Robert Andrich schlenderte bestens gelaunt in die Interviewzone – und drehte den Spieß kurzerhand um. "Ich habe die erste Frage an euch", sagte der Mittelfeldspieler von Bayer Leverkusen zu den Journalisten: Wie viele Tore er in seinen 200 Bundesligaspielen geschossen habe, wollte der Routinier wissen.
Eine richtige Antwort blieb aus, deshalb schob Andrich nach: "21 – und immer wenn ich treffe, ist es ein Traumtor."
Der im Sommer entmachtete und beinahe aussortierte Andrich genoss seine erfolgreiche Rückkehr in die Startelf der Rheinländer in vollen Zügen.
Mit seinem Volleystrahl aus 20 Metern hatte er für die Werkself den 4:3 (2:2)-Erfolg beim FSV Mainz 05 eingeleitet und in seinem 200. Einsatz im Oberhaus ein Signal gesendet: Hallo, hier bin ich wieder!

Andrich übernimmt Verantwortung
Als Torschütze, aber auch als Führungsspieler, der nach einer wilden Partie voller Wendungen gleich wieder den Finger in die Wunde legte. Denn nach dem 2:0 durch Patrik Schick (9.) hatte Bayer die Mainzer ins Spiel zurückkommen lassen.
"Wir haben ein bisschen gedacht: Das geht schon, wir machen ein drittes und viertes Tor. Aber so läuft es nicht", kritisierte Andrich bei Sky: "Es gehört zur Wahrheit dazu, dass wir uns das anschauen müssen."
Mit den Treffern von Jarell Quansah (55.) und Moussa Diaby (65.) fand Leverkusen im zweiten Durchgang wieder in die Spur, doch die wechselhaften Leistungen - selbst inmitten eines Spiels - hinterließen einige Zweifel. "Wenn wir ehrlich sind, können wir sagen: Wir haben gute Punkte, aber wir sind noch nicht da, wo wir hinwollen", sagte Andrich.
Auch dank des Auftritts des 32-Jährigen in Mainz stimmt immerhin die Richtung. Im Sommer galt Andrich als Verkaufskandidat, die Kapitänsbinde nahm ihm der neue Trainer Carles Martínez ab.
Andrich hat "die Situation angenommen"
Doch der Ex-Nationalspieler blieb. Und er beteuerte, er habe "die Situation angenommen und akzeptiert, dass es sportlich erst einmal etwas schwieriger ist".

Er wolle "Gas geben" und sich "aufdrängen", hatte Andrich unlängst erklärt, gegen Mainz ließ er bei seiner Startelfpremiere in dieser Bundesliga-Saison Taten folgen:
"Ich bin sehr, sehr froh, dass ich wieder spielen konnte", sagte er bei Sky: "Die letzten 15 Minuten waren hart, wenn man lange nicht 90 Minuten gespielt hat. Ich bin sehr happy."
Auch wenn er beim Blick auf sein Traumtor noch einen Schönheitsfehler erkannte. "Meine Körperhaltung war jetzt nicht ganz perfekt", scherzte Andrich, "aber so viel gibt es da nicht zu meckern."
