Nun ist also alles entschieden: Sturm Graz, Salzburg, LASK, Austria Wien, Rapid und Hartberg stehen in der Meistergruppe. WSG Tirol, Altach, Ried, der WAC, der GAK und Blau-Weiß Linz werfen sich in der Qualifikationsgruppe in den Kampf gegen den Abstieg. Rapid berief sich dafür auf Tugenden aus dem Sommer. Ried und die WSG mussten den Traum von der Meistergruppe hingegen begraben.
Der LASK hat sich vom Rückschlag gegen Salzburg längst erholt und siegte wieder souverän gegen den WAC. Austria-Fans nahmen auf mehreren Ebenen die falsche Ausfahrt. Und zum Abschluss lohnt sich noch ein genauer Blick auf den TSV Hartberg, der sich im Schatten der strauchelnden Großen mit einer stabilen Serie den Einzug in die Meistergruppe sichern konnte.
Das alles ergibt nach dem letzten Spieltag des Grunddurchgangs wieder mehrere Tops und Flops, die wir uns der Reihe nach ansehen.
TOP – Rapid fast wie zu Saisonbeginn
Ein vorsichtiges Spiel. Ein entscheidendes Tor von Antiste. Jubel über einen knappen, dreckigen Sieg. Das klingt nach Rapid im Sommer 2025 unter Peter Stöger – passiert ist es aber am letzten Spieltag des Grunddurchgangs im Heimspiel gegen Salzburg. Damit stehen die Wiener am letzten Drücker doch noch in der Meistergruppe.
Dass es am Ende ein 1:0 gegen Red Bull Salzburg wurde, lag allerdings weniger an spielerischer Dominanz als an Disziplin, Geduld und einem wieder erstarkten Niklas Hedl im Tor. Salzburg hatte über weite Strecken das Kommando, erspielte sich mehrere hochkarätige Chancen, scheiterte aber immer wieder am Rapid-Schlussmann oder an der eigenen Effizienz.
Rapid selbst kam offensiv kaum zur Entfaltung. Der entscheidende Moment entstand beinahe aus dem Nichts: Janis Antiste, nach dem vertraglichen Hin und Her mit Sassuolo erstmals seit langer Zeit wieder in der Startelf, traf nach Vorarbeit des viel gescholtenen Tobias Gulliksen zur Führung. Ein abgefälschter Schuss wurde zum goldenen Treffer. Zwei Spieler, die perfekt zu einem Sportbericht-Klassiker passen: Ausgerechnet Gulliksen und ausgerechnet Antiste.
Danach verteidigte Rapid mit großer Konsequenz. Die improvisierte Fünferkette hielt dicht, Salzburg rannte an, fand aber keine Lücke mehr. „Wir wussten, dass wir viele Momente haben werden, in denen wir hart arbeiten und viel verteidigen müssen“, erklärte Trainer Johannes Hoff Thorup. Genau das setzte seine Mannschaft um.
FLOP – Ried und WSG verpassen die Meistergruppe
Bis zum letzten Spieltag durften sowohl die SV Ried als auch die WSG Tirol noch auf den Einzug in die Meistergruppe hoffen. Am Ende blieb für beide nur die Erkenntnis, dass die entscheidenden Schritte in den Wochen davor verpasst worden waren.
Ried hatte es im Heimspiel gegen die Austria sogar noch selbst in der Hand – zumindest theoretisch. Doch der Aufsteiger blieb auch im fünften Spiel in Folge ohne Sieg und verlor mit 0:2. Abubakr Barry brachte die Wiener nach der Pause in Führung, Aleksandar Dragovic legte per Kopf nach. „Die letzten Spiele im Frühjahr waren nicht gut genug für das obere Play-off“, räumte Ried-Coach Maximilian Senft ein. Damit rutschten die Innviertler endgültig aus den Top Sechs und müssen sich nun stärker auf den Abstiegskampf konzentrieren.
Die WSG Tirol erfüllte ihre Pflicht sportlich zwar, der 2:0-Heimsieg gegen den GAK war verdient. Doch der Blick auf die Parallelspiele machte schnell klar, dass es nicht reichen würde. „Ja, es ist enttäuschend“, sagte Torschütze David Kubatta nach dem Schlusspfiff. Die Tiroler verpassen die Meistergruppe knapp und müssen erneut in die Qualifikationsgruppe.
TOP – LASK mit starker Form in die Meistergruppe
Der LASK geht mit viel Selbstvertrauen in die entscheidende Phase der Saison. Mit dem 3:1-Heimsieg gegen den WAC bestätigten die Linzer ihre starke Form und brachten sich kurz vor der Punkteteilung in eine vielversprechende Ausgangsposition für das Titelrennen.
Nach der Halbierung der Punkte beträgt der Rückstand auf Tabellenführer Sturm Graz nur einen Zähler. Zusätzlich haben die Oberösterreicher den Vorteil des Sternchens. Bei Punktegleichheit wären sie vorgereiht. Die Ausgangslage könnte für einen Angriff auf die Spitze kaum spannender sein.
Trainer Dietmar Kühbauer sieht darin vor allem den Beginn der wirklich heißen Saisonphase: „Jetzt hat man in der Bundesliga genau dieses Kribbeln.“ Gleichzeitig warnt der Coach davor, sich auf der bisherigen Leistung auszuruhen. In der Meistergruppe müsse man „definitiv besser spielen“, weil die Luft nun deutlich dünner werde.
Auch innerhalb der Mannschaft ist die Vorfreude spürbar. „Natürlich strebt jedes Team danach“, meinte Torschütze Samuel Adeniran mit Blick auf mögliche Meisterträume. Torhüter Lukas Jungwirth betonte hingegen die Basis des Erfolgs: guter Fußball und Konstanz.
FLOP – Austria-Fans besuchen Jürgen Werner daheim
Der sportliche Erfolg der Wiener Austria wurde am Wochenende von unschönen Bildern abseits des Rasens überschattet. Rund 150 Fans machten vor dem Auswärtsspiel in Ried einen Zwischenstopp in Wels – genauer gesagt beim Wohnort von Jürgen Werner.
Dort entrollten sie ein Transparent, verteilten Flugblätter an Anrainer und inszenierten eine Protestaktion vor dem Haus des Investors. Auf Videos ist zu sehen, wie Geldscheine aus einer Spielzeugpistole über die Mauer geschossen wurden. Die Aktion richtete sich klar gegen Werner und seine Rolle im seit Monaten schwelenden Machtkampf rund um den Verein.
Kritik, Protest und klare Meinungen gehören zum Fußball. Wenn Aktionen jedoch den privaten Lebensbereich betreffen und persönliche Drohkulissen entstehen, ist eine Grenze überschritten. Genau das ist in diesem Fall passiert. Und vor allem: Lasst doch die anderen Anrainer dort in Ruhe.
TOP – Hartberg: Im Schatten der strauchelnden Großen in der Meistergruppe
Während sich einige der großen Namen der Liga zuletzt schwer taten, hat sich der TSV Hartberg still und konstant in die Meistergruppe gespielt. Das 1:1 gegen Blau-Weiß Linz reichte den Steirern, um den Einzug in die Top Sechs zu fixieren und das bereits zum dritten Mal in der Klubgeschichte.
Die Qualifikation ist kein Zufall. Hartberg präsentiert sich seit Wochen als eines der stabilsten Teams der Liga. Seit sieben Spielen sind die Steirer ungeschlagen, insgesamt gab es in den letzten 14 Partien nur eine Niederlage. Eine Serie, die in Hartberg historisch ist.
Entsprechend groß ist die Zuversicht im Team. „Man muss uns schon am Zettel haben“, sagte Tobias Kainz nach dem Spiel – und brachte damit die neue Rolle der Hartberger auf den Punkt. Während andere Teams mit Erwartungen kämpfen, kann Hartberg ohne großen Druck angreifen.
