Vonn blieb anfangs schwer atmend im Schnee liegen, richtete sich aber bald auf. Nach einigen Minuten Behandlungszeit konnte sie selbstständig zu Tal fahren. Unterwegs blieb sie allerdings mehrmals stehen und hielt sich ihr linkes Knie. Die Teilprothese, die ihr das erfolgreiche Comeback ermöglichte, hat sie rechts. Im Ziel winkte Vonn ins Publikum und verschwand im Untersuchungszelt.
Vor Vonn, die mit der Startnummer fünf auf die anspruchsvolle Piste "Mont Lachaux" gegangen war, stürzten bereits zwei weitere Athletinnen. Die Österreicherin Nina Ortlieb kam mit einem "blauen Fleck am Kinn" davon, wie sie erzählte. Marte Monsen (Norwegen) musste mit dem Rettungsschlitten abtransportiert werden.
"Individuelle skifahrerische Fehler" bei Vonn
"Crans-Montana war schon immer eine schwierige Abfahrt, die ein gewisses Limit von den Frauen fordert", sagte DSV-Alpindirektor Wolfgang Maier im ZDF: "Die Präparation ist nicht schlecht, aber nicht ganz gleichmäßig, das ist eine extreme Herausforderung." Die Stürze führte er auf "individuelle skifahrerische Fehler" zurück.
Die Athletinnen im Startbereich, darunter Emma Aicher und Kira Weidle-Winkelmann, reagierten mit Unverständnis auf den Abbruch und diskutierten die Entscheidung aufgebracht untereinander. "Es hat sich nicht wie irgendetwas Verrücktes angefühlt", sagte Jacqueline Wiles (USA), die zu diesem Zeitpunkt in Führung lag und Vonn im Ziel getröstet hatte, über ihre Fahrt.
Wiles zeigte aber auch Verständnis für die Rennjury: "Es ist ein harter Tag. Man sollte jede schützen." Ortlieb ergänzte: "Wenn die beste Skifahrerin, Lindsey Vonn, auch scheitert, dann zeigt das schon, dass die Piste aktuell sehr anspruchsvoll ist."
