Philipp Nawrath stürmte mit der Startnummer eins mit einem gewaltigen Endspurt ins Ziel, ehe das Zittern und Bangen begann. Letztlich blieb das Happy End beim Weltcup-Finale am Holmenkollen aus, der beste deutsche Biathlet landete nach langem Warten als Achter trotz fehlerfreiem Schießen neben dem Podest. Damit platzte auch sein ohnehin nur vager Traum von der kleinen Kristallkugel im Sprint-Weltcup, dem Deutschen Skiverband (DSV) droht weiter die erste sieglose Weltcup-Saison der Geschichte.
"Die Topathleten waren eindeutig stärker, das muss ich anerkennen", sagte Nawrath im ZDF: "Ich war heute nicht ganz so frisch auf der Strecke. Die ersten zwei Runden konnte ich noch ganz gut mitlaufen, aber auf der letzten Runde ist mir der Dampf ausgegangen." Der Franzose Eric Perrot schnappte sich derweil bereits zwei Rennen vor Ende des Winters mit der großen Kristallkugel den Hauptpreis, er ist nach Platz drei im Gesamtweltcup nicht mehr einzuholen.
Im Sprint am Freitag siegte Sturla Holm Lägreid trotz einer Strafrunde vor dem Franzosen Emilien Jacquelin (1 Strafrunde/+3,9 Sekunden) und eben Perrot (1/+4,6). Für den Triumph im Sprint-Weltcup hätte Nawrath mindestens Dritter werden und auf Patzer der Konkurrenz hoffen müssen. Stattdessen schnappte sich Lägreid noch die kleine Kristallkugel.
Historisches Debakel wird immer wahrscheinlicher
Für die deutschen Skijäger geht es beim Finale vor allem darum, das historische Debakel der ersten sieglosen Weltcup-Saison abzuwenden. "Das ist eine knallharte Bilanz", monierte ZDF-Expertin Denise Herrmann-Wick: "Bei einem Sieg muss natürlich immer alles zusammenpassen und das hat es diese Saison nicht. Ich hoffe, dass es Ansporn für die nächsten Jahre ist, dass wir da wieder anknüpfen."
Wegen der Plusgrade und der tiefen Strecke wurde erneut kurzfristig die Startreihenfolge geändert und die Besten durften am Anfang starten. Nawrath bekam gar die Nummer eins zugelost, konnte den Vorteil nach Platz drei im Sprint von Otepää in der Vorwoche aber nicht ganz nutzen. Die nächstbesten Deutschen waren Philipp Horn (2/+1:06,2 Minuten) und Justus Strelow (1/+1:07,9) auf den Plätzen zwölf und 13. Weltcup-Debütant Franz Schaser (0/+1:40,8) zeigte ebenfalls eine ansprechende Leistung unter den besten 25.
Noch bleiben vier Rennen, um die erste sieglose deutsche Weltcup-Saison doch noch zu verhindern. Weiter geht es am Samstag (13.45 und 16.15 Uhr) mit den Verfolgungen, wo ein Erfolg angesichts der Ausgangslage kaum realistisch scheint. Bei den Frauen geht Vanessa Voigt als beste Deutsche gar nur von Rang 16 ins Rennen. Zum Abschluss stehen am Sonntag (13.30 und 16.30 Uhr/alles ZDF und Eurosport) traditionell die Massenstarts an.
