"Es geht aus deutscher Sicht in die falsche Richtung", monierte der scheidende Sportdirektor Felix Bitterling im ZDF. Der Anspruch sei "ein anderer". Man müsse sich "Gedanken für die Zukunft machen", forderte Frauen-Coach Kristian Mehringer. Denn im Moment, ergänzte Trainerkollege Sverre Olsbu Röiseland, sei die Mannschaft nach dem Rücktritt von Franziska Preuß "noch nicht gut genug".
Vor den beiden Abschlussrennen blieb das deutsche Team ohne einen einzigen Weltcup-Sieg. Der bisherige Negativrekord lag bei drei Erfolgen in der Saison 2020/21, im besten Winter 2007/08 waren es gar 24 Triumphe. Die bisher sieben Podestplätze sind auch gerade einmal halb so viele wie bei der vorherigen Tiefmarke von 14 aus der Saison 2013/14, im Rekordwinter 2006/07 waren es mit 72 mehr als zehnmal so viele Platzierungen unter den besten drei.
Verbesserung geht nicht "von heute auf morgen"
"Das ist eine knallharte Bilanz", sagte ZDF-Expertin Denise Herrmann-Wick. Es sei "zu wenig" und man müsse jetzt auch "kritisch" sein. Mit viel Mühe rettete die deutsche Frauen-Mannschaft auf der Zielgeraden Rang fünf in der Nationenwertung. Damit behält der DSV zwar sechs Startplätze, dennoch ist auch dieses Abschneiden schlechter denn je. Zwischen 2014 und 2018 hatte es vier erste Plätze in Serie gegeben, seit Einführung der Wertung 1999 lag Deutschland 13-mal vorne.
Auch bei den Männern um Anführer Philipp Nawrath lief es kaum besser, gerade zu den Norwegern und Franzosen gibt es einen Klassenunterschied. "Wir waren nicht unbedingt zufrieden mit den Ergebnissen", sagte Lauftrainer Jens Filbrich. Mit einer schnellen Trendwende ist nicht zu rechnen. "Das geht nicht von heute auf morgen", sagte Mehringer. Es sei "im Ausdauersport nicht so, dass man durch Hauruck-Aktionen etwas Krasses verändern kann in kurzer Zeit", so Herrmann-Wick.
Das Abschlusswochenende am Holmenkollen machte erneut wenig Hoffnung. Die Aufholjagd von Vanessa Voigt von Rang 16 auf sechs mit der zweitbesten Tageszeit sowie die beste Laufzeit von Julia Tannheimer im Verfolger am Samstag waren Lichtblicke. Die Männer offenbarten im Jagdrennen altbekannte Schwächen, Justus Strelow auf Rang neun oder Nawrath auf Position 15 hatten mehr als zwei Minuten Rückstand auf Sieger Sturla Holm Lägreid.
In der achtmonatigen Sommerpause hat der DSV mit dem neuen Sportdirektor Bernd Eisenbichler viel Bedarf zur Aufarbeitung der historischen Negativ-Saison. Bis zum kommenden Winter müsse, so Olympiasiegerin Herrmann-Wick, wieder "eine Aufbruchstimmung her".
