Die Tage bis zur Heim-WM werden bereits gezählt. Voller Vorfreude fiebert der Verband dem "alles überstrahlenden Turnier" im Januar entgegen. Ein Großteil der Tickets ist längst vergriffen.
Doch zur Euphorie gesellen sich unerwünschte Störgeräusche. Seit Wochen wird in der Bundesliga kontrovers über den geplanten Wechsel von Johannes Golla debattiert. In der Nationalmannschaft bleibt der Kreisläufer als Kapitän gesetzt – mit voller Rückendeckung.
"Die Frage nach der Situation von Johannes Golla oder eine Veränderung seiner Rolle wird von außen an uns herangetragen, sie stellt sich aber für uns nicht", sagte Teammanager Benjamin Chatton dem SID: "Zudem muss man die Rolle als DHB-Kapitän auch richtig einordnen. Wir haben mehrere Führungsspieler, die unterschiedliche Fähigkeiten und Führungsqualitäten in die Mannschaft einbringen."
Wenig überraschend ist Golla, der nach seinem Wechsel zur MT Melsungen aus familiären Gründen und wegen seiner "gefährdeten mentalen Gesundheit" lieber heute als morgen zurück zur SG Flensburg-Handewitt wechseln möchte, daher auch im Aufgebot von Bundestrainer Alfred Gislason für die anstehenden Aufgaben in der EM-Qualifikation gesetzt.
Testspiele gegen Belgien und Slowakei
In Berlin gegen Belgien (5. November) und in Presov gegen die Slowakei (8. November), den letzten Aufgaben vor der finalen WM-Vorbereitung, will Gislason gewinnen, "aber auch an der Festigung unserer taktischen Abläufe mit Blick auf den Januar arbeiten".
Das spiegelt sich im Kader wider. "Wir arbeiten mit einem Stamm, der die Abläufe kennt und eingespielt ist", erklärte der Bundestrainer sein Aufgebot, in dem es im Vergleich zum letzten Lehrgang nur drei Veränderungen gab. Neben Golla zählen Torhüter Andreas Wolff, aber auch Julian Köster und Juri Knorr zum festen Kern.
Theiß und Móré "bewerben" sich
"Wir haben aber auch betont, dass wir auf einzelnen Positionen mehrere Spieler und ihre Leistungen beobachten", sagte Gislason: Daher sind Niklas Theiß und David Móré neu dabei, "da wir sie bei uns sehen wollen."
Der rechte Rückraum Theiß (23) von der HSG Wetzlar und Linksaußen Móré (22/ThSV Eisenach) haben die Chance, sich für das finale WM-Aufgebot zu bewerben – und beim Eröffnungsspiel gegen Tunesien am 13. Januar 2027 in München auf der Platte zu stehen.
Die letzten Tests sind bereits knapp ein halbes Jahr her. Sie boten eine klare Standortbestimmung. In zwei Spielen gegen Dänemark gab es zwei verdiente Niederlagen – ob mit oder ohne Bestbesetzung beim Welt- und Europameister.
Für ein erfolgreiches Turnier braucht es "maximale Konsequenz, die wir schon jetzt in jedem Training und in beiden Spielen vorbereiten müssen", fordert DHB-Sportvorstand Ingo Meckes.
Die deutschen Handballer müssen sich beim Griff nach Medaillen im eigenen Land also mächtig strecken. Funktionieren soll das mit Golla – und ohne Störgeräusche.
