Die NBA Play-Offs stehen an und ab dem 18. April beginnt für 16 der 30 Teams die "wahre" Saison. Nach dem letzten Regular-Season-Spiel am 12.04 ziehen die ersten zehn Mannschaften beider Conferences (jeweils 15) in die Postseason ein. Zunächst bestimmen die Plätze 7-10 des Ostens und Westens die letzten beiden letzten Teilnehmer in den Play-In-Spielen. Diese Partien werden seit der Spielzeit 2020 ausgetragen.
Der siebte und achte Platz spielen ein direktes Duell, um den siebten Platz in den Play-Offs. Der Gewinner aus der Partie neun gegen zehn, bekommt dann die Chance, sich mit einem Sieg gegen den Verlierer aus der ersten Partie (7 vs. 8) den letzten Platz in der Postseason zu ergattern. Anders als in den anschließenden Play-Offs handelt es sich hier lediglich um ein einzelnes Spiel.
Im Anschluss zieht das Team, welches zuerst vier Spiele gewinnt (Best-of-7) in die nächste Runde ein.
Erste Titelverteidiger seit 2018?
Seit der Titelverteidigung der Golden State Warriors am Ende der Saison 2017/18 gab es in der NBA keine Mannschaft, der es gelang, den großen Wurf im Folgejahr zu wiederholen. Selten war die Chance auf einen Titelverteidiger in diesem Zeitraum so groß, wie dieses Jahr. Nach dem herausragenden Lauf im vergangenen Jahr, stehen die Oklahoma City Thunder wieder an der Spitze der National Basketball Association.
Angeführt von MVP-Favorit Shai Gilgeos-Alexander, trotzen der aktuelle Meister allen Rückschlägen und Verletzungen. Trotz der langfristigen Ausfälle von Leistungsträgern, gewann die Mannschaft um den deutschen Center Isiaha Hartenstein stolze 61 von 76 Partien. Der Kanadier, der bereits im vergangenen Jahr als bester Spieler der Liga ausgezeichnet wurde, legte dabei 31,6 Punkte, 4,4 Rebounds und 6,5 Assists sowie 2,2 Stocks (Steals+Blocks) auf.
Dicht dahinter lauern jedoch bereits drei weitere Mannschaften, die sich mehr als berechtigte Hoffnungen machen können, entscheidend ins Titelrennen eingreifen zu können.
Wer hast die besten Chancen OKC zu stoppen?
Im Westen lauern die San Antonio Spurs und die Denver Nuggets. Angeführt von ihren recht unterschiedlichen Big Men, haben sie gezeigt, dass sie OKC vor Probleme stellen können. Victor Wembanyama und die Spurs haben in der aktuellen Spielzeit drei von vier direkten Duellen gegen den Titelträger für sich entscheiden können. Wiederholt zeigte sich, dass den Thunder die nötige Größe fehlt, um den Franzosen unter dem Korb zu kontrollieren. Und auch defensiv ist der 2,24m-Mann kaum zu überwinden.
Nikola Jokic ist zwar defensiv längst nicht so ein Faktor wie der 22-Jährige, kann aber mit seiner Robustheit dennoch ähnliche Schwachstellen nutzen. Deshalb können die Ambitionen der Denver Nuggets, die sich im Jahr 2023 krönen konnten, nicht untergraben werden. Selten war die Mannschaft aus Colorado diese Saison komplett, nun könnte sie zur richtigen Zeit heiß laufen.
Genau das trifft auch auf die Boston Celtics zu. Nach dem großen Erfolg 2024 folgte der Schock im vergangenen Jahr. Superstar Jayson Tatum riss sich in der zweiten Runde gegen die New York Knicks die Achillessehne und die Titelträume waren sofort beendet. Nun ist der 28-Jährige jedoch zurück und findet nach nun zehn absolvierten Partien immer mehr in seinen Rhythmus. Sein "Partner in Crime" Jaylen Brown konnte in seiner Abwesenheit noch eine Schippe drauflegen. Aus diesem Grund geht der aktuelle Zweite aus dem Osten, als Favorit auf das Finale in die Postseason.
Zu viele Schwächen – trotzdem keineswegs chancenlos
Hinzu kommen gleich zahlreiche Teams, die aufgrund von offensichtlichen Schwachstellen im eigenen Spiel nicht dieselben Chancen haben wie die oben genannten Vier. Darunter fallen auf jeden Fall auch die Cleveland Cavaliers. Nach dem Trade für James Harden, Dennis Schröder und Keon Ellis sprang das Team aus Ohio bei den Wettquoten rapide nach oben. Doch die tatsächlichen Ergebnisse fielen durchwachsener aus, als erwartet. Das liegt jedoch auch an dem nun monatelangen Ausfall von Jarret Allen, der seinen Kollegen vor allem defensiv enorm viel hilft. Mit dem Center, ist das Team von Schröder nicht zu unterschätzen.
So steht es auch um zwei weitere Teams im Osten. Die Detroit Pistons haben ihre Conference die ganze Saison über angeführt. Dann folgte die Hiobsbotschaft. Anführer Cade Cunningham wird mit einer kollabierten Lunge lange Zeit zum Zuschauen verdonnert. In der Postseason wird es vor allem auf die Dreierschützen ankommen, damit ein hoffentlich fitter Cunningham genug Platz bekommt, um die Offensive effektiv zu gestalten. Schaffen sie es regelmäßig genug Zähler aufs Board zu bringen, hat ihre Verteidigung das Potenzial, sie tief in die Play-Offs zu tragen.
Genau andersheraum steht es um die New York Knicks. Der dynamische Point Guard Jalen Brunson & Co. sind eines der besten Offensivteams der Liga. In der Postseason könnten die Schwächen von Brunson und Karl-Anthony Towns zu einem Zusammenbruch der Defensive führen. Individuell sind die beiden Leistungsträger zu fehlerbelastet in der Abwehr. In einer langen Serie könnten Gegner dies rücksichtslos ausnutzen und die Knicks vor unlösbare Aufgaben stellen.
Auch bei den Los Angeles Lakers befinden sich viele Fragezeichen hinter den defensiven Möglichkeiten des Kaders. Zu selten konnte die Mannschaft um Luka Doncic und LeBron James ihr Potezial abrufen. Zudem kamen Verletzungen der beiden, sowie ein längerer Ausfall von Austin Reaves. Zuletzt konnten die Lakers allerdings 13 von 14 Partien siegreich gestalten. In der Nacht zum Karfreitag setzte es dann aber eine empfindliche Niederlage (93:139) gegen OKC. Dabei musste Doncic den Court im dritten Viertel mit einer Oberschenkelverletzung verlassen – beides kein gutes Zeichen für die anstehende Postseason.
Klare Außenseiter – aber nichts ist unmöglich
Erfahrungsgemäß ist es aufgrund der langen Best-of-7-Serien sehr schwer, sich als Außenseiter einen langen Lauf in der Postseason zu erarbeiten. Dennoch kommt dabei einiges auf die direkten Matchups an. Deshalb wird der Erfolg der folgenden Mannschaften auch sehr stark von den Gegnern oder, wie bei den Minnesota Timberwolves davon abhängen, ob sie den berühmt-berüchtigten Schalter umlegen können.
Das Team von Anthony Edwards wusste über die gesamte Saison mit eindrucksvollen Siegen zu glänzen, verlor jedoch auch zahlreiche Partien gegen klar schlechtere Teams. Schaffen sie es, wenn es drauf ankommt, ihre Leistungsvermögen dauerhaft abzurufen, haben die Timberwolves auch in den vergangenen Play-Offs bewiesen jeden schlagen zu können.
Nach dem Trade für Kevin Durant haben viele Fans von einer dominanteren Regular Season geträumt. Doch die frühzeitigen Verletzungen von Fred VanVleet und Steven Adams haben den Kader entscheidend geschwächt. Durch den Ausfall des Point Guards fehlen den Texanern Spieler, die die Offensivbemühungen strukturieren, und auch die Dominanz bei den offensiven Rebounds ging mit Adams flöten. Zwar machte Reed Sheppard auf der Guardposition zuletzt Lust auf mehr, doch in den Play-Offs könnte es im hart umkämpften Westen schnell eng werden für Houston.
Im Osten würde eine Finalteilnahme eines anderen Teams außer Boston, Detroit, Cleveland und New York die meisten wohl sehr überraschen. Dennoch könnten einige Teams auf sich aufmerksam machen.
Die Philadelphia 76ers haben nach dem Zugang von Routinier Paul George bereits vom Titel geträumt. Knapp zwei Jahre später, hat das Trio um George, Joel Embiid und Tyrese Maxey kaum Partien zusammen absolviert. Es gab jedoch Momente in der laufenden Spielzeit, in denen das Team wirklich überzeugend aussah. Doch die Verletzungshistorie von Embiid und George lässt an einem Titellauf zweifeln.
Seit dem Jahreswechsel gibt es kaum bessere Teams im Osten als die Atlanta Hawks und die Charlotte Hornets. Die zwei Vertreter des Südostens der USA verfügen über recht wenig Erfahrung in der Postseason, könnten dem ein oder anderen Team allerdings Probleme machen. Charlotte konnte zuletzt New York vor den heimischen Fans überzeugend schlagen. Werden diese beiden Teams nicht ernstgenommen in der ersten Runde, könne die erste kleine Überraschung drohen.
Wie steht es um die Orlando Magic?
Zuletzt muss man aus deutscher Sicht noch über Orlando sprechen. Aktuell müssen die Magic noch um ihr Play-off-Ticket kämpfen. Großer Grund dafür ist sicherlich der monatelange Ausfall von Franz Wagner. Der deutsche Nationalspieler verletzte sich im August am Sprunggelenk und kehrte im Januar für die beiden Partien gegen Memphis in Berlin und London zurück, nur um seitdem mit anhaltenden Problemen am selbigen Knöchel auszufallen.
Große Hoffnung stellt die emotionale Rückkehr des Flügelspielers bei der 101:130-Niederlage gegen die Atlanta Hawks dar. In knapp 20 Minuten kam der 24-Jährige auf zwölf Zähler, zeigte sich aber vor allem an der Dreierlinie (0/6) noch sehr rostig. Viel Zeit zum Einspielen bleibt Wagner allerdings nicht. Einen Platz in den Play-Ins hat die Mannschaft aus Florida zwar schon sicher, doch dort reicht eine Niederlage aus, um die Saison der Magic sofort zu beenden.
Aufgrund der engen Tabelle, ist bei einem Lauf in den letzten Partien, noch ein Sprung nach oben in das Hauptfeld der Postseason möglich. Bei der aktuellen Form von zwei Siegen aus den letzten zehn Partien scheint dies jedoch unwahrscheinlich. Mit Franz Wagner, einem deutlich stabiler wirkenden Tristan da Silva und einem unberechenbaren Moritz Wagner ist dennoch zumindest eine kompetitive Serie in der ersten Runde drin – vielleicht sogar mit dem besseren Ende für Wagner & Co.
