Vor Markthaler bereits Mühlegg, Rösch und Co.: Deutsche Athleten in neuen Farben

Johann Mühlegg startete 2002 für Spanien.
Johann Mühlegg startete 2002 für Spanien.ČTK / AP

Skirennläuferin Lara Markthaler ist in München geboren, doch bei Olympia in Cortina d'Ampezzo startet sie für Südafrika. Vor ihr gingen schon weitere, weitaus prominentere Athleten aus Deutschland für ihren Traum von Olympia neue Wege.

LARA MARKTHALER: Der 15. Februar wird für Lara Markthaler in diesem Jahr ein Feiertag im doppelten Sinne: Die gebürtige Münchnerin wird 19 Jahre alt - und feiert ihre Olympia-Premiere im Riesenslalom. Aber nicht im DSV-Anzug sondern für Südafrika, vor allem aus formellen Gründen.

"Würde ich für Deutschland fahren wollen, müsste ich ins deutsche Schulsystem wechseln, ans Ski-Internat in Berchtesgaden", sagte sie der Süddeutschen Zeitung. Doch das passt nicht recht zu dem mobilen Lebensmodell ihrer Familie. Zeitweise lebte Markthaler auch in Kanada und in Italien - nun in Österreich. Ihren großen Moment wird sie in Cortina d' Ampezzo erleben.

JOHANN MÜHLEGG: Auch der im bayrischen Marktoberdorf geborene Langläufer sorgte im Zeichen der Ringe für Aufsehen. 1998 wurde er vom Deutschen Skiverband (DSV) nach anhaltenden Querelen ausgeschlossen. Mühlegg startete danach als "Ällgau-Torero" oder "Don Juanito" für Spanien - und sorgte für einen riesigen Doping-Skandal.

2002 rannte er bei den Winterspielen in Salt Lake City alles in Grund und Boden, siegte im Skiathlon, über 30 Kilometer und über 50 Kilometer - danach wurde er von den Doping-Kontrolleuren überführt. "Dabei hätte er gar nicht dopen müssen, so überlegen war er", sagte einst Ex-Bundestrainer Jochen Behle. Mühlegg verlor schließlich seine Goldmedaillen und wurde für zwei Jahren gesperrt.

Rösch verlängert Karriere in Belgien

MICHAEL RÖSCH: 2006 in Turin gelang dem Sachsen der große Coup - Gold mit der deutschen Staffel bei den Winterspielen in Turin. Der Biathlet aus Pirna galt fortan als "Kronprinz" der Generation um Ricco Groß und Sven Fischer, konnte die Hoffnungen letztlich aber nicht erfüllen.

Nach schwachen Ergebnissen wurde Rösch vom DSV nicht mehr für die höchste Ebene eingeplant - und entschloss sich 2012 zum Nationenwechsel. Doch der zog sich hin. Erst 2018 in Pyeongchang erfüllte sich der Traum des heutigen Eurosport-Experten von einer erneuten Olympiateilnahme. Mit Belgien.

MICHAEL MÖLLINGER: Einen Umweg musste auch Michael Möllinger nehmen, um an sein olympisches Ziel zu gelangen. Denn erst nach seinem Zerwürfnis mit dem DSV inklusiver viel diskutierter "Hungerdiktat"-Vorwürfe nahm der Olympiatraum des Skispringers Formen an.

Dank seiner Schweizer Mutter Brigitte erhielt Möllinger die eidgenössische Staatsbürgerschaft und startete ab der Saison 2004/05 für das Nachbarland. Mit Erfolg. Zwei nationalen Meistertiteln folgte die Nominierung für die Olympischen Winterspiele 2006 in Turin. Möllinger erreichte jeweils Platz 13 in den Einzelwettbewerben, ehe ihn eine schwere Knieverletzung im Alter von 27 Jahren zum Rücktritt zwang.

STEFAN RAAB: Den Entertainer in eine Liste von Olympia-Athleten aufzunehmen, ist ein Stück weit abenteuerlich. Allerdings plante auch Raab einst seinen Start bei dem Großevent in Salt Lake City 2002 per Nationenwechsel - scheiterte aber mit seinem Vorhaben.

Der Kölner wollte für Moldawien im Langlauf starten, doch das Land winkte deutlich ab. "Herr Stefan Raab ist kein Bürger der Republik Moldawien", teilte die Botschaft Moldawiens 2001 mit. Deshalb könne Raab auch kein Mitglied des moldawischen Olympiateams sein. Ohnehin hätte Raab die Teilnahme-Voraussetzungen nicht erfüllt.