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Zverev gegen den "amerikanischen Traum": Noch ein Schritt zum zweiten Titel

Zverev gegen den "amerikanischen Traum": Noch ein Schritt zum zweiten Titel
Zverev gegen den "amerikanischen Traum": Noch ein Schritt zum zweiten TitelIMAGN IMAGES via Reuters

Alexander Zverev macht sein drittes Grand-Slam-Finale in Folge perfekt. Im Endspiel der US Open erwartet ihn am Sonntag allerdings mehr als nur ein Spieler auf der anderen Seite des Netzes.

Alexander Zverev hat mit der Mutter aller Niederlagen seinen Frieden gemacht. 2020 in New York, als ihn gegen Dominic Thiem nur zwei Punkte von seinem ersten Grand-Slam-Titel trennten - und ihm der Siegerpokal noch aus den Fingern glitt. Diese Pleite, räumte Zverev am Freitag im Bauch des Arthur Ashe Stadiums ein, habe Spuren hinterlassen, und zwar lange: "Bis ich in Paris gewonnen habe."

Seitdem hat Zverev allerdings umso nachdrücklicher bewiesen, worauf Wohlgesonnene gehofft hatten: Mit dem Triumph im Juni in Roland Garros könnte der Knoten bei ihm platzen. Sie behielten recht. Nach seiner Finalpremiere in Wimbledon hat der Hamburger nun die nächste dicke Chance auf einen Majortitel: bei den US Open, gegen einen US-Amerikaner und damit gegen das größte Tennisstadion der Welt.

Alexander Zverev zeigt Humor

Zverev nimmt diese Konstellation mit Humor. "Nun ja, hoffentlich kann ich den amerikanischen Traum am Sonntag verhindern", sagte er verschmitzt am Stadionmikrofon nach dem 6:3, 7:6 (9:7), 7:6 (8:6) im Halbfinale gegen den Russen Karen Chatschanow.

Das Selbstvertrauen ist groß beim deutschen Tennisstar, dem nach Jahren des (Selbst-)Zweifels eine bemerkenswerte Saison geglückt ist. Nicht mal Boris Becker erreichte drei Grand-Slam-Endspiele in Folge. Und: Bislang nur Becker, der ewige Maßstab, gewann als deutscher Mann zwei der großen Turniere in einem Kalenderjahr (Wimbledon und US Open 1989).

Auf dem Papier hat Zverev allerbeste Karten am Sonntag (20.00 Uhr/Sky und Sporteurope.tv) gegen Ben Shelton, gegen den er alle fünf bisherigen Duelle gewann. Der 29-Jährige warnte dennoch vor seinem Gegner, der fast 24.000 Zuschauer hinter sich weiß. Immerhin wartet die Tennis-Nation USA seit Andy Roddicks Heimerfolg 2003 auf einen Majorsieger im Männereinzel. Linkshänder Shelton, triumphaler Bezwinger von Titelverteidiger Carlos Alcaraz, sei "ein großer, kraftvoller Typ", betonte Zverev: "Gewaltiger Aufschlag, gewaltige Grundschläge. Alles, was er macht, ist einfach wuchtig."

Zverev: "'Vielleicht hat Gott dieses Jahr gesagt: Das wird dein Jahr, genieße einfach die Zeit auf dem Platz.'" 

Zverev aber, das ist spürbar, hat seine Mitte gefunden. Der Coup von Paris hat ihm Ruhe verliehen, nach zwei schwachen Matches zum Auftakt der US Open folgten vier glatte Dreisatzsiege. "Manchmal laufen die Dinge einfach für einen", beschrieb Zverev: "Ich hatte bei den Majors oft zu kämpfen und war so oft ganz nah dran." Und dann mutmaßte er: "'Vielleicht hat Gott dieses Jahr gesagt: Das wird dein Jahr, genieße einfach die Zeit auf dem Platz.' Und ich genieße es."

Genießen will Zverev auch die Atmosphäre. Randvolle Tribünen und reichlich Stimmung seien ihm lieber als die sterile Leere des Corona-Turniers 2020. Ob die Fans gegen ihn sind oder nicht, es werde "ein fantastisches Gefühl sein", freut sich Zverev, der ganz nebenbei mit dem Turniersieg auch Rang eins in der Weltrangliste ernsthaft ins Blickfeld nehmen würde.

Branchenprimus Jannik Sinner schließlich hatte seine US-Open-Teilnahme wegen Beschwerden im rechten Knie abgesagt, seit seinem Wimbledon-Finalsieg über Zverev im Juli hat der Italiener kein Match bestritten, zu seiner Fitness gibt es kein Update. Sinner hat bis zum Ende der Saison noch mehr als 3500 Ranglistenpunkte zu verteidigen, Zverev nur rund 1000. Triumphiert der Deutsche am Sonntag, rückt er auf 1810 Zähler heran.