Der wunderliche Weg des Sabah FK auf Europas größte Bühne begann in gewisser Weise in einem kleinen TV-Studio.
Anfang der 2000er-Jahre, als es den Klub aus Aserbaidschan noch gar nicht gab, nahm Valdas Dambrauskas an der litauischen Ausgabe von "Wer wird Millionär" teil.
"Der glücklichste Cheftrainer der Welt"
Mit dem Gewinn finanzierte er sich anschließend einen Trip nach England, absolvierte dort seine Trainerausbildung – und legte damit den Grundstein für eine Karriere, die nun ihren vorläufigen Höhepunkt erreichte.

Am Dienstagabend, ein Vierteljahrhundert nach seinem Fernsehauftritt, feierte der litauische Coach seinen größten Erfolg, als er den erst vor neun Jahren gegründeten Klub erstmals in die Champions League führte.
Heute sei er "der glücklichste Cheftrainer der Welt", jubelte Dambrauskas, nachdem die Qualifikation nach einem dramatischen Rückspiel gegen Hapoel Beer Sheva (5:2 n.V.) geschafft war. Der Sabah FK sei dazu "das beste Team, das ich in meiner Karriere trainiert habe".
Siegestorschütze in Gladbach ausgebildet
Nach einem 1:2 im Hinspiel sowie zwei Rückständen im zweiten Duell nach folgenschweren Fehlern des Torhüters Stas Pokatilow hatte sich Sabah erst mit dem Treffer zum 3:2 (90.+4) in die Verlängerung gerettet – und da mit deutscher Hilfe den Sprung in die Beletage des europäischen Fußballs perfekt gemacht.
Dort setzte Joy-Lance Mickels, gebürtiger Siegburger und ehemaliger Jugendspieler von Borussia Mönchengladbach, den umjubelten Schlusspunkt.

Hoffnung auf das große Los
Wenn am Donnerstag die Ligaphase ausgelost wird, werden sie beim Sabah FK hoffen, dass Hochkaräter wie Paris Saint-Germain, Real Madrid oder der FC Arsenal bald die lange Reise zum Kaspischen Meer antreten müssen.
"Dass ein neu gegründetes Team in so kurzer Zeit einen derart großen Erfolg erreicht, erfüllt mich mit Freude und Stolz", sagte Aserbaidschans Präsident Ilham Alijew. Als einzigem Team aus Aserbaidschan war bislang Qarabag Agdam die Qualifikation für die Champions League gelungen.
Einzigartige Vereinsgeschichte
Sabahs Weg in die Königsklasse verlief dagegen beinahe in Rekordzeit. Die ungewöhnliche Geschichte des Klubs – der in der Siedlung Masazir, nahe der Hauptstadt Baku, beheimatet ist – nahm 2017 Fahrt auf, als der Unternehmer Yagub Hüseynow den Verein gründete.
Mit finanzieller Unterstützung der Bridge Group of Companies, einer aserbaidschanischen Unternehmensgruppe unter Hüseynows Führung, stieg der Klub nur ein Jahr später in die höchste Liga auf. Dabei half auch, dass andere Vereine keine Lizenz erhielten.
Jahrelang hatte Qarabag Agdam die aserbaidschanische Liga geprägt, Sabah durchbrach die Dominanz aber gleich in Dambrauskas' erster Saison als Chefcoach.
Meister, Pokalsieger und nun die Königsklasse – das Team verdiente sich den größten Erfolg der Klubgeschichte mit sechs Siegen in vier Qualifikationsrunden. Und verdankt ihn nicht zuletzt Dambrauskas – sowie einer Quizshow.
