unruhe vor dem WM-Start: Gastgeber Mexiko ringt um Kontrolle

Im Aztekenstadion findet am Donnerstagabend das WM-Eröffnungsspiel statt.
Im Aztekenstadion findet am Donnerstagabend das WM-Eröffnungsspiel statt.REUTERS/Luis Cortes/File Photo

Mexiko richtet zum dritten Mal nach 1970 und 1986 eine WM-Endrunde aus. Vor dem Eröffnungsspiel gehen jedoch vor allem besorgte Blicke in das Land.

Als die letzten Schrauben an der Bühne für Shakira und Co. festgezurrt wurden, herrschte vor den Toren des pompösen Aztekenstadions in Mexiko City Ausnahmezustand. Schutzmauern und Straßensperren bestimmten auch einen Tag vor dem WM-Eröffnungsspiel das Bild, die Polizei bereitete sich mit einem massiven Aufgebot auf einen Großkampftag vor. Allein sieben Protestmärsche sind für Donnerstag rund um das Stadion angekündigt, in dem Mexiko und Südafrika (21.00 Uhr/ZDF und MagentaTV) das Turnier eröffnen.

Zum Match-Center: Mexiko vs. Südafrika

Seit Tagen sind es nicht Fußballfans, die mit Bannern, Sprechchören und Fahnen durch die Straßen ziehen, sondern Demonstrierende, die ihrem Unmut Luft machen. Vor allem die Welle der Lehrerproteste hält das Land in Atem. Am Donnerstag wollen zudem unteren anderem die "madres buscadoras" demonstrieren - Mütter also, die ihre verschwundenen und mutmaßlich von Behörden oder kriminellen Banden entführten Kinder suchen.

Lehrerproteste spitzen sich zu

Die ansgespannte Lage hält den Gastgeber schon seit Monaten in Atem. Im Februar waren Teile Mexikos nach der Tötung des berüchtigten Drogenbosses Nemesio "El Mencho" Oseguera Cervantes durch die Armee ins Chaos gestürzt. FIFA-Präsident Gianni Infantino zeigte sich davon unbeeindruckt und erklärte, er sei "sehr ruhig": "Alles läuft sehr gut, alles wird fantastisch sein", sagte er damals in gewohnt optimistischer Manier.

"Wir garantieren, dass die Feierlichkeiten zur Weltmeisterschaft reibungslos, friedlich und ruhig verlaufen", sagte auch Mexikos Präsidentin Claudia Sheinbaum, die am Montag der Nationalmannschaft bei einem Treffen die besten Wünsche mit auf den Weg gab. Dennoch bleibt die Stimmung angespannt.

Seit Anfang Juni kommt es zu gewaltsamen Zusammenstößen zwischen Polizei und vor allem protestierenden Lehrkräften. Sicherheitskräfte setzten Tränengas ein, nachdem Demonstrierende versucht hatten, Zugang zu einer im Bau befindlichen Fanmeile im Stadtzentrum zu erlangen. Teile der Lehrergewerkschaft CNTE fordern Gehaltserhöhungen sowie Neuverhandlungen des Rentensystems und drohen, die Proteste während der WM zu intensivieren.

Sheinbaum setzt währenddessen auf Tausende Sicherheitskräfte, um einen reibungslosen Ablauf der Spiele zu gewährleisten. Ob dadurch tatsächlich eine unbeschwerte Sportfest-Atmosphäre entstehen kann, bleibt offen.

Eröffnungsspiel sei "garantiert"

Innerhalb des Stadions soll ohnehin nur der Fußball zählen. "Unser Ziel ist es, die beste WM in Mexikos Geschichte zu zeigen, und daran arbeiten wir hart", sagte Mexikos Trainer Javier Aguirre, zumindest auf dem Rasen will das Land sich von seiner besten Seite zeigen. Aber auch Südafrikas Trainer Hugo Broos hat große Ambitionen: "Wir wollen so schnell wie nur möglich drei Punkte holen, denn drei Punkte bedeuten, dass du zu 90 Prozent in die K.-o.-Runde kommst".

Für die FIFA wäre es ein Super-GAU, sollte das Eröffnungsspiel durch die Proteste überschattet werden. Bereits am Dienstag blockierten Demonstrierende eine Straße in Richtung Estadio Azteca, wurden jedoch von Polizeiketten am Vordringen gehindert. Präsidentin Sheinbaum bezeichnete die Proteste als "Provokation". "Als würde man sagen: 'Schaut euch an, wie schlimm die Lage in Mexiko ist'", sagte sie auf einer Pressekonferenz.

Zugleich erklärte sie, das Eröffnungsspiel sei "garantiert", schloss jedoch den Einsatz von Polizei zur Unterdrückung der Demonstrationen aus. Wie viel Protest letztlich die Eröffnungsfeier erreicht, bleibt abzuwarten.

FIFA WM 2026

Die FIFA Fußball-Weltmeisterschaft 2026 wird vom 11. Juni und 19. Juli in den USA, Kanada und Mexiko ausgetragen. In zwölf Gruppen kämpfen zunächst 48 Mannschaften um den Einzug in die erste von erstmals insgesamt fünf K.o.-Runden.

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