Pyro auf den Tribünen, Jagdszenen auf dem Platz, Raketenschüsse in die Menge – und 17 Verletzte: Die Ausschreitungen beim Skandalspiel zwischen Dynamo Dresden und Hertha BSC versetzten Fußball-Deutschland im April in Aufruhr. Gut fünf Monate später gibt es das brisante Wiedersehen im Zweitliga-Topspiel. Drohen erneut Krawall und Chaos?
Die Dresdner Polizei nehme, so teilte sie der Sport Bild vor der Partie am Samstag (20:30 Uhr/RTL Nitro und Sky) mit, "die Erfahrungen aus vergangenen Begegnungen und insbesondere die Ereignisse rund um das Spiel der Vorsaison sehr ernst". Das Aufeinandertreffen sei in der Kategorie 1 eingestuft worden, bei derartigen Spielen werde "von einem hohen Sicherheitsrisiko ausgegangen".
Heftige Krawalle
Rückblick: Beim Rückspiel der Vorsaison am 4. April, das 1:0 für Hertha endete, waren Berliner Anhänger im Dresdner Rudolf-Harbig-Stadion wegen einer geklauten Blockfahne in den Innenraum eingedrungen.
Es kam zu Auseinandersetzungen mit Heimfans und Bengalos sowie Raketen wurden hin- und hergeschossen. In der Folge wurden beide Klubs mit Geldstrafen belegt, zudem dürfen die Gästeblöcke bei beiden Begegnungen der laufenden Saison nur zur Hälfte ausgelastet werden.
Dieser Teilausschluss soll am Samstag erneuter Randale vorbeugen, genau wie erweiterte Pufferzonen um den Gästeblock sowie personalisierte Tickets.
Dynamo-Coach Thomas Stamm begriff die Partie derweil als Chance, "Fußball-Deutschland zu zeigen, dass wir auch anders können. Und vielleicht muss es auch so sein. Sonst laufen wir irgendwann auf einen Punkt zu, an dem du Spiele mit einem gewissen Potenzial ohne Zuschauer austrägst. Das wäre eine Katastrophe."
Herthas Anhang boykottiert
Bei den Hertha-Fans kamen der Ausschluss und die übrigen Maßnahmen erwartungsgemäß schlecht an. Die aktive Fanszene rief dazu auf, das Auswärtsspiel zu boykottieren. Auch Hertha-Geschäftsführer Peter Görlich gab gegenüber der Sport Bild zu, dass der Verkauf "sehr schleppend" laufe. Laut kicker soll nur rund die Hälfte des 1.400 Tickets umfassenden Kontingents ausgeschöpft werden.
"Für unsere Mannschaft tut mir das leid. Ich finde es schade, dass wir keinen organisierten Support haben werden", sagte Görlich: "Der wird der Mannschaft in Dresden fehlen." Immerhin trachtet der überraschend stark gestartete Tabellenführer nach dem sechsten Sieg im sechsten Ligaspiel, während die Fans vom Aufstieg träumen.

