Zinédine Zidane drehte sich plötzlich um, lief energisch auf Marco Materazzi zu und rammte dem Italiener mit voller Wucht seinen Kopf gegen die Brust. Frankreichs Nationalheld flog mit Rot vom Platz, das WM-Finale ging verloren - und sein Denkmal bekam im letzten Karrierespiel einen dicken Kratzer. Gut 20 Jahre später holen den neuen Trainer der Équipe Tricolore ausgerechnet bei seiner Heimpremiere die bösen Geister der Vergangenheit ein.
Kopfstoß kostete Frankreich den WM-Titel
Mit Les Bleus trifft Zidane am Freitag (20.45 Uhr/DAZN) im Stade de France auf Italien, unweigerlich kommen Erinnerungen an den berühmtesten Kopfstoß der Fußball-Geschichte hoch. Es war der 9. Juli 2006, als der irrsinnig elegante Spielmacher eigentlich mit der WM-Trophäe in den Händen abtreten wollte. Doch nach einem Wortgefecht mit Italiens Verteidiger Materazzi verlor der Franzose in der 10. Minute die Nerven - und sein Team infolge der Tätlichkeit im Elfmeterschießen das Spiel.
Zum Match-Center: Frankreich vs. Italien
Doch so wollte der mittlerweile 54-Jährige sein ruhmreiches Kapitel in der Nationalmannschaft keinesfalls schließen. "Ich will nicht, dass es so endet", hatte Zidane bereits vor einigen Jahren beteuert. Auch deshalb kehrte er nun als Nationaltrainer zurück - und feierte mit seinem Starensemble in den ersten beiden Spielen in der Nations League gleich zwei Siege. Das Heimdebüt ist angesichts der Vorgeschichte allerdings emotional aufgeladen.
Materazzi berichtete von einem Friedensgipfel
Zu tief sitzt der Schmerz aus dem Jahr 2006. "Ich bitte den Fußball, seine Fans und die Mannschaft um Verzeihung, aber niemals Materazzi. Das würde mich entehren. Lieber würde ich sterben!", sagte Zidane im März 2010 der spanischen Zeitung El Pais, Materazzi habe schließlich seine Schwester beleidigt. "Er hat in mir etwas ausgelöst, als er über Lila sprach", erzählte Zidane rückblickend: "In diesem Moment war ich zerbrechlich. Und dann machst du Sachen, die du nicht tun solltest."
Materazzi berichtete von einem Friedensgipfel, als sich die beiden Kontrahenten im November 2010 zufällig in einem Mailänder Hotel begegnet waren. "Ich habe mehr geredet als er", sagte der heute 53-Jährige, der sich wiederholt öffentlich mit der Provokation des Platzverweises gebrüstet hat: "Am Schluss reichte er mir die Hand, und ich habe sie solange gehalten, bis er mir direkt in die Augen geschaut hat. Das war das, was ich wollte. Für mich war es ein schöner Augenblick."
Zidane bestätigte eine Versöhnung öffentlich nicht, ohnehin redet er nicht gerne über seinen Ausraster. "Ich bin absolut nicht stolz auf das, was ich getan habe", sagte er in einem Interview mit Telefoot zu seinem 50. Geburtstag, "aber es ist nunmal Teil meiner Vergangenheit." Diese versucht er am Freitagabend in Saint-Denis auszublenden, um als Trainer an einer glorreichen Zukunft mit Les Bleus zu arbeiten.
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