Party-Marathon, Rathaus-Empfang, Eintrag ins Goldene Buch. Die Europacup-Helden der MT Melsungen kommen bei ihrem "kleinen Sommermärchen" gar nicht aus dem Feiern heraus. Doch für die absolute Glückseligkeit fehlt den Handball-Gipfelstürmern um Kapitän Timo Kastening noch genau eines - eine Niederlage.
Es klingt verrückt, aber ist am vorletzten Bundesliga-Spieltag Realität: Nur bei einer Heimniederlage am Donnerstag (20.00 Uhr/Dyn) gegen die Füchse Berlin hätte Melsungen die Champions-League-Qualifikation vorzeitig sicher. Ein Remis gegen den Hauptstadt-Klub oder gar ein Sieg würden die Chancen auf die Königsklasse verschlechtern. Und so lautet das Melsunger Motto: Siegen verboten, verlieren ist Pflicht!
Match-Center: THW Kiel vs. MT Melsungen
Verantwortlich für dieses skurrile Szenario ist das Regelwerk. Denn sollten die Füchse als aktuell Ligazweiter noch hinter die SG Flensburg-Handewitt auf Platz drei abrutschen - was bei einem Strauchler bei der MT angesichts des Vorsprungs von zwei Punkten (plus deutlich besserer Tordifferenz) und der Partie zwischen Berlin und Flensburg am letzten Spieltag durchaus realistisch ist - und dann Mitte Juni die Champions League gewinnen, wäre Melsungen trotz des European-League-Triumphs vom vergangenen Wochenende nicht dabei.
An dieser Stelle zu betonen ist die Tatsache, dass Melsungen für diese Gaga-Konstellation absolut nichts kann. Und auch, dass Kastening und Co. gegen den noch amtierenden Meister, Europacup-Feier hin oder her, ohnehin Außenseiter wäre. Und doch entbehren die Umstände nicht einer gewissen Absurdität.
"Alles völlig wurscht"
Nach über 40 Stunden im Dauer-Partymodus stand für Dienstag ein Fan-Empfang auf dem Melsunger Marktplatz mit Getränken und Musik auf dem Plan. Kassels Oberbürgermeister Sven Schoeller bezeichnete den Triumph als "kleines Sommermärchen" und unterstrich die Bedeutung des ersten großen MT-Titels für die gesamte Region.
Die Rückkehr ins Training soll dann am Mittwoch erfolgen, um sich für das letzte Heimspiel der Saison am Donnerstagabend in der ausverkauften Rothenbach-Halle vorzubereiten. "Es wird nicht bis zum Berlin-Spiel durchgefeiert", beteuerte Torwart-Trainer Carsten Lichtlein. Und auch für Kastening ist das Niederlagen-Gerede "alles völlig wurscht".
Die Gefahr einer kleinen Leistungsdelle dürfte trotzdem bestehen. So hatte sich Melsungens Keeper Nebojsa Simic, der beim 24:23 gegen Kiel zum Final-Helden avanciert war, im Überschwang der Emotionen schon am Sonntagabend vorsorglich abgemeldet. "Für mich ist diese Saison fertig", sagte er in einem Dyn-Interview, das im Internet seither viral geht, und beendete seine launigen Ausführungen mit den Worten: "Das war's, Baby. Simic out."
