"Wir sind nicht hier, um herumzualbern", sagte Jonathan Wheatley auf der Bühne, "wir sind bescheiden, wir wissen, wo wir starten - und wo wir hinwollen. Wir wollen Audi zum erfolgreichsten Team der Formel-1-Geschichte machen."
Das war dann doch noch einmal deutlich mehr als das bereits formulierte, ebenfalls ambitionierte Ziel: der Kampf um die WM ab 2030. Die Vorstellung des Boliden, des R26, für Audis Debüt in der Königsklasse war in verschiedener Hinsicht aufsehenerregend - und der Abend im ehemaligen Heizkraftwerk Berlin Mitte beschrieb auch, in welchem Spannungsfeld sich das Team ab dem Saisonstart in Melbourne (8. März) bewegen wird.
Denn so laut die mittelfristigen Pläne verkündet werden, so deutlich sind sie bei Audi auch um Erwartungsmanagement bemüht. Es sei bloß der "Anfang einer sehr langen Reise", sagte Hülkenberg dem SID. Mit "schwierigen Zeiten" und "Rückschlägen" sei zu rechnen, "es wird dieses Jahr auch viele Aufs und Abs geben, es wird bumpy. Aber wir sind hier, um es anzupacken."
Der 38-Jährige bildet weiterhin das Fahrerduo mit dem brasilianischen Toptalent Gabriel Bortoleto (21), weiterhin weil: Audi ist als Werksrennstall zwar "neu", hat für den Einstieg aber das Schweizer Sauber-Team übernommen. Und darin liegt schon eine der Schwierigkeiten. Mehr als ein Jahrzehnt gehörte Sauber zu den schwächsten Teams der Formel 1, es wurde und wird nun unter großem Aufwand zum Titelaspiranten umgebaut. Personell und infrastrukturell tut sich am Standort in Hinwil viel.
Erstes Audi-Ziel: "Lernen, lernen, lernen"
Eine weitere Herausforderung ist die hybride Power Unit, in der ab diesem Jahr der Elektromotor fast 50 Prozent der Leistung ausmacht. Audi hat sie im Motorenwerk in Neuburg selbst gebaut, langfristig ist es ein Wettbewerbsvorteil, wenn Auto und Antrieb aus einer Hand kommen. Zunächst würde ein Rückstand auf die in der Formel 1 erfahrene Konkurrenz um Mercedes und Ferrari aber nicht überraschen.
Es geht also um Arbeitskraft, um Technik, aber auch "um Prozesse", sagte Audis Formel-1-Chef Mattia Binotto, der reichlich Erfahrung von Ferrari mitbringt: "Das geht alles nicht an einem Tag. Normalerweise braucht das fünf bis sieben Jahre." Ab dem Grand Prix in Melbourne gehe es erst einmal darum, zu "lernen, lernen, lernen".
Entsprechend ambitioniert ist also schon die ausgerufene "Mission 2030". Auf dem Weg zum echten Topteam fehle es noch "überall, nur nicht bei der Finanzierung", sagte Binotto lachend, mit einem Blick auf Gernot Döllner, der Audi-CEO saß gleich neben ihm.
Und was, wenn all der Einsatz am Ende doch nicht ans Ziel führt? Nicht jedes Werksteam hatte schließlich Erfolg in der Formel 1 - könnte die Fallhöhe der Marke Audi am Ende sogar schaden? "Klares nein", sagt Döllner, und verweist auf die zahlreichen Siege in anderen Kategorien: "Wir haben Erfahrung, wir wissen, worum es im Rennsport geht, und wir haben einen langfristigen Plan."
Für den Erfolg sei alles in die Wege geleitet. Und doch könnte es erstmal holprig werden.
