Dicht gedrängt standen 1200 Schalke-Fans am Ernst-Kuzorra-Weg, um einen Blick auf ihre neue Nummer 10 zu erhaschen. Spritzig sprintete Edin Dzeko am Freitagmorgen über den Trainingsplatz, elegant verarbeitete er die Zuspiele - einzig der Torabschluss wollte noch nicht gelingen. Den riesigen Hoffnungen, dass der Name Dzeko noch immer für einen ausgeprägten Torriecher steht, tat das jedoch keinen Abbruch.
"Herzlich Willkommen" rief ein Anhänger, als Dzeko erstmals den Platz betrat, Schalke übertrug das Training live im Internet. Ein Blick auf die besten Torschützen dieses Jahrtausends lässt erahnen, was für einen Namen Sportvorstand Frank Baumann an Land gezogen hat: Hinter Fußballgrößen wie Lionel Messi oder Cristiano Ronaldo steht Dzeko mit 371 Toren in 856 Spielen auf Platz sieben.
Alleine 6000 Schalke-Trikots mit dem Namen Dzeko wurden seit der Vorstellung verkauft. Der Transfer reiht sich in den illustren Namensfundus einstiger Weltklassespieler, die für ein letztes Karrierekapitel noch einmal deutsche Profifußballluft schnupperten. Ruud van Nistelrooy, Raúl, Jari Litmanen. Und nun der 39 Jahre alte Dzeko, der einst bei Manchester City oder Inter Mailand auf Torejagd ging.

Das Ruhr-Intermezzo des Bosniers ist wirtschaftlich von überschaubarem Risiko, indes schweben sportlich noch Fragezeichen über Dzeko. Jüngst lief es bei der AC Florenz überhaupt nicht rund. Dzeko kam meist von der Bank und blieb in der Serie A ohne Torerfolg.
Auf Schalke haben sie großes Interesse, dass Dzeko den Abwärtstrend widerlegt. Mit 22 Toren aus 18 Spielen stottert die königsblaue Offensivmaschinerie, es ist der historisch harmloseste Zweitliga-Herbstmeister aller Zeiten. Aktuell sind selbst Dynamo Dresden und Greuther Fürth auf den direkten Abstiegsplätzen treffsicherer.
Da könnte Dzeko, zeit seiner Karriere als bulliger Strafraumtank mit exzellenter Technik inner- und außerhalb des Strafraums bekannt, Wunder wirken. Um von ihm zu profitieren, ist es an Trainer Miron Muslic, Dzeko in Abschlusssituationen zu bringen. Torchancen waren zuletzt jedoch Mangelware, das jüngste 0:0 bei Hertha BSC Berlin sprach Bände.
Fraglich ist zudem, ob Dzeko Schalkes laufintensives Gegenpressing mitgehen kann. Versessen soll er im Kraftraum für seine Fitness schuften, wie auch sein Ex-Mitspieler Vincent Kompany weiß. "Wir sprechen ganz oft darüber, was Manuel Neuer macht, um immer wieder auf diesem Niveau fit zu bleiben. Genau das habe ich in Edin Dzeko immer gesehen", sagte der Bayern-Trainer am Freitag.
Immerhin: Dzeko dürfte trotz Starfaktor nicht zum Störfaktor avancieren. Der Bosnier stand nie in Verdacht, mit Allüren aufzufallen und nahm selbst in Florenz ohne Murren auf der Bank Platz. An ein solches Szenario will auf Schalke jedoch niemand denken. So stehen Dzekos Chancen auf den ersten von 16 möglichen Saisoneinsätzen am Sonntag gegen Kaiserslautern (13.30 Uhr/Sky) gut.
