Katharina Schmid hält die letzten Schritte ihrer großen Karriere akribisch fest. Die letzte Dopingprobe? Muss aufs Foto. Der letzte Besuch im Fitnessstudio? Natürlich auch. Die letzte Schanze? Sowieso. Sie wolle "alles aufsaugen", sagt die Skisprung-Rekordweltmeisterin, denn am Samstag ist endgültig Schluss – nach fast 15 Jahren in der Weltspitze.
Planica "ein ganz besonderer Ort"
Ein Regisseur hätte das Drehbuch kaum besser schreiben können: Ausgerechnet in Planica, wo Schmid die besten Tage ihrer Karriere erlebte, verlässt die 29-Jährige die große Bühne. "Planica ist seit der WM ein ganz besonderer Ort - es fühlt sich immer ein bisschen an wie nach Hause zu kommen", sagt Schmid.
Bei jener WM 2023 war die Oberstdorferin auf dem Höhepunkt ihres Könnens. In vier Wettkämpfen holte sie – damals noch unter dem Mädchennamen Althaus – dreimal Gold und einmal Bronze. Vor allem aber endete im Tal der Schanzen die Zeit als "ewige Zweite". Bei Olympia 2018 und 2022 hatte es wie auch bei der WM 2019 im Einzel immer "nur" zu Silber gereicht. Dann platzte der Knoten.
Familienplanung
Schon nach ihrem Goldrausch dachte Schmid ans Aufhören. "Für mich steht fest, dass ich eine Familie planen will", sagte sie einmal. Die Aussicht auf das erste Skifliegen für Frauen, also den Gang auf eine "Monsterschanze" wie jetzt im slowenischen Planica, bewog sie zum Weitermachen. Die erste Vierschanzentournee in neun Monaten kommt dagegen zu spät.
"Ich freue mich einfach riesig"
Also wird für Schmid der 286. Weltcup-Start am Samstag (15 Uhr/ZDF und Eurosport) ihr letzter. Schon beim allerersten Weltcup Ende 2011 in Lillehammer war sie dabei, als 15-Jährige, sie landete auf Rang 33. Lillehammer ist noch so ein besonderer Ort. Sieben ihrer 19 Weltcupsiege holte Schmid dort.
In dieser Saison kam keiner mehr hinzu. In Lahti verpasste Schmid zuletzt sogar erstmals seit zehn Jahren einen zweiten Durchgang. Kurz zuvor war ihr dieses Malheur auch bei Olympia passiert.
Die Winterspiele in Italien wird die nur 1,57 m große Schmid dennoch in guter Erinnerung behalten, schließlich trug sie zusammen mit Eishockey-Star Leon Draisaitl bei der Eröffnungsfeier die deutsche Fahne.
Ein letztes Highlight wartet aber noch. Zum Abschied erlebt Schmid eine Premiere, erstmals dürfen Frauen auf der riesigen Letalnica-Schanze starten. "Das alles noch einmal genießen zu können, die Freunde und die Familie mit einzupacken und dann meine Karriere gebührend zu beenden – ich freue mich einfach riesig", sagt Schmid.
