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"War zurecht wütend": Evenepoel schießt gegen Florian Lipowitz – Aldag wird deutlich

Aktualisiert
Lipowitz ist auf Evenepoels Zielscheibe geraten
Lipowitz ist auf Evenepoels Zielscheibe geratenČTK / imago sportfotodienst / Fotoreporter Sirotti Stefano

Erste Risse im Mannschaftsgefüge bei Red Bull-Bora-hansgrohe? Radstar Remco Evenepoel hat im Anschluss an die sechste Etappe der Tour de France deutliche Kritik an seinem Teamkollegen Florian Lipowitz geäußert. "Ja, ich war wütend, und das zurecht", sagte Evenepoel im Ziel in Gavarnie-Gèdre dem belgischen Portal Sporza.

Die beiden Fahrer von Red Bull hatten den Zielort am Donnerstag gemeinsam mit einer mehrköpfigen Gruppe erreicht. Remco Evenepoel hätte sich im Zielsprint dabei mehr Unterstützung von Florian Lipowitz erhofft.

"Ich hatte um einen Lead-out gebeten und ihn nicht bekommen", sagte er. "Bei der Katalonien-Rundfahrt bin ich 30 Kilometer lang für ihn an der Spitze gefahren. Ich bat ihn darum, einen Kilometer lang die Führungsarbeit zu übernehmen, aber das ging nicht. Das hat mich wütend gemacht und muss heute Abend gründlich besprochen werden."

In der Tat hatte sich Evenepoel bei der Katalonien-Rundfahrt im März in den Dienst von Lipowitz gestellt und diesem geholfen, seinen dritten Gesamtrang zu verteidigen. Die nun geäußerte öffentliche Kritik an seinem Teamkollegen dürfte dennoch nicht im Sinne des deutschen Rennstalls gewesen sein.

Unterschiedliche Aussagen

Lipowitz hingegen hatte nach Etappenende in der ARD positive Worte über die Zusammenarbeit verloren. "Die Team-Performance war heute top", sagte er nach dem Pyrenäen-Showdown, bei dem Tadej Pogacar zurück ins Gelbe Trikot gestürmt war.

Laut Red-Bull-Teamchef Ralph Denk haben sich die Co-Kapitäne längst vertragen. "Die beiden Jungs haben darüber gesprochen. Da ist jetzt nichts Großes. Die haben vereint beim Essen gesessen und gelacht", sagte Denk im Team-Podcast: "Das Thema wird größer gemacht, als es in Wirklichkeit war." Für Denk sei "ein bisschen Uneinigkeit, eine Sprachbarriere" dafür verantwortlich gewesen, "aber auch im Eifer des Gefechts. Das war nach einer 180-km-Bergetappe".

Schon während des Rennens war zu sehen gewesen, wie Evenepoel immer wieder auch mit Konkurrenten in der Verfolgergruppe gesprochen und vehement versucht hatte, diese zur Mitarbeit in der Führung zu bewegen. Auch mit dem französischen Toptalent Paul Seixas (19) sprach der Belgier.

Der Doppel-Olympiasieger, den Red Bull vor der Saison teuer verpflichtet hatte, und der letztjährige Tour-Dritte Lipowitz teilen sich nach Team-Angaben zumindest in der Anfangsphase der Rundfahrt die Kapitänsrolle.

Aldag wird deutlich

Rolf Aldag, bis 2025 Sportlicher Leiter beim deutschen Rennstall, übte im Anschluss der siebten Etappe der Tour de France deutliche Kritik an Evenepoel. "Wir sind uns alle einig: Sowas gehört einfach nicht in die Öffentlichkeit. Wenn das seine Meinung ist, geht er zu Florian und bespricht es", sagte Aldag bei Eurosport.

Auch inhaltlich war der 57-Jährige anderer Meinung als der belgische Doppel-Olympiasieger. "Wie kommt der denn auf die Idee zu sagen: Ich will, dass er jetzt für mich anfährt? Kann er ja denken, aber es ist halt die Entscheidung vom Sportlichen Leiter. Da sitzen vier bei der Tour de France, die Taktik machen", führt Aldag aus: "Das finde ich das Schwierige."

Florian Lipowitz (rechts) und Remco Evenepoel bei der Teamvorstellung vor der Tour
Florian Lipowitz (rechts) und Remco Evenepoel bei der Teamvorstellung vor der TourFoto von JASPER JACOBS / BELGA MAG / BELGA VIA AFP

Am Freitag versuchten alle Beteiligten dann die Wogen zu glätten. Sowohl Lipowitz als auch Evenepoel erklärten das Thema für abgehakt. "Das ist bei uns kein Thema mehr. Alle haben sich lieb und wir fokussieren uns auf Racing", sagte auch Teammanager Ralph Denk im mannschaftseigenen Podcast.

Aldag glaubt dennoch, dass Evenepoels Aktion nachwirken könnte. "Was es ausgelöst hat, bei deutschen Fans, bei belgischen Fans ist, dass jetzt sehr kritisch darauf geschaut wird", mutmaßte der Ex-Profi. "Das braucht man ja nicht im Team. Deswegen war es absolut unnötig von Remco." Dennoch, so Aldag, sei die Situation aber "auch nicht so dramatisch und katastrophal wie wir es teilweise interpretieren".

Tour de France 2026

Am 4. Juli beginnt die Tour de France 2026 im spanischen Barcelona. 3.321,2 Kilometer und 22 Tage später – am 26. Juli – kommen die Fahrer der 18 Teams traditionell in Paris an. Bei Flashscore findest du alle Informationen zur berühmtesten Radrundfahrt der Welt.

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Eine Zieleinfahrt der Tour de France
Eine Zieleinfahrt der Tour de FranceMarco BERTORELLO / AFP / AFP / Profimedia