ARD erhält Unterlassungserklärung von DESG – Vorwürfe beschäftigen Bundestag

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Verbandspräsident Matthias Große steht unter Druck
Verbandspräsident Matthias Große steht unter DruckČTK / DPA / Christophe Gateau

Die ARD hat angesichts der jüngsten Berichterstattung zur Deutschen Eisschnelllauf-Gemeinschaft (DESG) eine Unterlassungserklärung vom Verband erhalten. Das bestätigte ARD-Sportkoordinator Axel Balkausky am Freitag dem SID, "die genauen Inhalte unterliegen der Vertraulichkeit." Die ARD werde die Unterlagen nun umgehend kritisch prüfen.

Die ARD hatte während der Olympischen Winterspiele über vermeintliche Missstände innerhalb des Verbands berichtet und sich dabei auf betroffene Athleten berufen. Am Donnerstag wies DESG-Präsident Matthias Große diese Vorwürfe umfänglich zurück und kündigte bereits juristische Schritte an. "Leute, die mich denunzieren und meinen Verband auf die Schlachtbank führen, mit denen teile ich nur noch den Gerichtssaal", sagte der 58-Jährige in Berlin.

Die beiden Journalisten, in deren Berichterstattung die Vorwürfe transportiert worden waren, wurden per Hausverbot am Besuch der Pressekonferenz gehindert. Die ARD, das Präsidium des Verbandes Deutscher Sportjournalisten (VDS) und auch der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) bemängelten dies als Eingriff in die Pressefreiheit. In der kommenden Woche werden die Vorwürfe gegen die DESG auch den Sportausschuss des Deutschen Bundestags beschäftigen.

"Ein Bild, das viele Fragen aufwirft"

Die Anschuldigungen gegen die DESG werden auch verstärkt zum Thema für die Bundespolitik. "Den durch Journalisten und Athleten erhobenen Vorwürfen gegenüber dem Verband muss sorgfältig nachgegangen werden", forderte Bettina Lugk als Sprecherin für Sport und Ehrenamt der SPD-Bundestagsfraktion in einer Reaktion auf eine SID-Anfrage an die Sportausschuss-Vorsitzende Aydan Özoguz.

"Der Ausschluss kritischer Journalisten von einer Pressekonferenz ist inakzeptabel und widerspricht den Prinzipien der Pressefreiheit", sagte Lugk: Die Berichterstattung zeichne "ein Bild, das mich deutlich irritiert und viele Fragen aufwirft."

Lugk stellte vor dem Hintergrund, dass die DESG öffentliche Fördergelder erhalte, klar: "Grundsätzlich gilt für uns: Die Athletinnen und Athleten müssen im Zentrum der Sportpolitik stehen. Wenn sie Missstände benennen, müssen wir diese Hinweise ernst nehmen und sicherstellen, dass sie ohne Druck ihre Perspektive äußern können."