Die ATP Finals bilden traditionell den Schlusspunkt der Saison und sind eines der exklusivsten Turniere im Profisport. Nur die erfolgreichsten Spieler der ATP-Tour erhalten eine Einladung – entsprechend hochklassig ist das Niveau, entsprechend groß das Spektakel für die Fans.
Das Format unterscheidet sich deutlich von allen anderen Turnieren der Tour. Zunächst wird eine Vorrunde im Gruppenmodus gespielt, ehe es in Halbfinale und Finale im K.-o.-System um den Titel geht. Die acht Qualifikanten werden in zwei Vierergruppen gelost. Innerhalb dieser Gruppen tritt jeder Spieler einmal gegen jeden an. Die beiden besten Akteure jeder Gruppe qualifizieren sich für das Halbfinale, bevor am letzten Turniertag der Sieger im Endspiel ermittelt wird. Das gleiche Format gilt auch für den Doppelwettbewerb.
Wer qualifiziert sich für die ATP Finals?
Grundlage für die Teilnahme ist das sogenannte "ATP Race to Turin". Die sieben bestplatzierten Spieler dieser Jahreswertung sind automatisch qualifiziert. Ein achter Startplatz ist für einen amtierenden Grand-Slam-Sieger reserviert, sofern dieser beim Stichtag zwischen Rang acht und 20 geführt wird. Sollte kein Major-Champion außerhalb der Top sieben stehen, rückt automatisch der Achtplatzierte nach. Zusätzlich stehen zwei Ersatzspieler bereit, die während der Round-Robin-Phase bei Verletzungen einspringen können.
Das Punktesystem des ATP Race berücksichtigt ausschließlich die 19 besten Resultate eines Spielers bei Turnieren unterschiedlicher Kategorie und Wertigkeit. Dadurch bleibt Raum für Ausrutscher – Konstanz auf höchstem Niveau ist jedoch unerlässlich, um sich einen der begehrten Plätze zu sichern.
Preisgeld
Auch finanziell gehören die ATP Finals zu den attraktivsten Turnieren im Tennis. Das Gesamtpreisgeld belief sich im 2025 Jahr auf 15,5 Millionen US-Dollar (rund 13,2 Millionen Euro) – ein Plus von 250.000 Dollar im Vergleich zur Vorsaison.
Der ungeschlagene Titelverteidiger Jannik Sinner strich insgesamt 4.881.100 Dollar ein – die zweithöchste Auszahlung in der Turniergeschichte. Höher dotiert waren zuletzt lediglich die Titelprämien bei den US Open 2025, als Carlos Alcaraz und Aryna Sabalenka jeweils fünf Millionen Dollar erhielten.
Sollte es einem Einzelspieler gelingen, das Turnier ohne Niederlage zu gewinnen, überschreitet sein Preisgeld sogar die Fünf-Millionen-Dollar-Marke. Zusätzlich winken 1.500 Weltranglistenpunkte – ein gewaltiger Schub zum Saisonabschluss.
Im Doppel fallen die Prämien deutlich geringer aus, auch wenn die Sieger die gleiche Punktzahl erhalten. Das deutsche Duo Kevin Krawietz und Tim Pütz, das im Jahr 2024 triumphierte, verdiente gemeinsam weniger als eine Million Dollar.
Die Geschichte der ATP Finals
Seit fünf Jahren wird das Turnier im Palasport Olimpico in Turin ausgetragen – daher auch der Name "Race to Turin". Die moderne Geschichte der ATP Finals reicht jedoch deutlich weiter zurück. Premiere feierte das Event 1970 unter dem Namen "Masters Grand Prix" als Teil des Grand-Prix-Zirkels der damaligen International Lawn Tennis Federation. Obwohl die Weltelite am Start war, wurden zunächst keine Weltranglistenpunkte vergeben. Der erste Einzelsieger war Stan Smith, der zuvor an der Seite von Arthur Ashe auch im Doppel triumphiert hatte.
Parallel existierten über viele Jahre die konkurrierenden WCT Finals, ehe die ATP 1990 die Kontrolle übernahm und mit den "ATP Tour World Championships" ein einheitliches Saisonfinale etablierte. Zwischenzeitlich wurde mit dem Grand Slam Cup ein alternatives Format ausprobiert, das jedoch nur neun Jahre Bestand hatte. Einziger Mehrfachsieger war Pete Sampras.
Mit dem "Tennis Masters Cup" begann um die Jahrtausendwende die Ära des heutigen Formats. Das Turnier gastierte in verschiedenen Metropolen, ehe es 2009 als "ATP Tour Finals" in der Londoner O2 Arena eine feste Heimat fand. Später wurde der Name auf "ATP Finals" verkürzt. Insgesamt 2,5 Millionen Zuschauer besuchten das Event in London, ehe es 2021 nach Turin verlegt wurde.
Im vergangenen Jahr setzte sich erneut Jannik Sinner im Einzel durch, während Henry Patten/Harri Heliovaara im Doppel triumphierten.
Die Hegemonie von Federer und Djokovic
Die jüngere Geschichte der ATP Finals ist eng mit zwei Namen verbunden: Roger Federer und Novak Djokovic. Djokovic hält mit sieben Titeln den Rekord, Federer folgt mit sechs Erfolgen – wenngleich der Schweizer insgesamt mehr Matches bei diesem Turnier gewann als jeder andere Spieler.
Djokovic
Seinen ersten Titel holte Djokovic 2012 in Shanghai gegen Nikolay Davydenko. Zwischen 2012 und 2015 dominierte er das Turnier mit vier Triumphen in Folge, unter anderem gegen Federer und einmal gegen Rafael Nadal, der trotz seiner außergewöhnlichen Karriere nie die ATP Finals gewinnen konnte.
Später musste Djokovic Rückschläge gegen Andy Murray und Alexander Zverev hinnehmen, ehe er in Turin zwei weitere Titel gewann. Mit 36 Jahren wurde er dort zum ältesten Champion der Turniergeschichte.
Federer
Federer feierte seinen ersten Triumph 2003 in Houston mit einem Finalsieg gegen Andre Agassi. Insgesamt gewann der Schweizer sechs Titel und prägte eine Ära – auch wenn ihm ein siebter Erfolg verwehrt blieb, mehrfach scheiterte er an Djokovic.
Im Doppel dominierten über Jahrzehnte amerikanische Partnerschaften. John McEnroe und Peter Fleming gewannen sieben Titel in Folge. Später schrieb Mike Bryan gemeinsam mit seinem Zwillingsbruder Bob Bryan Geschichte. Insgesamt 22 Grand-Slam-Titel und mehrere ATP-Finals-Siege unterstreichen ihre Ausnahmestellung.
Next Gen ATP-Finale
Seit 2017 ergänzen die Next Gen ATP Finals den Kalender. Das Turnier bietet den besten Spielern unter 20 Jahren eine Bühne. Grundlage ist das "ATP Race to Jeddah", eine eigene Jahreswertung für Nachwuchsspieler.
Gespielt wird im gleichen Gruppen- und K.-o.-Modus wie beim Hauptturnier. Zu den wenigen Akteuren, die sowohl das Nachwuchs- als auch das Seniorenturnier gewinnen konnten, zählen Stefanos Tsitsipas und erneut Sinner. Angesichts der wachsenden Qualität der jungen Generation dürfte es nur eine Frage der Zeit sein, bis weitere Talente in ihre Fußstapfen treten – und die Geschichte der ATP Finals um neue Kapitel bereichern.
2017 wurden die Next Gen ATP Finals in den jährlichen Tenniskreislauf aufgenommen. Das Turnier wurde entwickelt, um den besten jungen Stars der Tour eine Plattform zu bieten, auf der sie ihr Können unter Beweis stellen können, während sie in einem ausgewogenen, kompetitiven Umfeld um den Gewinn von Silberware kämpfen. Ursprünglich war das Turnier für Spieler unter 21 Jahren offen, doch diese Altersgrenze wurde vor der Saison 2024 auf 20 Jahre gesenkt.
Alle Sieger der ATP Finals
2025: Jannik Sinner
2024: Jannik Sinner
2023: Novak Djokovic
2022: Novak Djokovic
2021: Alexander Zverev
2020: Daniil Medwedew
2019: Stefanos Tsitsipas
2018: Alexander Zverev
2017: Grigor Dimitrov
2016: Andy Murray
2015: Novak Djokovic
2014: Novak Djokovic
2013: Novak Djokovic
2012: Novak Djokovic
2011: Roger Federer
2010: Roger Federer
2009: Nikolaj Dawydenko
2008: Novak Djokovic
2007: Roger Federer
2006: Roger Federer
2005: David Nalbandian
2004: Roger Federer
2003: Roger Federer
2002: Lleyton Hewitt
2001: Lleyton Hewitt
2000: Gustavo Kuerten
Sieger im Doppel
2025: Henry Patten/Harri Heliovaara
2024: Kevin Krawietz/Tim Pütz
2023: Rajeev Ram/Joe Salisbury
2022: Rajeev Ram/Joe Salisbury
2021: Pierre-Hugues Herbert/Nicolas Mahut
2020: Wesley Koolhof/Nikola Mektić
2019: Pierre-Hugues Herbert/Nicolas Mahut
2018: Mike Bryan/Jack Sock
2017: Henri Kontinen/John Peers
2016: Henri Kontinen/John Peers
2015: Jean-Julien Rojer/Horia Tecău
2014: Mike Bryan/Bob Bryan
2013: David Marrero/Fernando Verdasco
2012: Marcel Granollers/Marc López
2011: Max Mirnyi/Daniel Nestor
2010: Nenad Zimonjić/Daniel Nestor
2009: Mike Bryan/Bob Bryan
2008: Nenad Zimonjić/Daniel Nestor
2007: Mark Knowles/Daniel Nestor
2006: Jonas Björkman/Max Mirnyi
2005: Michaël Llodra/Fabrice Santoro
2004: Mike Bryan/Bob Bryan
2003: Mike Bryan/Bob Bryan
2002: Turnier abgesagt*
2001: Ellis Ferreira/Rick Leach
2000: Donald Johnson/Piet Norval
