Mit einem Tränchen im Auge herzte Moritz Wagner erst die Oma, dann Mama Beate und dann Papa Axel, auch Bruder Franz rang nach dem emotionalen Spektakel in Berlin nach Worten für seine Gefühle.
"Es ist super besonders", sagte der Welt- und Europameister nach dem schillernden NBA-Abend für den Basketballer in seiner Heimatstadt: "Das sind Erinnerungen, die ich niemals vergessen werde."

Die Dimension dessen, was am Donnerstagabend, an dem die Wagners und Orlando Magic die Memphis Grizzlies beim ersten regulären NBA-Spiel auf deutschem Boden mit 118:111 bezwungen hatten, in der Hauptstadt geschehen war, vermochte auch sein älterer Bruder noch nicht zu greifen. Er werde, so Moritz Wagner, "erst mal ein bisschen Distanz brauchen, um zu checken, was da eigentlich passiert."
"Man spürt die Energie"
Über 200 Tickets hatten die Wagners allein für ihre Familie und Freunde besorgt, gemeinsam mit den übrigen der 13.738 Fans in der Uber Arena sahen sie eine Show, mit der Berlin im NBA-Kosmos eine gewaltige Duftmarke setzte.
"Man spürt die Energie. Ich bin ja selbst Fan. Da kriege ich Gänsehaut, wenn ich das sehe", sagte Moritz Wagner: "Danach kommt der Gedanke, dass ich Teil dessen bin. Das ist eine riesige emotionale Überforderung."
Dort, wo die beiden Brüder bei Alba Berlin ihre ersten Schritte machten, hatte die NBA nun mächtig aufgefahren. "Unglaublich. Ich dachte nie, dass dieser Tag kommen wird", sagte Dirk Nowitzki, der dem Publikum vor dem Tip-off zusammen mit Detlef Schrempf einheizte – und am Rand sorgten die Fußballhelden Thomas Müller, Mats Hummels und Jürgen Klopp für den Glamour-Faktor, der in den USA eben zum guten Ton gehört.

Riesiger Anteil an Aufholjagd
Aber auch auf dem Court wurde das Spiel dem knallbunten Tamtam gerecht. Nach schwachem Start drehte Franz Wagner, der nach seiner Anfang Dezember erlittenen Knöchelverstauchung ausgerechnet in Berlin sein Comeback gab, im Schlussviertel so richtig auf. 13 seiner 18 Punkte erzielte der 24-Jährige in den letzten zwölf Minuten und führte damit Orlandos Aufholjagd nach zeitweise 20 Punkten Rückstand an.
Nach der Partie erklärte Wagner seine Anlaufprobleme mit einer Mischung aus fehlendem Rhythmus und der Bedeutung des Ereignisses: "Es war viel diese Woche. Von einer Verletzung zurückzukommen, ist nie leicht. Und dann ist das noch dieses Spiel." Moritz Wagner kam in seinem zweiten Einsatz nach seinem Kreuzbandriss auf sieben Zähler, Tristan da Silva legte acht Punkte auf.
