Vieles ist noch offen, einiges schon klar. Etwa die Kandidaten. Die großen Metropolen stehen im Fokus der nordamerikanischen Profiliga, und nicht nur die mit etabliertem Basketballteam. "In manchen Städten starten wir komplett bei null", sagte George Aivazoglou, Managing Director der NBA für Europa, im November.
London, Paris, Rom, Madrid, Istanbul, natürlich Berlin und München kommen in Frage. Die NBA hat auch Fußballklubs im Blick, wie Inter und AC aus Mailand. Laut Ingo Weiss, Präsident des Deutschen Basketball Bundes (DBB), ist Borussia Dortmund ebenfalls im Gespräch. Es geht eben wie immer um viel Geld, dadurch um Namen und Strahlkraft, denn beim Milliardenprojekt sind Vermarktungsmöglichkeiten natürlich ein wesentlicher Faktor.
Gespräche noch im Januar?
Noch in diesem Monat soll es laut Medienberichten Gespräche mit potenziellen Interessenten, Investoren und Medienpartnern geben, ein nächster Schritt beim Aufbau der neuen Liga, die gemeinsam mit dem Weltverband FIBA auf den Weg gebracht werden soll.
Welt- und Europameister Franz Wagner, der am Donnerstag (20.00 Uhr/Prime Video) mit Orlando Magic in seiner Heimatstadt Berlin gegen die Memphis Grizzlies antritt, mag die Idee. "Ich glaube, dass das echt möglich ist", sagte der 24-Jährige. Eine NBA Europe wäre für ihn "ein großartiges Beispiel, wie Kulturen zusammenarbeiten können. Und wie man die Stärken zusammenbringt und etwas wirklich Cooles erschafft."
EuroLeague stellt sich quer: Kaum Interesse für Basketball
Zwölf Teams sollen eine feste Lizenz erhalten, vier zusätzliche Plätze über die Champions League, Top-Klub-Wettbewerb der FIBA, und eine Qualifikation vergeben werden. Die privat organisierte EuroLeague, derzeit die Nummer eins in Europa, ist als möglicher Partner raus und wird nach derzeitigem Stand in Konkurrenz zur NBA treten.
"Die EuroLeague hat dreimal ein Angebot bekommen von der NBA, und dreimal hat man das Angebot ausgeschlagen", sagte Weiss zuletzt Münchner Merkur/TZ und übte Kritik. Was derzeit bei der Liga passiere, sei "mit Verlaub gesagt – unter aller Sau".
Seit Jahren stecken EuroLeague und FIBA im Clinch, nun kommen unweigerlich neue Spannungen. Denn ein NBA-Ableger ist auch für EuroLeague-Klubs interessant, allein wirtschaftlich. Es wird spannend sein, wie sich die Teams in den kommenden Monaten entscheiden werden. Dass beide Ligen dauerhaft parallel bestehen und wachsen können, ist nur schwer vorstellbar.
Nowitzki spricht von "toughem Zeitplan"
Dirk Nowitzki findet die Expansionspläne ambitioniert. "Wir haben noch nicht mal irgendwelche Standorte und in anderthalb Jahren soll es losgehen. Also echt Respekt, das ist ein tougher Zeitplan", sagte der deutsche Basketballheld, der seit dieser Saison als Experte bei Prime Video arbeitet, in Berlin. Das Modell "mit Auf- und Absteigen" sei dabei "sehr, sehr wichtig, da basiert ja so ein bisschen unsere europäische Sportkultur drauf."
Wagner sieht eine große Chance. "Was die NBA gut kann, ist Kommerzialisierung und die Sache sogar noch größer zu machen und die Einschaltquoten dorthin zu bringen, wo sie sein sollten", meinte der 24-Jährige, "denn da ist noch viel Raum für Verbesserung."
