Das ist gewaltig untertrieben. Seit dem 2. November hat der achtmalige Meister kein Spiel mehr in der regulären Spielzeit verloren, punktete seitdem regelmäßig und holte in 19 Partien 50 von 57 möglichen Zählern. Der Vorsprung vor den Adlern Mannheim ist auf acht Punkte angewachsen, die Haie haben die zweitbeste Offensive, die drittbeste Defensive und die meisten Powerplaytore der Liga - trotz eines Trainers, der vorzeitig seinen Abschied verkündet hat, und trotz der Ausfälle wichtiger Spieler.
In Dresden musste der finnische Chefcoach Kari Jalonen, der nach der Saison in seine Heimat zurückkehren wird, nicht nur auf die verletzten Topstürmer Gregor MacLeod und Nate Schnarr verzichten. Auch sein Landsmann Janne Juvonen, seit seiner Verpflichtung Mitte Oktober der beste Torhüter der DEL, fiel erkrankt aus.
Jalonen-System voll verinnerlicht
Außerdem fehlten 800 Haie-Fans, die sich um sechs Uhr morgens im Sonderzug auf den Weg gemacht hatten. Wegen diverser Streckensperrungen verspätete sich der Zug so sehr, dass er erst Magdeburg erreicht hatte, als in Dresden das Spiel begann. Also ging es zurück nach Köln.
Die Haie selbst scheint derzeit niemand aufhalten zu können. Die Befürchtung, Jalonen könnte nach seinem im Oktober angekündigten Abschied zur "lame duck" werden, bestätigte sich nicht. Im Gegenteil: Das auf eine starke Defensive und Puckbesitz ausgerichtete System des Finnen hat die Mannschaft im zweiten Jahr vollkommen verinnerlicht.
Der 65-Jährige, der die Kölner im Frühjahr bereits ins Finale geführt hatte, peilt nach sechs Titeln in Finnland und der Schweiz auch die Meisterschaft in Deutschland an. "Die Jungs sind taktisch alle auf einem Level", sagte Jalonen, "sie sind weiter hungrig auf Siege, das ist schön zu sehen."
Eisbären Berlin weit entfernt
Zwar verlor Köln im vergangenen Sommer Leistungsträger wie Nationalspieler Justin Schütz oder Torhüter Julius Hudacek, verstärkte sich aber - mit Blick auf Jalonens System - gezielt mit den finnischen Verteidigern Oliwer Kaski und Valtteri Kemiläinen oder dem Dänen Patrick Russell, inzwischen Topscorer im Team, dem Kanadier Schnarr und dem ehemaligen NHL-Erstrundenpick Bokk im Sturm. Als sich der neue Torhüter Felix Brückmann im Oktober am Knie verletzte, gelang mit Juvonen ein weiterer Volltreffer auf dem Transfermarkt.
Noch stehen 16 Spiele in der Hauptrunde aus, die Play-offs beginnen erst Mitte März. Doch schon jetzt haben die Haie eindrucksvoll ihre Ansprüche angemeldet, die titellose Zeit nach 24 Jahren zu beenden. Vor achteinhalb Monaten scheiterten sie noch krachend, als sie in der Endspielserie gegen die Eisbären Berlin drei 0:7-Pleiten in Folge kassierten. Aktuell liegen sie 24 Punkte vor dem Titelverteidiger.
