In den zugigen norwegischen Nordlanden, wo grünes Polarlicht am Himmel glimmt und die Sonne blitzschnell untergeht, beginnt für Borussia Dortmund ein Abenteuer der kuriosen Art. Bodö, Berlin, Baku - drei Auswärtsspiele in sieben Tagen und gute 11.000 Flugkilometer stellen den BVB vor eine ganz besondere Herausforderung: Und das längst nicht nur sportlich. Der Trip wird zur Konzentrationsfrage.
Die Mannschaft sei gewarnt durch das, was ihr im letzten Heimspiel gegen den FK Bodö/Glimt widerfahren sei, sagte der neue Klubchef Carsten Cramer dem SID vor dem Abflug in einer Chartermaschine am Dienstag. Nämlich ein enttäuschendes 2:2 trotz zweimaliger Führung, auch diese fehlenden Punkte zwangen den BVB in ein (dann schmählich verlorenes) Playoff-Duell mit Atalanta Bergamo. "Wir wissen um die Stärken des Gegners und die Besonderheiten des Spielortes", betonte Cramer nun, und er versprach eine "gewissenhafte" Vorbereitung.
Herausforderung auf Kunstrasen
Das Ziel am Mittwoch (21.00 Uhr/DAZN) auf dem stumpfen Kunstrasen des 8000-Zuschauer-Stadionkistchens "Aspmyra" kann nur sein, den wertvollen Auftaktsieg gegen den FC Villarreal (3:2) zu bestätigen. Sport-Geschäftsführer Lars Ricken fordert überdies eine Trotzreaktion nach dem verschenkten Bundesliga-Sieg gegen Werder Bremen: "Solche Ausrutscher sollen nicht sein. Wir haben die große Chance, überragend in die Champions League zu starten."
Auch logistisch wird es aufregend. Stadion und Hotel in Bodö liegen zwar direkt neben dem Flughafen, zumindest das erleichtert die Reiseplanung. Aber nach dem Spiel geht es für 25 Stunden zurück nach Dortmund, dann weiter nach Berlin, wo am Samstag das Ligaspiel bei Union zu absolvieren ist. Es folgt ein Hüpfer nach Dortmund, und am Montag geht es schon wieder los, diesmal um 7.30 Uhr Richtung Aserbaidschan zum FK Sabah (Spiel am Dienstag). Und dann? Ist es geschafft. Es folgen zwei Heimspiele.

Richtungsweisende Wochen
Trainer Niko Kovac, der vor seiner Vertragsverlängerung steht, entschied für seine Spieler pro heimisches Bett und gegen Hotelübernachtungen. "Schlafe ich in den eigenen vier Wänden? Auch das ist ein Punkt, den man berücksichtigen muss", betonte er. Also: keine Direktverbindung Berlin-Baku, mehr Flüge, mehr Druck aufs Sitzfleisch, weniger Erholung. Und das inmitten von neun Spielen in rund 30 Tagen bis zur nächsten Länderspielpause.
Kovac sieht diese Spiele als Block, in dem sich Weichen stellen lassen. In der Champions League will der BVB unbedingt direkt das Achtelfinale erreichen, im DFB-Pokal kommt es zur schnellen Revanche gegen Bremen. Und in der Bundesliga naht das alles überschattende Topspiel beim FC Bayern München am 31. Oktober - der Rütteltest für einen BVB, der bisher (bis auf die letzten Minuten des Bremen-Spiels) recht stabil aussah.
Eine Woche später zerstreut sich die Mannschaft schon wieder in alle Winde, was Kovac zuletzt aber mal überhaupt nicht gefallen hat. Ein Rhythmus-Brecher seien diese ständigen Länderspielpausen, in ihrer Länge von zuletzt drei Wochen "total inakzeptabel". Immerhin: Diesmal haben seine Nationalspieler nur jeweils zwei Spiele statt vier zu absolvieren.
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